Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Ziele und Aufgaben 17 von allem Wichtigen nur das Wichtigste getan werden. Die Pflege jüdischer Kultur ist nötig, soweit die unmittelbaren Ziele unserer Bewegung damit gefördert werden, zum Beispiel der Zusammenhang zwischen den Juden der Welt erleichtert, eine jüdische Kooperative in Palästina ermöglicht wird. Was darüberhinaus propagiert vielleicht auch getan wird ist grundsätzlich von Übel. Denn es ist falscher Kräfteeinsatz an falscher Stelle. Zuweilen erhob man bei uns die Forderung des Talmudstudiums. Aber der von wirtschaftlichen Sorgen des Tages belastete Bundesbruder darf nie und nimmer vor so schwere Aufgaben gestellt werden. Bekanntlich kommt die Mehrzahl unserer Menschen knapp z-um Hebräisch Arbeiten, fast gar nicht zur Beschäftigung mit den ku'iturell geistigen Gebieten, die auch für den Zionisten im Moment dringend nötig ist. Bei dieser Sachlage mögen alle diejenigen, welche in der letzten Zeit laut zur Beschäftigung mit jüdischer Kultur aufforderten und in der Lage sind, diese ihre eigenen Forderungen zu erfüllen, prüfen, ob sie nicht selbst die Ergebnisse ihrer Studien, soweit sie für den praktischen Zionismus von Bedeutung sind, auf irgend eine leicht faßliche und wenig Zeit raubende Weise dem großen Kreise des Kartells vermitteln könnten. Es gibt in Europa keinen Gedanken von gleicher idealer Verwegenheit wie den des Zionismus. Darum muß eine Auseinandersetzung mit unserer Umwelt beginnen mit der Prüfung, ob das geistige europäische Leben, welches wir solange nicht ganz von uns abwerfen, können, als wir hier sind, ob dieses geistige Leben der Boden sein kann, auf dem unsere Idee genährt und verwirklicht werden kann. Es gilt abzurücken von der kranken, geistigen Einstellung, welche wreiten Kreisen Deutschlands liebe Gewohnheit ist, die sich, im Großen äußert in der Politik des seine Währung ruinierenden betrügerischen Bankrotteurs, im Kleinen im Steuer- Schwindel, in der häßlichen Methode, Parteifeden auszufechten und in Zeitungen seine Ansichten zu vertreten, den sachlichen Gegner persönlich zu diskreditieren in der geistlosen Auswahl der Zerstreuungen in Mußestunden. Mit Bedauern mußte man auf dem Kongreß in Karlsbad, wie auch oft bei der Lektüre unserer Parteiorgane das traurige Niveau dies_er geistigen Einstellung unserer Wirtsvölker .wiedererkennen. Gegen diese Assimilation an die Lebensformen von Menschen, die ihren Gott, ihre Religion, ihren Instinkt für Ideale zu Grabe tragen, müssen wir uns wehren. Kuhhandel bei der-Prüfung \on Parlamentsmandaten oder bei einem Vertrauensvotum für das Kabinett gehört nicht auf unsere Kongresse. Ebenso müssen wir. das für uns persönlich Wichtigere. Mittel finden, unsere Menschen vor einer Gewöhnung an die traurigen Geschäftssitten deutscher Kaufleute zu bewahren, in ihnen das Bewußtseh. wach halten, daß ein Gesetz nicht unter dem Gesichtspunkt: „Wie komme ich um die Übertretung des Wortlauts herum", sondern unter dem ..wie erfülle ich seinen Sinn44'zu sehen ist. — So wollen wir auch dieses häßlich gewordene, verbrauchte Wort ablegen, mit dem wir unser Erziehungsziel bezeichneten: dem der Geruch unbezahlter Steuern und widerwillig erfüllter Pflichten anhaftet: Wir wollen nicht nur jüdische Staatsbürger werden. Unser Erziehungsziel darf nicht mehr der Alte Herr sein. Es ist der zionistische Soldat. Soldat in. dem Sinne, in dem es der Jesuit im Dienst der