Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3537599-3537784-3537785--5970-3544098- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
16 Ziele und Aufgaben Zionismus bedeutet: Mit dem Willen zur Nation und dem Glauben an sie nach Palästina zu gehen. Immer wieder muß das gesagt werden^ weil es immer noch ^unter uns solche gibt, die dann mit einem „aber44 fortfahren: „Die Organisation müsse erhalten, für unsere Fonds müsse gesammelt werden". — Wir sollten endlich damit aufhören, die Galutharbeit dem eigentlichen Gedanken der Bewegung gegenüberzustellen. Sie ist ein notwendiges Werk auf demWege zumZiel. Darum darf sie nie zum Selbstzweck we'rden. — Ein jeder, der sich auf Palästina vorbereitet oder dort als Zionist lebt wird auch für die Organisation leisten, was die Organisation fordert. (Man denke an die Organisationsfreiidigkeit des Blau-Weiß, dem man vorwarf, er setze seinen Palästinazielen gegenüber die Galutharbeit hintan). Der konsequente Zionist wird für die Sache besser werben, als der an das Gahifh gebundene, weil er für seine eigenste Sache, mit freiem Merzen wirbt, unbelastet von Diskrepanz zwischen Wünschen und Sein» die den Galuthzionisten beschwert. Her Zionismus entwurzelt im Galuth. er reißt eine Wunde auf, die in der Assimilation geschlossen war, wenn auch falsch. Nur der konsequente Zionismus läßt die Wunde heilen; er verwurzelt neu in Palästina. Dem Zurückbleibenden bleibt 'nur die Wahl zwischen Rückkehr zur Assimilation an der nie sich schließe den Wunde. Unser Leben hier hat etwas Unehrliches an sich. Dieses Unehrliche empfinden wir alle als mehr oder weniger lähmend. Wie wenige von uns können innerlich rechtfertigen, daß sie, den Blick und die Interessen auf Palästina gerichtet, heute in -einem Lande leben, das, hm nicht unterzugehen, die Konzentration geistiger und körperlicher Kraft jedes einzelnen im Dienste dieses Landes fordern muß. III. Ks gibt eine Auseinandersetzung geistiger Art mit Europa. Viele haben sie in der Beschäftigung mit dem Niederschlag;* der jüdischen Kultur, der zionistischen Literatur gesucht. Man hatte Grund dieser Richtung, welche in Ernst Simon l ihren Exponenten fand, jedenfalls dort skeptisch gegenüberzustehen, wo sie propagandistisch wirken wollte. — Nicht allein, weil die von dem Frankfurter Kreis vorgeschlagene Methode allein auf die. welche sie propagierten, zugeschnitten war: denn was sie forderten, war einj Art künstlerischen Erlebens des Stoffes, dessen die wenigsten unter uns fähig sind. — Skepsis war jedoch vor allem dehalb geboten, v;il diese ganze Kulturpropaganda um der Kultur willer» etwas Kü?,c:tliches. das Ergebnis einer verständlichen Operation, schien. I<L;lt;n' zu ..schaffen", ist Sache der wahrhaft gesunden, lebendigen Nati Nationale Kultur gedeiht nur. wenn die primitivsten Lebens-beJ ngungen vorhanden sind, sie entwickelt sich dann natürlich und von selbst. Kühn, wenn nicht vermessen muß es erscheinen, wenn deutsche Juden im Galuth jüdische Kultur vergangener Zeit beleben und fortbilden wollen. Ein gesundes jüdisches Volk gibt es nicht. Es entbehrt des Notwendigsten für seine Existenz, der Heimat, dieder Zionismus scharfen soll. Bei der Beschränktheit der uns zur Verfügung stehenden Kräfte darf in einer Zeit der Not unseres Volkes