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Der jüdische Student · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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!5 Mir scheint, in einer falschen Einschätzung unserer Menschen, die sich erheblich von Jenen unterscheiden, welche vor 5 Jahren bei uns Füxe und Burschen waren. Es sind nicht mehr die literarisch veranlagten Abiturienten, welche die Universität 'beziehen, nunmehr mit ihrem Studium nur wenig beschäftigt. Es sind Kinder einer mehrpraktisch, mehr auf das Notwendige eingestellten Zeit die schon auf der Schule irgendwie^ mehr als früher mit Wirtschaftsfragen in Berührung kommen, Kaufleute. Studenten mit Nebenerwerb. Alle sind mehr als Trüher in die Sorgen des täglichen Lebens eingespannt, zeitlich sowohl wie geistig. Für sie bedeutet die Beschäftigung mit Achad Uaams Problemen und Bubers Theorien, mit jüdischem Kulturgut und historischen Perspektiven eine schier unlösbare Aufgabe. Weil der Sprung von der Wirklichkeit, dem was sie tagsüber beschäftigt, zu diesen abstrakten Dingen zu groß ist. — "lamm ist ein Programm, wie das von Paul Hirsch, welches Forderungen enthält, wie sie vor zwei Jahren gestellt (und auch nicht immer erfüllt) wurden, kein Programm für die Mitglieder des Kartells von 1924. Die gewählten Maßstäbe sind falsch? Die Aufgabe lautet: Wie kann Zionismus für einen jungen Menschen heute zum Erlebnis werden? Wie ist das zionistische Ideal ins Leben zu übersetzen? H. Zionist werden bedeutet: Von dieser Idee ganz ergriffen werden. Es bedeutet — so lehrte man uns — den Juden, der in der Assimilation als Sklave der verschiedenen Elemente seiner geistigen Substanz zu keiner Geschlossenheit gelangen kann, zu einem selbstbewußten, abgerundeten Menschen zai machen. Wir alle wissen, daß bei den meisten von uns dieser innere Ausgleich, den der Zionismus hervorrufen soll, nicht vorhanden ist. Wir wissen, daß die unsrigen ein Doppeldasein führen: am Tage die Bürger dieses Landes, abhängig von seinem Unwohl und Wehe, dem geistigen wie dem leiblichen, Knechte unseres Wirtschaftslebens wie jeder Nichtiude. Am Abend, abgehetzt, theoretische Zionisten, auf deir- Wege, welchen das Ideal weist: in hebräischen Sprachkursen, bei dem Lesen der Bibel, bei der platonischen Behandlung palästinensischer Fragen. Und zwischerdurch Versuche des Ausgleichs: Sammlung von Geldern für unsere Fonds. Aber wir wissen alle, daß kein wirklicher Ausgleich da ist zwischen Leben i:nd Lehre. Es kann nicht bestritten werden, daß der Assimilant. der wenigstens noch den begründeten Glauben an seine Zukunft in Deutschland hat, weniger in der Luft hängt, als unsere Durchschnittsbundesbrüder. Ein jeder „ben Naumann" ist als Mensch geschlossener als wir. Bei den Kämpfen mit den nationaldeutschen Juden, die wir ausfechten werden, sollten wir nicht übersehen, daß jene Wollen und Wirken, wenn auch gewaltsam und rücksichtslos, in Übereinstimmung gebracht haben. Das Leben des Menschen von Charakter kennzeichnet einheitlicher Stil. Wenn er im Dienste eines Ideals steht, entlehnt er den Stil diesem Ideal. — Abgesehen von Chaluzim und solchen, die mehr oder weniger beruflich im Dienste des Zionismus stehen, hat bei uns <o gut wie niemand einen zionistischen Lebensstil bei sich verwirklicht oder ist auf dem richtigen Wege dazu.

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