Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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14 So beurteile ich denn die Aussichten für Ärztu in Palästina als sehr geringe: solange nicht ein gToßer Zuzug — an den ich nicht glaube — neue Erwerbsrnöglichkeiten schafft. Diejenigen, die hier sind, haben gewiß kein leichtes Brot und keine leichte Arbeit. Die Erweiterung des ärztlichen Wissens durch Gesellschatten Wissenschaft]. Gltarakters und Bibliothek ist sehr erschwert, wenn nicht praktisch unmöglich. Nur im oben unentschiedenen Rahmen scheint noch klein« Möglichkeiten. Wie auch im übrigen zionistischen Arbeitskreis sehe ich Im Hollen auf eine bessere Zukunft auch auf ärztlichem Gebiet unseren einzigen, bequemen und gewohnten Ausweg! Ziele und Aufgaben, Von Hans Katschke, Ruder VJSt. Berlin. Die letzte Nummer dieser Zeitschrift brachte einen Aufsatz aus der Feder von Paul Hirsch: darin eine Zusammenfassung all der Aufgaben und Ziele, die zu lösen und zu erreichen man offenbar im Rahmen des Präsidiums für erforderlich hält. Mir scheint jedoch, daß von Paul Hirsch vielfach Grundlagen und Voraussetzungen falsch -eingeschätzt worden sind, daß daher auch die Ziele, welche eine frühere Zeit dem Kartell zu stellen schien, jedenfalls für den Augenblick nicht immer richtig gesehen sind. Die folgenden Zeilen sind ein Versuch, dieses Falsche zu berichtigen. 1. Fest steht, daß es mit dem Kartell seit Jahren bergab gegangen ist. Unmittelbar nach dem Kriege waren bei uns Tendenzkämpfe ausgebrochen, in denen es um ernsthafte, jeden zu ienerst bewegende Fragen ging. Zionismus war eine \VeItanschauung, die ^eder einzelne sich selbst in seinem Innern erst erkämpfen mußte. Es ging darum. Leben und Idee in ein rechtes Verhältnis zu bringen. Die Verschiedenheiten, der individuellen Lösungen.führten zu Gegensätzen in unseren Reihen. Die daraus erwachsenen Auseinandersetzungen waren fruchtbar. Das hat sich im Laufe der Jahre geändert. Unsere inneren Kämpfe wurden unwesentlicher, die Streitobjekte gesuchter. Schließlich erlosch jeglicher Streit und wir hatten die Ruhe des Grabes. Warum wohl? Ich glaube, weil man aufgehört hat. die Auseinandersetzung mit dem Zionismus so ernst zu nehmen, wie in den früheren Jahren. Die Probleme, welche ältere Generationen auf das Tiefste bewegt hatten, waren nicht mehr Erlebnis für die Jüngeren. Man kannte ja die Lösungen, welche unsere Großen für diese Fragen gefunden hatten, und man begnügte sich, diese Lösungen sich anzueignen. An Stelle des Erlebnisses trat das Erlernen, an die Stelle inneren Kampfes die Diskussion mit v e r s t a n d 1 i c h e n Argumenten (mit denen sich bekanntlich fast alles beweisen läßt). Unsere geistige Erziehung verflachte. Mag es übertrieben klingen, wenn man behauptet, die Schrift vi n Holdheim Prcuß. ein Symptom dieser geistigen Einstellung und ihr Wegbereiter, habe die Grundlage der geistigen Erziehung des Kartells gebildet. Jedenfalls hat die falsche Benutzung des Buches diedie fortschreitende Auflösung wesentlich unterstützt. Wo liegen die Ursachen der Entwicklung?