Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe aus Eiez Israel i 1 A; neüerschait" stehen wird, ich habe hier aber die Genugtuung, zu Valien, daß alles, was ich früher vertreten habe, richtig war. und wenn .cii heute in Deutschland wäre, würde ich mit aller Energie für die> Ding© wieder eintreten. Ich sehe, wie notwendig dort der ^riapoel Hazair" ist, nicht um etwas Bestimmtes zu; machen, sondern um die Menschen geistig i;;id physisch im Sinne der Arbeiterschaft einzustellen und zu trainieren. Wein das KJV. damals 191N den Weg gegangen wäre, den unsere Gruppe Lewinsohn zeigte, es stünde heute anders um das KJV., das. wie ich aus Jem letzten .J. St." ersehe, abstirbt aus Mangel an zionistischer Intensität und Radikalität, aus Mangel an hebräischen Kentnissen, auch au l'rcrtluß an Mitläufern. — Die Arbeiterschaft hat hier Großes geleistet, sie hat die einzige Organisation, die ihre Menschen zusammenhält der einzige Faktor im Lande, der wirklich Leistungen vollbringt. Die Ar- , beirer-Organisation hat schon eine Menge Tochterinstitute, die sehr gut arbeiten, eine Bank. Keine Konsumgenossenschaft etc. Die führenden Menschen arbeiten hier mit einer Hingabe und Selbstaufopferung und Selbstlosigkeit, die man sonst wohl nicht findet. Dieser Kontrast in zionistischer und menschlicher Hinsicht zwischen den Arbeitern (inkl. den Menschen, die in der Bewegung mitarbeiten, z. B. Smoira und ähnliche Geistesarbeitern) und den baalbathischen Kreisen ist eklatant. Die Arbeitslosigkeit übersteigt jetzt 2000 Menschen. Arbeit wäre in Menge da, aber es fehlt an Geld. Man müßte verzweifeln in dieser Geldknappheit, in der Gesinnungslosigkeit und persönlichen Stänkerei gewisser bürgerlicher Kreise, wenn man nicht doch das starke Gefühl hätte, daß es vorwärts geht, wenn auch sehr langsam. Wenn. Geld ins Land käme, würde sich überall vieles ändern, es würde vor allem wieder dieses schreckliche gegenseitige Mißtrauen verschwinden, das alles untergraben muß. Ein anderer Mangel wird fühlbar: es gibt keine zentrale Instanz, von der man das Gefühl hat. daß sie wirklich leitet und führt, keine Stelle, an die man sich mit Vorschlägen usw. wender kann. Wenn jemand z. B. in einer Zeitung einen Vorschlag — sagen wir zur Reform der -Jiadassah — machen würde, so würde diese es als eine Kampfansage oder als einen Stunk gegen die leitenden Personen auffassen. So sind die Verhältnisse. Alles sehr eng und doch so zersplittert, unorganiiert. Es ist dies alles sehr traurig. Und wirklich, wer nicht Optimist sein kann und sich mit diesen Dingen beschäftigt, kann in Palästina nicht froh werden, oder ihm muß alles außer seiner Person gleichgültig sein. Wer nicht glaubt, kann nicht Zionist sein. Zionismus ist für uns ein Glauben, eine Offenbarung. Und das Land ist. so schön, und es ist doch wirklich unser Land. Und man ist hier, und man arbeitet in diesem Lande unter Juden für sein Volk, das gibt MuL Mit keinem Menschen in der Welt möchte ich tauschen, trotz aller traurigen Erscheinungen in Palästina, der nicht in Palästina lebt. Ich persönlich glaube daran, daß die Arbeiterschaft als das wertvollste Element des Landes ihm seinen Stempel aufdrücken wird und so sehr, daß man alle üblen Dinge hier vollständig wird übersehen können. Das Land ist voller Möglichkeiten: überall kann man angreifen: das sieht man besonders, wem man wandert oder durch das Land fährt. Die Arbeit liegt förmlich und wartet. Und wer unternehmend ist und sehen kann und etwas Geld hat, kann großen Nutzen bringen. Die Schätze des Landes liegen verborgen: man muß sie nur zu finden und zu heben verstehen. Bitte, dieses soll kein Bericht sein, sondern ich wollte nur einiges sager. was mir besonders am Herzen liegt. Den ßundeshrüdern bitte ich mitzuteilen, daß hier nächstens eine richtige Organisation aller KJV.er im Lande und evtl. der Blauweißen' gegründet werden wird, die vor allem die Aufgabe haben wird, KJV.ern /,ur Übersiedlung zu verhelfen und hier auch die zionistische Arbeit für ^a Keren Hajessord machen soll. Demnächst wird ein Artikel im .J. St." ('der ein Rundschreiben von uns hier erscheinen, der den Bundesbrüdern in Deutschland ausführlich den Zustand des Landes und die Aussichten darlegen wird.