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Der jüdische Student · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Briefe aus Erez Israel hesumi eine erzieherische Auigabe für unsere Bundesbrüder. Mich beschäftigt eine andere frage sehr, die auch Leo Rosenblüth als notwendig empfindet, das ist eine systematische Arbeit unter der Schuljugend, die vielleicht der KJY.-Erziehung ähnlicher sein sollte, ais mann denkt. Auch diese Jungen müssen z. B. lernen, daß die Judenfrage nicht damit gelöst ist. daß sie in Palästina leben und Hebräisch sprechen, sie müssen wieder Glieder einer Bewegung werden und nicht Endresultate, die glauben, daß sie duö Z:ei der ganzen Bewegung sind. Diese wenigen Andeutungen sollen Euch wenigstens zeigen, was es hier für Probleme gibt. Nicht sprechen will ich Euch heute über die selbstverständliche Notwendigkeit. Bundesbriiuern herüber zu verhelfen .... Herzlichen Gruß für Dich und alle Leute, von denen Du glaubst, daß sie sich über einen Gruß freuen werden Dein Fritz Löwenstein. * * * Aus einem Brief von Hugo Konn . . . Und damit komme ich zum allgemeinen Teil meines Briefes. Ich kann und will heute nicht einen Aufsatz über Palästina und Goluszionismus schreiben. - Ich möchte aber einiges, was vielleicht interessiert, andeuten. Man kann den allgemeinen Zustand des Landes mit der allgemein üblichen Redensart kennzeichnen: ha mazaw baarez nasche m'od. Der Zustand des Landes ist sehr schwierig in jeder Hinsicht. Es gibt kein Geld, und es gibt keine Menschen. Der dauernde Geldmangel wirkt erschreckend demoralisierend auf die Menschen. Einer mißtraut dem andern, sieht ihm in seinen Budjet hinein, wieviel er bekommt und woher. Alles wird von derselben Quelle gespeist, dem Keren hajessod, der völlig' unzureichend ist. Es ist auch nicht zu erwarten, daß demnächst mehr Geld aus dem Golus kommen wird. Vielleicht wird Ruppin in Amerika die' Inwestmert-Company zusammenbekommen. Eine schwere Schädigung ist der skandalöse schmutzige Kampf, den 'er hiesige „Doar HajonV" gegen ihn mit einer widerlichen Artikelserie geführt hat, indem er R. als Betrüger usw. hinstellen wollte. Dieser „Doar HajoirT ist ein Unglück für das Land, von einer Korruption der Gesinnung — andere Leute sagen, er sei wirklich korrumpiert — die beispiellos ist. Es wird gelogen auf levantinische Art. Das Le vamineriam greift immer mehr um sich. Man beobachtet die merkwürdige Erscheinung, daß die Menschen hier aufhören, Zionisten zu sein. Jeder denkt nur an sich und seine Tasche. Alles verbrauchte, schwunglose Ahtagsrnenschen. . Zwei Aktivposten gibt es im Lande, die Sprache und die Arbeiterv.n.:7';. Die Sprache lebt wirklich: die Schule hat Ungeheures geleistet. i_.i;\r .-.ber sind die Schulen wissenschaftlich schlecht, weil die Lehrer m, i -iens Dilettanten sind. Uber die Arbeiterschaft wäre viel zu sagen. Diese .Menschen sind unvergleichlich: sie sind die einzigen Zionisten hier. Und das Erstaunliche ist, daß bei den Arbeitern, die am meisten untei dem I>ruck der Verhältnisse leiden, am meisten entbehren und hungern der grriJte Optimismus herrscht, daß sie die stärkste nationale Stütze sind, daß sie die Kulturträger sind. Man kann nämlich 20 Jahre in Jerusalem wohnen, ohne Hebräisch zu lernen, man lebt entweder im deutschen KJY.er-Kreis. der nicht Hebräisch kann, oder in einem jiddisch-russischen, der auch nicht Hebräisch spricht. Bei den Arbeitern ist das unmöglich. Hier herrscht letzte Konsequenz in der Sprache. Das Hebräisch Lernen erspar: sieh niemand, der damit Ernst machen will, wenn er herkommt. Wer in Deutschland nicht Hebräisch gelernt hat, und hier nicht in eine Arbeitergruppe hineinkommt, muß sich hier hinsetzen und pauken, um das nachzuholen, was er dort versäumt hat. Was man aus dem Golus nicht rrntbrngt. bekommt man auch hier nicht. Genau so ist es mit der .politischen EirMellung. Man kommt entweder als Bourgeois her oder als Summst. Wer in Deutschland ..allgemeiner Zionist" war. bleibt es, auch wem; er hundertmal beteuert, daß er in ..Erez Israel** „an der Seite der

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