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Der jüdische Student · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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9 sehen Tünnen. Als uns Leo Rosenblüth neulich hier besuchte, haben mr ans darüber unterhalten, wie überaus geeignet dieser Platz wäre, unr. hi:r Palästinafuxenstunde zu geben. Die Arbeit, di.e ich hier an der Schule und am Technikum übernommen habt*, stellt an und für sich nicht das Ideal dar, das ich mir in Palästina vorbestellt habe; aber es ist schließlich eine Folge aller unserer Verhältnisse in Deutschland, wenn man trotz aller Erkenntnis von der Notwendigkeit des Hebräischen und trotz aller Bemühungen, es zu erlernen, doch in Palästina einen längeren Prozeß durchmachen muß, ehe die Sprache wirklich lebendig wird und einigermaßen zwanglos verwendet werden kann. Die Stellung, in der ich bin, ist dafür eine gute Schule; ich bin vor- und nachmittags im Büro, habe beinahe jeden Abend Sitzung und bin gezwungen, mit Lehrern und Schülern, mit Arbeitern und Schuldienern, mit Aschkenasim nnd Sephardim Hebräisch zu sprechen, muß hebräische Briefe diktieren, protokollieren m zuweilen langen und komplizierten Sitzungen. Ich bin an und für sich mit meinem Vorwärtskommen im Hebräischen keineswegs unzufrieden, zumal ich zu Hause auch Hebräisch iese und meine Frau und ich uns bemühen, häufig untereinander Hebräisch zu sprechen. Dennoch wird t-s noch lange dauern, bis die Schwierigkeiten wirklich überwunden sind. Neue Lehren für das Hebräische im deutschen Zionismus vermag ich nicht aufzustellen. Es ist nötig, immer wieder darauf hinzuweisen, daß das Hebräische nicht ein nationaler Luxus ist. sondern daß es gerade in den akademischen und kaufmännischen Berufen, wie sie im KJV. die Mehrheit bilden, eine wirtschaftliche Notwendigkeit darstellt. Wer ein in kurzer Zeit zu verwirklichendes Palästinaziel vor Augen hat, soll ruhig in unwissenschaftlicher Weise sich ganz bewußt auf das Hebräisch-Sprechen einstellen. Die erzieherischen Werte des Tenach t>edürfen keiner Unterstreichung; für das praktische Beherrschen der Sprache ist die moderne Literatur und die Zeitungslektüre wichtiger. Die Eigenart *fn einer Stellung bringt es mit sich, daß ich über das innere Leben in der Schule nicht so umfassend und unmittelbar urteilen kann, wie ein Lehrer. Es ist charakteristisch, wieviel uns anvertraute Probleme auch im Leben dieser Schule existieren. Die Frage der Berufswahl und des Ubergangs zu manuellen Berufen, deren Notwendigkeit allerdings, wie mir scheint, mehr von den Lehrern als den Schülern begriffen wird (es gibt keine Jugendbewegung in der Schule), die Fragen der Disziplin, der Unterordnung, der Erziehung zum Bürger Palästinas und ähnliche. Ohne allen Zweifel stellt die Realschule heute einen außerordentlich positiven Faktor im Lande dar und sowohl ihr Lehrkörper, wie ihre Einrichtung, die vollkommene Verbindung von theoretischem Unterricht und VVerkstatterziehung lassen gute Resultate erhoffen. Vielleicht schreibe ich Euch in späterer Zeit einmal ausführlicher über alle meine Eindrücke. Von irgend einem KJV.-Zusammengehörigkeitsgefühl ist bei uns in Haifa kaum die Rede. Ich bin viel mit Bundesbrüdern zusammen, aber es ist klar, daß dieses Zusammensein mit dem KJV. kaum eine Verbindung darstellt. In Jerusalem dagegen — das wißt Ihr wahrscheinlich besser als ich — bemüht sich Felix Rosenblüth und andere eine wirkliche KJV.-Zentrale zu schaffen. Ich hoffe, bald U-cJcgenheit zu finden, mich mit den Jerusalemer Bundesbrüdern über alle diese Dinst: auszusprechen: denn bis zu diesem Augenblick habe ich weder Blumenrod noch Rosenblüth überhaupt gesehen. Die allgemeine Tendenz geht darin, hier nicht so eine Art Bezirksverband zu machen, der eine leere Organisation wäre, sondern einen engeren Verband von Menschen, die wirklich etwas Gemeinsames verbindet. Für einen Bund dieser Art haben z. B. auch Menschen wie Max Hirsch lebhaftes Interesse. Ich glaube auch, doli es eine große Aufgabe im Lande gibt: die Entfremdung des Jischuw^ von der Zionistischen Organisation ist eine überaus erschreckende. Man |mcressiert sich ausschließlich für die Frage, ob der Keren Hajessod Geld <ür Gehälter aufbringen wird und hat keinerlei inneres Verhältnis mehr zu den Fragen der Bewegung. Niemand zahlt Keren Hajessod. Hier

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