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Der jüdische Student · 1923-11-01 · Heft 5 (November 1923) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
20 (1923)
Issue
Heft 5 (November 1923)
Date
1923-11-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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142 ~ .; Die Parteibestrebungen im deutschen Judeainnxv . JT?\ klärungszeit. also bis zur Zerstörung des Ghetto von innen heraus, die gern einschaftiiche Bindung der Juden lest unter Verzicht Üer Einzelnen auf aiie diese Vorteile. Besonders lehrreich in .dieser Hinsicht ist dier Geschichte der Marannen, jener spanischen Juden, die, um der Ermordung durch die christliche Behörde zu .entgehn, sich taufen ließen und als Schein- Christen teilweise angesehene Stellungen in der—spanischen Oerfentlichkeii einnahmen. „Sie fügten sich^dem Zwange, waren Christen zum Sehern, dabei lebten sie als Juden und beobachteten die Gesetze und Votschriften der jüdischen Religion . . eine „bewundernswerte Treue . , " ifA. Kayserling, „Christoph Columbus"). Ein anderer Historikerberichtet.- „es Hainen nach Holland noch immer Flüchtlinge aus Portugal, welche ihre geachtete Stellung aufgaben, ihr Vermögen und Leben aufs Spiel setzten. um sich zum Judentum frei zu bekennen. Andere ließen sich aus unbeugsamer Anhänglichkeit an das Bekenntnis ihrer Väter in die finsteren Kerker der Inquisition schleppen oder bestiegen freudigen Mutes den Scheiterhaufen. Ein zeitgenössischer Schriftsteller, .ein Augenzeuge 'berichtet;„In¬ Spanien und Portugal sind Mönchs- und Nonnenklöster toTI von Juden. Nicht wenige bergen ihr Judentum im Herzen und heucheln wegen .weltlicher Güter den Christenglauben. Von diesen empfinden einige Gewissensbisse und entfliehen wenn sie können . , und ferner:, erklärlich war die Antipathie (der spanischen Bevölkerung gegen die Juden), weil üe altchristliche Bevölkerung instinktiv fühlte, daß die Marrannen mit ihrem christlichen Bekenntnis nie und nimmer ^mst machten, sondern es nur als Joch ertrugen, bis sie Gelegenheit fanden,.es abzuwerfen und offen zu verwünschen" (Graetz, ^Geschichte der Juden", 10. Band). - : - r Die Ghettojudenheit lebte unter doppeltem Recht: der halachischen, das ist der traditionellen, religiös-nationalen Gesetzgebung, und derjeni-: gen der nicht jüdischen öffentlichen Gewalt, die durch eine besondere „Judengesetzgebung*4 sich der Ghettobewohner bemächtigte. "Ein^r .Kollision zwischen beiden Gesetzgewalten war dadurch vorzubeugen Versuchte daß der Talmud das Gesetz des Wirtslandes auch für die Juden als TVPrbindlich erklärt dann auch durch die autonome Stellung, die den Gheti>- gemeinden in religiösen Dingen meist eingeräumt wurde. Dennoch bestand, ein tiefer Zwiespalt zwischen den beiden juristischen Mächten, da der Talmud als das eigene, göttliche Volksgesetz, das -Landesgesetz und insbesondere die Judengesetzgebung hingegen nicht nur als f r erad e s .-sondern als feindliche Gesetz angesehen wurde. So ist aus der jüdischen Geschichte eine Vielzahl von Fällen bekannt, wo die Juden durch gesetzliche Verordnungen der Landesbehörden in starke Gewissensbedrängnis gerieten, die oft mit ihrem Siege, im andern Falle mit ihrer Auswanderung endete, (s. z. B. Graetz, ,.G. d. J. XL S. 31: „Judaica" S. 377 ff.) -----? Dieser juristischen Lage entsprach die soziale Stellung der Juden überhaupt Während sie einerseits im Ghetto wurzelten, in der traditionellen Kultur der jüdischen Gemeinschaft verankert, durch das Bewußtsein der Bluts-, Wesens- und Schicksalsgleichheit in enger Solidarität verbunden waren, lebten sie andererseits inmitien einer fremden und feindlichen Umwelt standen sie. sofern nicht ^ein religiöses oder nationales Interesse sie zu verbundenem Handeln zwang, isoliert, als fremde Händler in der nichtjüdischen Welt da. Nichts verband sie mit der christlichen Gemeinschaft der abendländischen Völker, alles trennte sie von ihnen: Glaube, Abstammung, historisches Gedächtnis, politisches Schicksal, Sprache, Kultur. Die Juden waren Fremde, als solche verachtet, verfolgt, bestenfalls aus Zweck* gründen geduldet2) (Diese Doppelsteilimg hatte begreiflicherweise Ein- ") Jneind war Israel unter den Völkern all die Jährhunderte hindurch.. im Sinne einer inneren Gegensätzlichkeit zu der umgebenden Bevölkerung, im Sinne fast kastenmäßiger Abgeschlossenheit gegen die Wirtsvölker. Sie, die Juden, empfanden sich als etwas besonderes und wurden von den Wirtsvölkern als solches wieder empfunden . . ." (Sombart, „Die Juden und das Wirtschaftsleben". S. 206) — ..Die Juden waren Händler. Kauf-

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