Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 20 (1923)
- Issue
- Heft 5 (November 1923)
- Date
- 1923-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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138 zu ziehen. Noch gibt es welche, die die Erstarkung des Kartells von außen erhoffen. Nur beiuns liegt die Kraft, 4as .Kartell stark zu-machen. Darum müssen sich heute alle diejenigen, denen das KJV. teuer ist, die mit dem Bewußtsein des KJV.ertums noch wahres Leben verbinden, die^ sich. verpflichtet fühlen, diesem unserem Bunde zu dienen, zusammenschließen. Bundesbriiderlichkeit <L h. Bewährung wird und muß wieder d£r Maßstab dafür sein, den Namen eines KJV.ers tragen zu dürfen. Ich bin am Ende. Es ist vieles gesagt worden, was schon oft gesagt wurde. Es ist im Grunde das Alte. Doch es sollte» geprüft werden, ob und wie wir Jieute das KJV. gründen würden. Darum mußte weit ausgeholt werden. Nun, wir brauchen es nicht zu gründen. Es ist da und auch die Menschen sind da, die ihm dienen wollen. Heute noch nicht, aber durch diese Arbeit werden auch die andern kommen. - - :- - - . Die Parteibestrebungen im deutschen Judentum/) - " Eine soziologische Analyse. Von Rudolf S ch ay.,-Hersel-br.Bonn.-' % "~ - Vorbemerkung^ ^- - , v - , Die Aufgabe, welcher diese Arbeit-dient die Parteiung der deutschen Judenheit soziologisch zu analysieren, hat ihre Besonderheit darin, daß die soziale Gesamtheit, deren Gliederung untersucht Verden soll, kein einheitliches und selbständiges Gebilde mit festumrisserer Eigerrexistenz darstellt, sondern eingebettet ist in ein größeres _ soziales Ganzes." Die deutsche Judenheit ist ein Teil der deutschen Staatsbürgerschaft, mit den Nichtjuden dieser Kollektiveinheit durch verschiedene Faktoren und soziologische Merkmale verbunden, durch verschiedene von ihnen getrennt. Die Beziehung der Juden zu den Nichtjuden ist seit Eintritt der ersteren in den Stäatsverband ständig" eine unausgeglichene gewesen. Und wie sich \iele Persönlichkeiten aus außerjüdischen Lagern um die Herstellung eines sozialen Gleichgewichtes zwischen Juden und Nichtjuden bemüht haben, so waren es vor aUem die Juden selbst, denen dieser Versuch naheliegen mußte. So sehen wir 'seit Beginn des Assimilationsprozesses_ seit Auflösung des Ghetto die gesamte deutsche Judenheit damit beschäftigt, eine Form sozialer Gemeinsamkeit mit den Nichtjuden zu finden, die einerseits ihren Willen zum Judentum, andererseits ihren Willen zum Deutschtum und ihr Emanzipationsbestreben zufrieden stellen soll. Und je nach der Intensität des Willens zum Judentum und der Richtung dieses Willens, und je nach der Stärke ihres Strebens zum Deutschtum und zur Anerkennung durch die Umwelt, teilen sich die Juden in Deutschland in verschiedene Gruppen, zwischen denen heftige Feindschaft lie£t. Es macht sich hier wieder das soziologische Gesetz geltend, daß Gegner, die sich als eigentlich zusammengehörig empfinden, sich in viel schärferer Weise bekämpfen, als solche die von außen aneinander gestoßen sind. ..So tiet geht die Zerspaltung, daß alle Versuche einer auch nur organisatorischen *) Anmerkung der Redaktion. Das Präsidium hätte die Arbeit von Bbr. Schar, mit der er an der Universität Köln bei Leopold v. Wiese promoviert hat, gern als Broschiere herausgegeben, um eine gute Unterlage für den Unterricht zu geben. Die wirtschaftlichen Verhältnisse gestatten aber eine einmalige große Ausgabe nicht, so daß die Veröffentlichung der Arbeit nur im Rahmen des J. St. und deshalb nur in einer Aufsatzfolge möglich ist. Das Präsidium hofft, daß die Veröffentlichung auch in dieser Form für den Unterricht von Nutzen sein wird.