Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 20 (1923)
- Issue
- Heft 5 (November 1923)
- Date
- 1923-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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136 Grundlagen und Aufgaben. die Formen unserer Erziehung, die Form des Lebens unserer Gemeinschaft? Wie schon oben gesagt, die Menschen haben sieh gegen früher geändert. Seine alte Formen hat ja das Kartell schon lange abgelegt. Besonders notwendig scheint es mir nun zu sein, daß die Erziehungsarbeit eine kontinuierliche ist und nicht dauernd unterbrochen wird. Es muß dem Zustande ein Ende gemacht werden, daß in diesem Semester ein Kurs begonnen wird, daß der Bundesbruder dann diese Verbindung verläßt, in der anderen Korporation wieder einen Kurs halb durchführt und wieder dann seinen Studienort'wechselt. Diesem Umstände ist es auch vielfach zu verdanken, daß beim Studium des Hebräischen innerhalb von 2 Jahren man sehr oft. viermal im Rath Lektion 1—20 durcharbeitet, aber nie weiterkommt. Es' muß sich daher im Karteil durchsetzen, daß von Anfang der Erziehung an, der Bundesbruder angehalten wird, sieh für eine Verbindung zu .entscheiden und an dieser Verbindung während seiner Studienzeit, mindestens aber die ersten 4—5 Semester zu bleiben.' Auf diese Weise nur kann die Erziehung des Einzelnen kontinuierlich und systematisch' gestaltet werden und andererseits der Verbindung ein fester Stamm, von Menscher! geschaffen werden, die man kennt, und auf welche mau sich verlassen kann. So auch kann den schweren Zeitbedingungen Rechnung getragen werden, indem man die Zahl der Veranstaltungen verringert, das Verbindungsleben konzentriert, da ja für eine systematische Erziehungsarbeit ein größerer Zeitraum gelassen wird. * Es ist unbedingt darauf hinzuwirken, daß sich diese Forderung isn Kartell durchsetzt. \ Bei den jungen Füxen ist nun besonders Wert .auf den Tendenz- Unterricht zu legen. Eine Stunde genügt nicht. Es ist ihm mindestens ein ganzer Abend zu geben. Neben der wissensmä&gen Vermittlung des Stoffes ist es aber die Hauptsache hier den jungen Menschen in die Idee unseres Bundes einzuführen, ihm den Zionismus als ■ ^tige Idee zu zeigen. Der Stoff allein genügt nicht. Es muß dabei verstanden werden, auch auf das Gefühl, die Psyche Einfluß zu gewinnen, damit jede verstandest ßi^e Konsequenz den Boden findet, auf welchem sie erst fruchtbar weiter wachsen und neue Perspektiven eröffnen kann. Der Kursleiter oder Fuxmajor darf sich nicht nur auf diese Stunde beschränken, er muß mit seinen Füxsen auch sonst zusammenleben, denn er ist derjenige, welcher neben dem Leibburschen die gesamte zionistische Entwicklung jedes einzelnen bestimmen; und gestalten kann und soll. Damit komme ich zu der Institution des L e i b v e r h ä 11 u i s , auf welches weiter der. größte Wert zu legen ist. Man muß mehr als bisher bei der Genehmigung'-von Leibverhältnissen zurückhaltend sein und keinem Bundesbruder einen Leib-' luxen übergeben, der nicht wirklich die Gewähr für eine gute Erziehung verbürgt. — Neben dem Tendenzkurs ist ein größerer Wert auf eine gute P a 1 ä s t i n a s t u n d e zu legen. Das Studium des „Rupphf allein genügt nicht, um einen derartigen Kurs zu geben. Sondern man muß den aktuellen' Palästinafragen vertraut sein, wirkliche Kenntnisse haben und Anschauungen vermitteln können. Zweck dieser Arbeit ist es. eine Verknüpfung mit Erez Israel herzustellen. Da es aber schwer sein wird, in dieser Form einen geeigneten Menschen zu finden, sollen sich die älteren Füxe vereinigen und gemeinsam unter Leitung ' eines - älteren Bundes - buiders, welcher zionistische Erfahrung besitzt, die einzelnen Probleme besprechen. Jüdische Geschichte muß. da im allgemeinen dafür kein geeigneter Kursleiter zur Verfügung stellt, den Einzelnen überlassen werden, wobei denn. Leibburschen ein großes Arbeitsgebiet zufällt. Hebräisch soil im allgemeinen erst von den älteren Füxen gelernt werden. Die Erlernung unserer Sprache muß als Notwendigkeit der vermittelten Anschauung natürlich entstehen und nicht als erzwungene Sache empfanden werden. D a g e g e n m u ß die Frier n u n g ' de r h e b r ä i sehe n S p r a c h e das Haupt g e biet der A r b e i r u n s e r er Burschen bifden. Es darf im BC. keinen■■ KJV.er ■ geben, der nicht Hebräisch lernt. .Und mehr als das. Hier ist das Haiipzgebiet der Verwirklichung der kulturellen Forderungen. Fs muß aber auch .an-