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Der jüdische Student · 1923-11-01 · Heft 5 (November 1923) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
20 (1923)
Issue
Heft 5 (November 1923)
Date
1923-11-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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134 _ Grundlagen und Aufgaben. zuith z i ei ziehen. Auf einen Fehler möchte ich hier hinweisen, auf den jeder leicht verfallen kann, den ich auch gemacht habe und den Kaneowkz im letzten J.-St.. beging, daß nämlich nur derjenige das Recht habe ät-n Cha'uziufh hin zu erziehen, der selbst Chaluz sei. Wäre dieser Gedankengang richtig, so würde man nämlich nie neue Ziele propagieren können, sondern müßte warten, bis sie sich auf irgendeine Weise übernatürliche* Art*von allein durchsetzen.- Eines muß allerdings gefordert werden, dafi der Erzieher seine zionistischen Pflichten in vollstem Maße erfüllt und nadln ch die Berechtigung erweist, überhaupt mit Forderungen an andere herantreten zu können und zwar mit Forderungen Jeglicher Art. —- In diesem Rahmen sehe ich die Aufgaben des Kartelle. Sie sind der höchsten Anspannung der Kräfte aller würdig, ich glaube gezeigt zu ealv:\ daß sie dem Kriterium der Situation in jeder Weise gerecht werden. Ein Bund, der diese Aufgaben durchführt und ihrer Erfüllung zum Siege verhilft, darf sich mit Stolz als eine zionistische Gemeinschaft bezeichnen. Wir Werden dann innerhalb des Zionismus unseren Platz ausfüllen. Nachdem ich so die inneren Existenzbedingungen des Kartells kurz gezeichnet habe, möchte ich jetzt eine weitere, sehr ernste Frage berühren,- die der äußeren Existenzmöglichkeiten des Karfells. Diese Frage hat uns lange mit ernster Sorge erfüllt und wird inib voraussichtlich in der nächsten Zeit noch immer beschäftigen. Bevor ich jedoch näher Ja^a:,f eingehe, möchte ich betonen, daß der Ernst dieser. Frage nicht auf hmeren Gründen berühr, sondern auf der schwierigen äußeren Lage, es i-r nicht richtig, wenn gesagt wird, daß die Kellerfolge des letzten Semesters symptomatisch dafür seien, daß das Kartell jungen Menschen nichts zu bieten habe. Man könnte beinahe sagen, das Gegenteil sei richtig. Fi Verhältnis zur Zahl der jüdischen Studenten, im Verhältnis zu den äußeren wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten war das Keilergebnis des Soinmersemesters meiner Ansicht nach überraschend gut. Es ist allerdings vollkommen verfehlt, Zahlenvergleiche mit früheren Jahren anzustellen. Eine derartige Statistik'trifft nicht den Kern. Im'übrigen will ich auf die Behauptung, daß das Kartell nichst zu bieten -habe, nicht mehr viel sagen. Der ganze erste Abschnitt dieses Artikels hat davon gehandelt. Es ist meine feste Ueberzeugung, die durch nichts wankend gemacht wird, daß die Ziele des Kartells, seine Aufgaben und Ideen jedem wertvollen jungen Menschen Lebensideale in des Wortes schönster Bedeutung sein und werden können. Es muß aber hier mit dieser Abstraktion ..Das Kartei:"" oder „Die Verbindung" aufgeräumt werden. Wer. ist das Kartell als konkretes etwas? wer ist die Verbindung? Sind es dort die Erstchargierten, der CC, ist es hier das Präsidium? Ich vermisse bei derartigen Aussprüchen leider nur zu sehr das Solidaritätsgefühl des einzelne«, gegenüber der Gesamtheit. Anstatt sich stets zu sagen: „Das Kartei! bin ich" wird gesag' ..was tun die andern?" Dort allerdings, wo solche Anschauungen weit um sich gegriffen -haben, kann kein Leben entstehen; kann keine wahre zionistische Stimmung die Menschen erfüllen. Das erste Gebot des "Zionismus ist Solidarität Nicht das Kartell, nicht die Idee versagt die Menschen haben versagt und besonders diejenigen, die stets sagen, das Kartell gibt uns nichts. Das Kartell hat ihnen schon gegeben, sie aber haben ihrerseits nichts getan, um dem Kartell das Ihrige wiederzugeben. Wer mit der ganzen Kraft seiner Ueberzengung Menschen wirbt, einer gelobten' UelKrzeugung allerdings und nicht nur einer gesprochene*! und der Umworbene merkt bald, ob Ernst dahinter steckt - - wer so wirbt, aber auch 'nur derjenige, der wird Menschen von der Notwendigkeit, von der Idee des Karteils überzeugen können und wird dieser Idee, die ihn erfüllt, neue Menschen zuführen können. Trotzdem hat die Frage des Nachwuchses ihre ernste Bedeutung. Die Zahl der jüdischen Studenten und zwar besonders der reichsdeurschenassimilantischen Studenten, die das Reservoir des Kartells bildeten, hat stark abgenommen und ist gegen früher sehr klein geworden.' Diejenigen, welche noch studieren, sind zu einem großen Teil Werkstudenten und

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