Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 20 (1923)
- Issue
- Heft 5 (November 1923)
- Date
- 1923-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Semester-Bericht des Prasidiwns. 129 Blau-Weiß, sondern die unbedingt zu fordernde Bindung an das KJV. ist der Grund für unsere Haltung in dieser Frage. In stärkstem Maße müssen die Palästinabestrebungen^des KJV. und der KJV.er belebt und gefördert werden. Wir nehmen nichts von dem, was wir in unserer ersten programmatischen Erklärung über die Notwendigkeit der Galuth-Arbeit und ihr Verhältnis zur Palästinaarbeit gesagt haben, zurück und halten es z. B. für eine bedenkliche Schwäche, wenn heute schon Positionen fallen, weil bestimmte Menschen nach Erez Israel gehen und es nicht gelungen ist, Nachfolger für sie zu schaffen. Aber dies hat nichts damit zu tun, daß die positiven Palästinabestrebungen im'KJV. eine ganz andere praktische Bedeutung erlangen müssen, als es bisher geschehen ist. Wir wissen, daß gerade in diesem Punkte die Erfolge des Kartells sehr zu unrecht unterschätzt werden. Mancher KJV.er bereitet sich auf Erez Israel vor und mancher KJV.er gibt für Palästina Geld und ermöglicht anderen die Uebersiedlung, ohne daß dies dem KJV. bewußt wird. Wir sind der Ansicht, daß das KJV. diese Bestrebungen zusammenfassen und dem Bewußtsein der KJV.er als KJV.-Aktion einprägen muß, aus Gründen der Stärkung dieser Bestrebungen und aus Gründen der Hebung des inneren und äußeren Vertrauens. Schon vielfach ist das Präsidium an Bundesbrüder herangetreten, um Pläne zu schaffen, welche die Grundlage für gemeinsame Arbeit von KJV.-Gruppen in Erez Israel werden könnten. Es darf uns nicht entmutigen, wenn die ersten Plane von Kennern verworfen worden sind. . Wir fordern jedenfalls alle Bundesbrüder auf, sich an diesen Plänen und Arbeiten aufs intensivste zu beteiligen. Wir hoffen, daß wir in diesen Bestrebungen endlich auch von den Bundesbrüdern in Palästina die'erforderliche Unterstützung erhalten, die bis letzt leider häufig ausgeblieben ist; wir erhoffen dies um so mehr, als so eng mit dem Kartell verknüpfte Bundesbrüder wie Felix und Leo Rosenblüth und Fritz Löwenstein jetzt nach Palästina gegangen sind. Wir erwarten vor allen Dingen, daß die KJV.er in Palästina sich zusammenschließen werden, um gemeinsam für diese Ziele zu wirken. Die erste praktische Auswirkung unserer Palästinawünsche zeigt sich in dem Palästinafonds des Berliner Altherrenbundes „Kadimah*4. Dieser Fonds soll die Uebersiedlung von KJV.em ermöglichen und Bundesbrüdern in Erez Israel in zweckentsprechender Weise helfen. Näheres hierüber wird an anderer Stelle veröffentlicht werden. Keinesfalls darf dieser Arbeit mit der Mißachtung entgegengetreten werden, die man sonst leider der Sammeltätigkeit entgegenbringt. Bundesbrüder aus Palästina haben uns gesagt, und die Erfordernisse des Tages haben es bestätigt, daß hier die ersten Voraussetzungen für Palästina-Arbeit gegeben sind. Es hat sich auch gezeigt; daß aus den freiwillig übernommenen Pflichtbeiträgen eines kleinen Kreises trotz aller sonstigen Abgaben Beträge zusammenkommen, welche die Inangriffnahme der Arbeit in ganz kurzer Zeit gestatten. Wir hoffen also, daß in möglichst weiten Kreisen des Kartells das Beispiel der „Kadimah" befolgt wird, wir hoffen auch weiter, daß durch die Verwaltung der Gelder hier und in Palästina ein Konnex geschaffen wird, aus dem sich organisch eine wirkliche, geistige und praktische Zusammenarbeit ergibt/ Es ist selbstverständlich, daß wir bei all diesen praktischen Forderungen wissen, daß der Geist und das ideale Streben dem Kartell den Stempel aufdrückt. Wir verstehen auch unter einer Neutralität dem Blau- Weiß gegenüber keineswegs das Verlangen, sich von den Problemen der Jugendbewegung, der Berufsumschichtung und -Ausbildung, der Chaluziuth geistig fernzuhalten, aber wir wollen in all diesen Dingen durchaus der jüngeren Generation die Freiheit geben, aus sich heraus Neues und eigenes zu schaffen. Wir erwarten auch von den Bundesbrüdern, die nicht mit unsern Absichten und Plänen einverstanden sind, daß sie, zwar in geistiger Auseinandersetzung, aber in ruhiger Entwicklung dem Kartell die Möglichkeit zur Durchführung seiner Pläne lassen. , «Arthur Stein.