Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 20 (1923)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1923)
- Date
- 1923-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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^;: Die »Entscheidung des Zionismus. '•; 121 örthdoxic beschenkt die •verschiedenen Abschnitte jüdischer Geschichte;iicht in gleicher Form mit ihrer Sympathie. . Das jüdische *Miitelaher ist ' . für sie der Abschnitt der judischen Geschichte, den sie mit Verständnis und Liebe umfaßt. Die jüdische Antike sieht sie mit Augen dieser Zeit. - Der Zionismus wird sich, hier von der Orthodoxie nicht dadurch unter- . scheiden, daß er seinerseits mehr die Antike als bestimmend bei seinen Wertschätzungen beachten wird, sondern dadurch, daß er beiden Epochen . gerecht wird und wird dann'orthodoxer sein als die Orthodoxie. Dieser; .umfassendere Standpunkt ist tatsächlich zu ierreichen und dies ist nicht nur gegen die Orthodoxie zu betonen, sondern gegen jede Jugend, die diesen Standpunkt Historismus nennen wird. Dieser umfassendere Standpunkt; der nichts, was an Schätzen in irgend einem Abschnitt unserer Geschichte , da ist, ungehoben lassen will, -bleibt als erhabenes Ziel bestehen, gegen den noch so einleuchtenden Einwand einer Jugend, daß „jedes Lebendige t immer nur innerhalb eines Horizontes gesund, stark und fruchtbar bleiben . könne (Nietzsche), daß ihr erlaubt sei, in bewußter Einseitigkeit einen bestimmten Abschnitt aus der Geschichte zu wählen, z. B. allein die jüdische Antike und den gewählten Vorbildern entsprechend sich zu bilden. Das zuletzt Gesagte betraf bereits Differenzen, die innerhalb des Zionismus möglich sind. Mit solcher Verschiedenheit der Strömungen wird der Zionismus um so mehr zu rechnen haben, je mehr ^r-aufbort, ein Prozr:nnm ym sein und eine historische Bewegung zu werden beginnt. : Doch wir wollen zu dem Gegensatz des Zionismus in der Auffassung der Geschichtsbejahung der Orthodoxie gegenüber zurückkehren. Es is t e i n a nd e r e s, e in e V e r g a h g e n h ei t a 1 s \Vi ssenstoir zu bewältigen, ein anderes, eine Vergangenheit zur W i r k I i c ji k e i t z u bei e b e n. Mömmsen und Wilamowilz, die größten jetzt lebenden „K e n n e r"'der Antike sind, sind eingefleischte Protestanten. Goethe, der Unter Deutschen die Antike am vorbildlichsten ,J e b t ev\ war alles/nur kein klassischer Philologe. Dies muß gegenüber der konservativen, philologischen Askese der Orthodoxie, die sie dem überlieferten historischen Materini angedeihen läßt, betont werden. Wie sehr auch die Möglichkeiten, die bei einer Wiederbelebung der Sprache dadurch entstehen können, willkommen sind, so sehr ist eine Erziehungsmethode, deren Ideal durch das Wort „Talmudbauer" charakterisiert sein würde, abzulehnen. Daß Chaluzim erst dann, als Träger .jüdischer Kultur in Betracht kommen, wenn sie eingeweiht sind in die Art rabbimsch scholastischer Denkweise, ist kurzer Hand zu verneinen. Jüdische Bauern werden vielleicht anderssein als andere Bauern — das Sabbathlicht wird im jüdischen Bauernhaus leuchten —, aber darin sollen sie nicht-anders sein als andere Bauern, daß sie in ihrer Erdnähe wieder den fruchtbaren Teil des Volkes ausmachen, aus dem ihm seine Aristokraten und Propheten erstehen. Es-gilt noch einem letzten Einwand, den die Orthodoxie erheben könnte, zu begegnen. Unsere Geschichte ist bis jetzt eine heilige gewesen; wir sprechen von ihr bei tinsern Gottesdiensten; die Menschen, die in ihr vorkommen, sind Propheten und Märtyrer. Alle Siege dieser Geschiebte sind Siege Gottes, alle Niederlagen sind Heimsuchungen, die die von Gott Entfernten trifft. Und nun soll in dieser Geschichte die europaische Periode beginnen. Nun wird sie wohl verweltlicht werden? ■_ Um hier eine Antwort zu geben, machen, wir uns das Wesen der Geschichte mit einigen Worten klar. Es gibt ein Reich des Ewigen. Zu diesem setzen wir Menschen uns in Stunden der Andacht in Beziehung. Ständig in ihm zu leben, ist uns Menschen mit irdischen Bedürfnissen versagt. . Dann gibt es die Weit des Augenblicks. In diesem wollen wir, die wir den Schein des:Himinclslichtes haben, nicht leben. So ist den Menschen jenes Reich zugewiesen, das entsteht, wenn sie die Ewigkeit in den Augenblick hineinreißen. Jenes Reich ist die Geschichte. Wenn wir sie betrachten, so bietet sie dem oberflächlichen Blick ein buntes, wildes Durcheinander von Kampf, Machtgier. Gewalt und Blut, viel Blut. Und.wenn wir dann näher zusehen, so stellt sich' dieses Durcheinander als harmonische Einheit dar. Alle Macht war nur