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Der jüdische Student · 1923-07-01 · Heft 4 (Juli 1923) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
20 (1923)
Issue
Heft 4 (Juli 1923)
Date
1923-07-01
Page
[Seite] (sequence 27)
Language
German
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Die Entscheidung.des Zionismus '' LI9 zufallen. Aber nur scheinbar. Das Land ist verwüstet. Das Volk auf fremdein Boden. . Die-Auseinandersetzung' der jüdischen Kultatr mit der hellenistischen fand.doch statt, vollzog sich aber im Schöße einer fremden Kultur. Und zwar fand diese Auseinandersetzung zwischen der Welt des T'nach und der Welt des Piato und An'stotles nicht Tin hebräischer1 Sprache statt. Man muß schon sehr gut in arabischer Scholastik zuhause sein, um Maimonldis oder lbn Esra gerecht zu .werden. In -diesem fremden Zug, den dieser Abschnitt jüdischer. Geschichte trägt, liegt zum Teil auch der Grund des schon erwähnten Umstandes, warum das jüdische Mittelalter trotz der großen Geschichisbelahiing. die in zionistischen Kreisen herrscht, doch vorsichtiger, auf keinen Fall mit -derselben Begeisterung wie die jüdische Antike behandelt wird, Diese historische Reminiszens lehrt in gleicher Weise die Notwendigkeit-wie die Gefahr, die in dein Programm eines europäischen Judentums liegen. Europa überspringen, das können wir nicht, wollen auch -die Besten unter uns nicht, "also müssen wir Europa überwinden: nicht blind negieren, nicht wahllos bejahen, sondern prüfend und sondernd verarbeiten. Und das ist möglich. Wenn wir zwei Kulturen vergleichen, und wir Juden, wir ewige Juden sind ja an solche weiten Blicksrichtungen gewohnt, so können wir sehen, es ist dieselbe Botschaft, die sie zu berichten haben. . Der jüdische Priester, der seinen Gott zum erstenmal El kanä.nannte, den Eifervollen, der die Schuld ahndet bis ins späteste Geschlecht, hat dasselbe gesehen, wie der Philosoph des kategorischen Imperativs. Und die Notwendigkeit, die neben das Prädikat des El kanä das El rachamim setzte, den Gott der Liebe, der gnädig ist auch trotz aller Unzulänglichkeit der Menschen dem Ideal gegenüber, dieselbe Notwendigkeit hat Schiller voranlaßt, dem ethischen Rigorismus Kants die Haltung der schönen Seele entgegenzustellen, die das Ideal nicht als Forderung sieht, die an ein Unzulängliches gerichtet ist, sondern als Gnade, die über alles Unzulängliche ausgegossen ist. — Dies ein Beispiel für viele. Hermann Cohen hat zuerst von Kant aus auf eine Identität der Ethik des deutschen Idealismus mit •Grundlehren des jüdischen Gottesglaubens hingewiesen. Seitdem hat die deutsche Philosophie eine Entwicklung genominen, die diese Identität womöglich noch deutlicher erkennen läßt. Nicht anders stellte sich einst der" Zeit des Maimondes der Gehalt der Bibel den Lehren Piatos und Aristoteles gegenüber. Denn so vielerlei auch die Formen der Kultur sein mögen, in ihrem tiefsten Wissen sind sie einig.- Jhr-tiefstes Wissen ist mit der Botschaft des Schmäh jisrae'l identisch. Wegen dieser Identität der Grundgehalte der Kulturen kann die Auseinandersetzung der jüdischen Kultur mit der europäischen -.gar nicht ihre Gefahren in sich, sondern nur in. 'ihrer Peripherie: der Form dieser Auseinandersetzung haben. Prinzipiell bedeutet sie keine Gefahr. Denn solche Auseinandersetzungen zwischen jungen und alten Kulturen, zwischen führenden und solchen, die zeitweilig sich aufnehmend verhalten, findet ständig in der Geschichte statt. Einst hat Gott zu uns vom Horeb gesprochen, wir haben es allen Nationen verkündet und sie nahmen, was wir brachten. Heute spricht er von Weimar und Königsberg. Er ist derselbe, der hier wie da spricht. Und dies erklärt erst das Wunder, daß wir uns, was noch' vor kurzem unmöglich schien, aufraffen, .dem alten Gott neue Opfer zu bringen. Ein Aphorismus bei Nietzsche lautet: Nur aus der höchsten Kraft der Gegenwart dürft ihr das Vergangene deuten. Auf unsern Fall bezogen, heißt das: All das Große der jüdischen Vergangenheit konnte erst dann Gegenstand unserer Sehnsucht werden, nachdem .wir wieder sehend• geworden, für das. was menschliche Größe überhaupt ist. Denn nur an erschauter Wirklichkeit kann siclrwahre Liebe entzünden. Für marokkanische Juden ist meines Dafürhaltens der Zionismus von der Enge ihres levantinischen Gettho aus umaßbaY. Wenn wir heute Zionisten sein können, so danken wir das der Erziehung der .jüdischen Aufklärung und wenn man das sieht, muß man endlich aufhören, die Assimilation als den Sündenfall anzusehen, den der Zionismus zu. überwinden hätte, wo es - doch Jedem

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