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Der jüdische Student · 1923-07-01 · Heft 4 (Juli 1923) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
20 (1923)
Issue
Heft 4 (Juli 1923)
Date
1923-07-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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Die Entscheidung des Zionismus 117 lationslheoretiker. Sieht man sich gar ihre heutigen ' Vertreter an, Ihre Ziele und ihre Resultate, so scheint es, -daß nichts anderes gewollt wird, als möglichst rasch und möglichst getreu, jenem OurchschniUsdeutsdi^n zir gleichen, <lerf Sclföpenhaiief urid -MeTzscTie"vor "Aligen -hliffen r^uT*sieIlir e** Flüche gegen den Menschen als Fabriksware losließen, den Deutschen, den alle — guten Deutschen — gehaßt haben. Wenn dabei trotzdem noch .von .Assimilätipn an „Deutschtum" gesprochen wird, so ist diese Assimilation so zu werten, wie die Assimilationder Wa'llenstei<nschen Soldaten an ihren großen Kommandeur: „Wie er sich räuspert und wie er spuckt, das habt Ihr ihm trefflich abgeguckt". Nun, der Zionist ist auch Assimilant, aber er erhebt seinen Bück nach Höhen, der Ewigkeitsgehalt deutscher Kultur allein ist mit bestimmend bei seiner Normenbildung. Verständnis Goethischer Individualität machen ihn zum Zionisten. Auch er vernahm Fichtes Reden an die deutsche Nation, die in der tiefen Demütigung von ihrem Philosophen erfuhr, daß die geistige Umkehr, zu der das Volk erzogen werden müsse, auch allmählich jene materiellen Kräfte gebären wird," die die Ketten der schmachvollen Gegenwart sprengen wird. Und weiter, um noch ein letztes anzuführen, ist das gewaltige Schauspiel der Bildung des deutschen Nationalstaates von tiefem Eindruck gewesen. Fassen wir das gesagte zusammen, so müssen wir sagen, je tiefer unser Verständnis wird lür die bestehende gegenwärtige Kultur, für ihre Normen und Werte, destoniehr sehen wir, daß wir Juden all diesem Großen gegenüber nur rehabilitiert sind als Zionisten. Der Jude, als Assimilant, nicht in der oberflächlichen Bedeutung, ist Zionist. Assimilation bedeutet dann aber nicht mehr eine psychologische Erscheinung, die in gleicher Weise an Affen und Menschen beobachtet werden karm, sondern eine Form der Nachfolge, die sittliche Größe durch ihr bloßes Da-Sein fordert. Um das Gesagte zu erhärten, wechseln wir an 'dieser Stelle die front, und tragen denselben Gedanken, gegen einen anderen Gegner gewandt, nochmals vor. Halten wir fest, daß die übernationale Sendung des, Judentums, die Mendelsohn -predigte, dem zionistischen System nicht nur nicht widerspricht, sondern ihm logisch eingeordnet werden muß und'daß die Assimilation als Methode der zionistischen Erziehung noch lange unentbehrlich ist,'so ergibt sich, daß der Zionismus der wahre Erbe der jüdischen Aufklärung ist, die wir streng von den Epigonen dieser Bewegung geschieden haben.' Diese Herkunft des Zionismus scheint aber die Orthodoxie ganz zu vergessen, wenn sie von ihm eine Festigung ihrer durch die Aufklärung unmöglich gewordenen Situation erhofft, und scheinen auch jene zu vergessen, die sich in allerjüngster -Zeit aus Zionismus zu Orthodoxie verpflichtet halten. Nun ist die Frage, ob der Zionismus die Erbschaft der großen Haskala antreten kann, ohne mit jener Wertschätzung in Widerspruch zu geraten, die er jenen Gruppen im Judentum,, die jüdisches Leben und jüdische Form noch lebendig gehaiten haben, angedeihen läßt. Die Orthodoxie/ müssen wir vom Zionismus aus formulieren,-hat voll- kommenrecht, wenn sie von einem zeitlosen unwandelbaren Judentum spricht, bzw. dieses fordert. Seine unwandelbaren Ideen haben jüdisches Sein geschaffen, dieses Sein einmal zur Größe gestaltet und haben auch in Zeiten des Verfalls noch die hegende Kraft in uns bedeutet, die uns vor gänzlichem Untergang bewahrte. Tiefste Ehrfurcht vor dieser Welt göttlichen Geistes. Eine Erneuerung des Judentums wird nach diesen Höhen, ihren Blick erheben müssen. Denn jüdische Größe wird es wiedergeben,, wenn diese Welt wieder richtunggebend geworden ist für alles Handeln der Gemeinschaft und ihrer Glieder. — Aber sind wir den Forderungen, die diese Welt an uns richtet, schon gerecht geworden, wenn wir die kostbaren Bücher, die von ihr erfüllt sind, die die Geschichte der Menschen, der Propheten und Helden, erzählen, die diese Welt mit Macht in ein irdisches Leben hineinformten, mit Ehrfurcht und Strenge bewahren? Heißt, es nicht alle Geschichtlichkeit geistigen Lebens leugnen, wenn man glaubt, daß in der Welt des Geistes so etwas wie kampfloses Uebernehmenkörmen Möglich sei? Oder besteht nicht für jede Generation die Notwendigkeit, diese letzten Dinge vielleicht immer nur eine einzige Wahrheit

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