Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 20 (1923)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1923)
- Date
- 1923-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3537599-3537778-3537782--5904-3544031- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Amerika m'sches Judentum löi Weiß verlangte, einen Vertreter für den Kongreß zu benennen, eine Forderung, die -nicht erfüllt wurde. tit;ciiar:i:-C war auch hier die Begründung des Verlangens. Neben dein verständlichen Wunsch, einen Vertreter des Blau-Weiß iür die Karlsruher Siedelung sprechen zu lassen, wurden als „Gründe'4 vorgetragen:, es würden sehr viele Blau-Weißen nach Karlsbad kommen, die dort ihren Vertreter beim Kongreß sehen wollten: man werfe ihnen 'immer vor, da:' sie nicht mit d.r Organisation verknüpf: seien und, wenn sie Forderungen stellten, die zu einer so'chen Verknüpfung führen sollten, wehre man sich usw., worauf u. a. mir Rech: erwidert wurde, daß man in eine Organisation nicht von oben, sondern nur von unten hincingelangen könne. Zum Schluß ein Wort über den Eindruck, den das KJV. in Dresden machte. Wer die Alten Herren des KJV. gewerbsmäßig beschimpft, mußte frappiert sein über die außerordentlich große Zahl von KJV/ern unter den Delegierten und in den Organen der Z. V. f. D. Hier steckt eine enorme Leistung an Willen und Kraft, an Nerven- und Geldopfer und man kann nur hoffen, daß es gelingt, auch die noch abseits stehenden Alten Herren zur Arbe't heranzuziehen. Die sorgenvolle Frage, ob die Jungen den Willen und die Kraft haben werden, dieses Erbe zu verwalten und — unter abgewandelten Formen — zu vermehren, ist in Dresden weder positiv noch negativ beantwortet worden. Daß sie noch nicht positiv beantwortet werden konnte, ist schlimm. Die Jungen müssen sich darüber klar sein, daß die Antwort bald kommen und daß sie positiv sein muß, um des deutschen Zionismus willen, wie man in Dresden wieder gesehen hat. Amerikanisches judentum. Von A. R. I. Das Problem des amerikanischen Judentums (und des Zionismus in Amerika) soll in den folgenden Zeilen erörtert werden. Einleitend sei bemerkt, daß das schnelle Aufblühen dieses an Bodenschätzen reichen Landes und das damit verbundene ruhelose Hasten nach Erwerb seitens einer Bevölkerung, die ursprünglich aus mittellosen, sich aber allmählich heranarbeitenden Einwanderern bestand, einen kapitalistischen Geist erzeugt hat, aus dem heraus man bei Wertung von Dingen und Menschen den Geldwert zum alleinigen Maßstab nimmt. Dieser ..Amerikanismus'4, der in Geld und Geldeswert hohes und höchstes menschliches Ziel sieht, der in Propaganda und ,,adverüsements'\ m technischer Vervollkommnung und in Riesendimensionen bei Bauten und anderem üppige Blüten treibt, hat natürlich dem Geist und der Geistesverfassung einer Bevölkerung, die in diesen Dingen und von ihnen lebt, seinen Stempel aufdrücken müssen. Wo in europäischen Ländern Adel der Geburt und au Geist Vorrang verleiht und Maßstab abgibt, ist es hier Einkommen des Mannes und sein Verbrauch, wonach er soz:al abgeschützt wird. Kein Wunder, daß vim dieser auf Erwerben und Erraffen gerichteten Denkart auch unsere jüdischen Mitbürger sehr stark ergriffen wurden, wie ja schließlich auch alle anderen Immigranten ebenfalls: und man wird bedauernd feststellen müssen, daß von dem vielen wertvollen an jüdischer Bildung und an jüdischem Wissen, das unsere Einwanderer von drüben mitgebracht, ein gutes Ten bald über Bord geworfen wurde — als ein für das Geldverdienern unnützer Ballast. Die sichtbarste Form jüdischer Lebensart, die orthodoxe Lebensiiihruug, ist in zehruauseuden von Eällen ganz beseitigt, ur.d zwar voti denselben Menschen, die in ihrer russischen oder polrn scheu Heimat die f römnw •vten der Erommeti waren, oder diese Lebensführung hat sich zumindest gar erheblich gehvekert.