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Der jüdische Student · 1923-07-01 · Heft 4 (Juli 1923) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
20 (1923)
Issue
Heft 4 (Juli 1923)
Date
1923-07-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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102 Amerikanisches Judentum Die Aizah! der Juden in Nordamerika beträgt über 3 Millionen Menschen, von denen etwa 2 «Millionen in Newyork, 600 000 in Chicago und 230 ODO in Philadelphia -wohnen. (Hiervon sind vielleicht 15% „German Jews" und die übrigen 85% „Russian Jews". Die Qjenzlmie zwischen diesen beiden verschiedenen Gruppen von Juden ist mch wie vor recht scharf gezogen, vielleicht noch schärfer als in DeutschiHid. Diese Grenze wird nicht nui durch den Geldbeutel der schon iän.?Kr ansässigen und durchweg recht wohlhabenden deutschen Juden bestimm, sondern auch durch die Herkunft, d. h. das Ursprungsland: In dieser Beziehung genießt Deutschland noch heute hier einen großen Kredit; und die German Jews bilden für den materiell hinaufgekommenen Russian lesr vielfach das Ziel seiner Sehnsucht in gesellschaftlicher Hinsicht* Uebear den German Jews (der bzw. dessen Vorfahren nicht gerade von DeutsxSiand zu kommen brauchen, aber die möglichst von der West* seile der SSeichsel stammen sollen), wäre einiges Wenige zu sagen. * Als charakteristisch für ihn genügt das Bild des strammen Zentral-, vereinlers nicht; letzterer wurzelt jedenfalls innerlich, nach Bildung und Tradition, «Srker im Deutschtum als unsere freunde hier in amerikanischer Tradition lud Geistes weit. Andererseits fehlt hier auch naturgemäß der Typ des Naimairnschen Nationalpatnoten, der ja ein besonderes deutsches JKriegsprodiSt darstellt. Jedoch laßt sich keineswegs leugnen, daß die große Masse der deutschen äiden {ebenso wie auch die russischen Juden sehr bald nach Betreten döE Landes) stark patriotisch empfinden und sich dem Lande verbunden ffihlen. Ob und wie weit diese Gefühle vielleicht auch von materiellen Erwägungen mit beeinflußt sein mögen, sei nicht weiter untersucht — Ato Jedenfalls besteht ein Gefühl starker Dankbarkeit und Verpflichtung g&en dieses Land, das all diesen Menschen ohne Rücksicht auf die Vergangsrheit Asyl und Obdach bot und ihnen materiellen Aufstieg und sozialen Ram gewährte, die ihnen in der alten Heimat vielfach verwehrt worden wm ~- 3m allgeireinen wird das Gefühl der innigen, geistigen, seelischen, kulturellen Veihindehheit mit dem Lande vielleicht nicht so vertieft und verinnerlicht sein anzufinden, wie in Deutschland bei einem Ernst Lissauer oder JakobiLäwenberg, da längere Tradition und Kontinuität der Geschlechter hier fehlst, sondern es ist auf diesem Gebiete alles legerer und liegt auf der Obeitfäche. Dies sei nicht als Vorwurf aufgefaßt, sondern als Feststellung einer Tatsache; und es ist anzunehmen, daß im Laufe der Zeiten, wenn in diesem Lande in historischen, kulturellen und familiären Dingen mehr Kontinütät, mehr Geschlechterfolge, vorhanden sein wird, daß da manches ancbrs aussehen wird. Sieute ist das Land noch jung und die Bevölkerung ist vornehmlich damit beschäftig gewesen, seine reichen Naturschätze auszubeuten. "Die jüngere Geneiation in der Intelligenz,*die Europa vielfach aus eigener Anschauung kernt und auch die Unterschiede zwischen hier und dort sehr wohl zu weron weiß, ist eifrig am Werke, kultureile Erziehungsarbeit zu leisten und &n Landsieuten ihre Selbstzufriedenheit abgewöhnen, mit der sie alles mehr oder minder unbesehen ablehnen. Um auf dm German Jew zurückzukommen, so ist er hierzulande Stütze und Träger dir Reformbewegung, die — über das in Deutschland bekannte Maß weit hiiaus gehend, — sich erfolgreich bemüht hat, den indischen Gottesdienst mch Torrn und Inhalt dem protestantischen (der Katholizismus ist hier wenig beliebt) getreulich anzupassen. Wer einem solchen Gottesdienst einmal beigewohnt hat, wird ein trauriges Lächeln nicht unterdrücken könmn. darüber, wie man dem Sinn und dem Geist altjüdischer Religiosität seiiimme Gewalt angetan hat. in diesem Zusammenhang sei zur Kennzeichiung unserer Reformer eine Episode aus der jüngst in Newyork abgehaltenen 50. Jahresversammlung der (reformierten) Union of Hebrew Congregations erwähnt, die in charakteristischer Weise zeigt, wie

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