Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 20 (1923)
- Issue
- Heft 2 (März 1923)
- Date
- 1923-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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'Briefwechsel _ , 55 Zusammenhang widersinnig ist, z. B. vom Rudern zu sprechen. Schließlich, 'müßt Ihr Euch darüber klar sein, daß in sehr großem Umfange, alle \ ölker gleichartige Beschäftigungen haben und daß diese Beschäftigungen >.ur deshalb jüdisch oder deutsch oder englisch wirken,• weil• Juden oder Deutsche oder Engländer sie ausüben, Wir halten allerdings z. B. das Rudern für eines der zahlreichen Mittel, Juden körperlich — und moralisch ■— zu stärken und Juden zusammenzuführen, als eine in seiner Art ebenso positive- Leistungwie das Erlernen bestimmter Wissvii^iofic. Wir sehen das Entscheidende nur darin, daß wir uns von jeder Einseitigkeit frei halten und beides miteinander zu vereinigen suchen. Wir sind gegen jede geistige Uniiormierung. d e Ihr, auf anderer Plattform, ebenso wollt wie der Blau- Weiß. Das KJV. ist nicht so glücklich und selbstsicher, wie es ein Bund starr einseitiger Menschen sein kann. Wir nehmen dies hin in der besseren Erkenntnis von den Notwendigkeiten des Lebens. Euer Standpunkt gegenüber der Propaganda deckt sich offenbar in vielem -mit dem Standpunkt, den der Blau-Weiß bisher zur PropagaiKU gehabt hat. Wir weisen Euch auf die Argumente hin, die wir dem Blau- Weiß^ immer entgegengehalten haben, und die Euch genau bekannt sind. Wenn wir uns an Etire Grundsätze gehalten häiten. dann wäret Ihr selbst heute nicht da. und Ihr könntet auch in gur keiner \W:>e mit irgend einen Wirkungskreis rechnen. Ein Staudpunkt wie der Eure., ist nur haltbar, wenn man innerlich die begründete Hoffnung hat, daß* die andern sich, dieser Ansicht nicht anschließen und infolgedessen den Wirkungskreis nach wie vor erhalten werden. Was Ihr vom Zustand des deutschen \ dentums sagt, ist nur dadurch zu erklären, daß Ihr offenbar in derselben Abgeschlossenheit von der Umwelt lebt, wie der Blau-Weiß es tut. Eine Umschau in den deutsch-jüdischen Kreisen würde Euch in wenigen Tagen eines besseren belehren. Wir stehen in der Propaganda letzten Endes denselben Problemen gegenüber wie früher, bei allen Nuancicrungen, die sie natürlich durch die Ereignisse erfahren haben. Eure Konsequenzen, auf E^ropaganJa zu verzichten, müssen wir ablehnen, weil wir den Kreis der Menschen, den wir gewonnen haben, nicht plötzlich irgendwelchen Theorien zuliebe als abgeschlossen ansehen können, und weil wir uns dafür verantwortlich fühlen, daß wir alle Menschen gewinnen, die wir überhaupt gewinnen können. Es wäre leicht, den Verzicht auf Propaganda als Schwäche auszudeuten. Wir begnügen uns damit, ihn für ein Zeichen der Weltfremdheil oder der mangelnden Verantwortungsfreudigkeit anzusehen. Es werden Euch keine reifen Früchte in den Schoß fallen, ebensowenig wie uns. Es ist ebenso bequem wie falsch, wenn Ihr — wie seinerzeit die Hechawer- Lente — Euch zurückzieht, die bereits Ueberlasteten weiter überlastet und!l;nen gleichzeitig vorwerft, daß sie sich nicht auch noch in Eurer Richtung betätigen, was über Menschenkräfte gehen würde. Wir bemerken zusammenfassend: 1. Die nrkenntnis, daß die praktischpolitische Tätigkeit von der Erziehung getrennt bleiben muß, ist vorhanden. 2. Die Rede von Emst Simon auf dem Fusionskartelltag vor dem KJV. und dem Blau-Weiß muß Euch so klar wie nichts anderes bewiesen haben, d >ß Dir nur im Kartell eine ernsthafte Wirkungsmöglichkeit habt und daß Ihr auch jetzt noch das Kartell für Euch aus inneren und äußeren (Ininden notwendig braucht. Wir hoffen, daß Ihr in dieser Erkenntnis noch einmal Eure Gedanken und Beschlüsse revidiert, daß Ihr Euch selbst die Möglichkeit gebt, de ivicluigkeit .Eurer positiven Forderungen im Rahmen des Kartells zu erweisen, zumal wir aus Eurem Brief gesellen haben .was uns selbs:verständlich erscheint — daß Ihr dem 'Kartell verbunden geblieben seid und mit Recht Euch ihm nach wie vor verantwortlich fühlt. , Mit Zionsgruß! Das Präsidium des KJV. gez. Arthur S t e i n.