Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 20 (1923)
- Issue
- Heft 2 (März 1923)
- Date
- 1923-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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44 „, in bedauerlicher Weise falsch beurteilt hat, insbesondere soweit sie den Zustand des Blau-Weiß und die Eigenschaften seiner Führer betreffen. Der K.-T. billigt die Aufhebung der Fusion." II. Die zukünftige Arbeit des Kartells, (Referat Bileski und Debatte.) Von Paul Hirsch. Der 2. Tag des Kartellfags hatte sich in der Hauptsache rmi der zukünftigen Arbeit des Kartells zu befassen, Umgeleitet würde er durch ein Referat von Bileski, der auch über unsere prinzipielle Stellung zum Blau-Weiß sprach. Er legte noch einmal die Entwicklung vom Prunner Bundestag bis zur Aufhebung der Fusion dar und wies auf die beiden Möglichkeiten hin,-die vorhanden waren, um den Biau-AVeiß auf eine andere Bahn zu lenken. Der eine Weg war die Fusion, die es en&öglichen sollte, innerhalb eines gemeinsamen Bundes unsere Anschauungen gegen die des Blau-W-eiß zu setzen, Mensch gegen Mensch wirken zu lassen. Der andere Weg war der des Kampfes gegen den Blau-Weiß durch Gründung eigener Jugendgruppen, durch öffentliche Diskussion im deutschen Zionismus. Da sich der erste Weg leider als undurchführbar gezeigt hatte, betonte Bileski, daß jetzt das Kartei! die Verpflichtung habe. den zweiten Weg einzuschlagen. Wir dürften nicht ruhig zuselren.. wie der Blau-Weiß weiter in seiner Arbeit, die wir für falsch hlch-cii. fortfahre, sondern es sei Pflicht und Aufgabe des KjV., dem deutschen Zionismus zu zeigen, daß sich hier eine Jugendorganisation gebildet habe, mit deren Anschauungen sich der deutsche Zionismus zu befassen habe, worauf seinerzeit eben nur verzichtet wurde, weil man hoffte, auf diesem Wege der Fusion eine entscheidende Aenderung herbeizuführen. Dieser . Teil des Referates von Bileski bewegte sich in der Richtung, wie er es in seinem Artikel*) „Post Festum" im letzten JSt. ausgeführt hatte. .Er führte aus, daß der Weg, den das Kartell einmal beschritten habe, indem es sich nämlich nach unten erweitern wolle, nicht wieder rückgängig gemacht werden dürfe, sondern daß das Kartell verpflichtet sei. die Jugendarbeit selbst in die Hand zu nehmen und, obwohl heute nur an wenigen Orten die Möglichkeit dazu bestände, doch dort, wo es möglich sei, eigene Jugendgruppen zu bilden. Es müsse daher den einzelnen Verbindungen freigestellt werden, ob sie weiter den Namen VJSt. tragen, oder ob sie mit dem Namen ..Jüdischer Bund" die Richtung andeuten wollten, in der sie willens seien zu arbeiten, nämlich mit dem Ziele sich selbst eigene- Jugendgruppen zu schaffen und anzugliedern. — Er spracli dann welter im Einzelnen über die Aufgaben des Karteiis. etwa in der Weise, wie sie der Kanelhag in Hannover schon festgelegt hat. Er wies insbesondere darauf hin. daß zwar die Ideologie des KJV. durchgearbeitet sei, daß aber demgegenüber die Wirklichkeit des Kartells dieser Ideologie durchaus nicht entspreche, während der Blau-W-eiß zwar eine -falsche Ideologie habe, mit ihr aber seine Wirklichkeit übereinstimme. Ziel unserer Erziehung müsse es sein, auch bei uns unsere Ideologie Wirkhvhkek werden zu lassen. Es sei noch darauf hingewiesen, daß auch Bileski in seinem Referat betonte, daß sich unsere Bundesbrüder mit den kulturellen Aufgaben des Judentums auseinanderzusetzen hätten. Gerade dieser Punkt des Referats wurde nachher noch einmal durch die Verlesung des Briefes der ausgetretenen Frankfurter Bunde^rüder berührt. Die Debatte brachte im allgemeinen nicht viel Neues. Es mag erwähnt werden. d?.S Franz Meyer hier, wie auch später in der Altnerren-Debaue. auf die Zusammenarbeit der Alten Herren mit der jungen Generation hinwies; daß Löwenstein das Kartell wieder auf die Forderung uiie größerem Ernst merksam machte und betonre. daß diese Forderung mit größerem Ernst *) Der Artikel ist in der „Jüd. Rundschau*' mit eiuem Zusatz der Redaktion veröffentlicht worden, der in vielen Lesern den Irrtum erweckte, als handele es sich um eine offizielle .^eußerung des Kartells. Das Präsidium.