Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 20 (1923)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht über den außerordentlichen Kartelltag Fhr^tellung zur Frziehungsfragc, die in der „Rundschau44 erschienen ist uid die auch dem Kartell tag vorlag. Von einem ganz anderen S~tudpa:ikt ans kam ein Teil der Ahherrcnschaft zur Ablehnung der Fusion. Sie wünschten, das KJV. in seiner jetzigen Struktur zu erhalten und leuxnnen die Notwendigkeit einer Fusion mit dem Blau-Weiß. Sie waren der Meinung, daß die Fusion Form und Inhalt des KJV. zerstörte. Eine Fusion zweier inkommensurabler* Größen sei unmöglich. Danz-iger, der der Hauptvartrcier dieser Richtung war,""schlug eine Arbeitsgemeinschaft vor, in weicher s-ich das Zusammenarbeiten zunächst bewähren soll. Von den Anhängern der Fusion wurde gezeigt, daß die Aclteren-Frage im Blau-Weiß eisen Anschluß an das KJV.. die Frage des Nachwuchses im KJV. einen Zusammenschluß mit dem Blau-Weiß erheische und die allgemeinen zionistische!! Gründe angeführt, die diesen Zusammenschluß <jer Krähe als wünschenswert erscheinen hssen. An der Diskussion beteiligte sich ferner: Fnitz L öwenstei n, Felix R o s e n b 1 ü t h und Franz M c y e r , die für da Fusion und Julius Fröhlich und Rotholz, die gegen die Fusion sprachen. Am Morgen des ersten Tages wurde ein Antrag Präsidium— Fna n z M e y e r angenommen, durch den der Blau-Weiß eingeladen wurde, mit dun Plenum seiner gleichzeitig tagenden Führertagung mit dem Kartelltag gemeinsam zu beraten und durch Delegierte seinen Standpunkt zu wrtreKn. Dieser Antrag verfolgte den Zweck, unseren Delegierten Gelegenheit za geben, die Auffassungen des Blau-Weiß, seine Fü^oiisneigung durch persnrdichcn Find ruck kennenzulernen.. Der Blau-Weiß nahm diese ' Einlädt:;;;; an. Die gemeinsame Sitzung wurde auf Montag nachmittag 4 Uhr festgesetzt. Der Karteiliag trat um 3 Uhr nachmittags zu einer kurzen Sitzung zusammen. u;n sich über den Verlaui der gemeinsamen Beratung mit dem Bau-Weiß klarzuwerden. Die Blau-Weißen erschienen dann um 4 Uhr in sehr großer Anzahl. Namens des Blau-Weiß sprach zuerst kurz Benno Coli n. dann;n ausführlicher Rede Walter Moses. Fr legte die gnmdsätz- ÜJien zionistischen Auffassungen dar, die der heutigen Arbeitsmethode des Bhu-Weiß zugrunde liegen. Fs gibt, so wurde ungefähr ausgeführt, zwei Bindungen für Menschen: die religiöse- und die nationale. Die* religiöse Bindung hat die Juden im Mittelalter zusammengehalten, ist aber jetzt im Verschwinden begriffen und wird in absehbarer Zeit nicht wieder imstande sei}], jüdische Menschen ganz zu binden. Fs gibt nur die nationale Bindung, d'ki'so gestaltet sein muß, daß sie nicht nur einen Kreis von Intellektuellen, saidejm Jeden einfachen Mann aus dem Volk ganz zu erfassen vermag. Deshalb muß s^e den Menschen in zwei Sphären zu ergreifen suchen, in dir menschlich-gesellschaftlichen und in der wirtschaftlichen. Daraus e-geben sich die Forderungen des Bundes und die der wirtschaftlichen Maßnahmen. Fs folgte nun eine Diskussion, die sich bis in die Nacht hinzog: und bei der abwechselnd KJV.er und Blau-Weiße sprachen. Fineu starken Eindruck auf alle Anwesenden machten die Ausführungen von Ernst Siimon. Fr sins: von der Auffassung ans. daß der Blau-Weiß sich in ehern prinzipiellen unüberbrückbaren Gegensatz zur gesamtenbisherigen <jiFutheinwickiung gestellt 'mibe, ein Gegensatz-, der es ihm unmöglich mache, den Anschluß ans jüdische Volk zu finden. Während nämlich in der gesamten bisherigen Entwicklung in der Diaspora vom jüdischen Volk die Tatsache des Galuth als eine unabweisbare Notwendigkeit bejaht, seine Früchte aber auf das entschiedenste verneint und kulturell ausgemerzt worden seien, habe sich der Blati-Weiß unigekehrt zu einer absoluten Negation der Tatsache Oalm.h und einer durch nichts abgelenkten Einsulkmg auf Palästina bekenn1. Diese Umstellung des Blau-Weiß habe dazu geführt, daß er sich kulturell sicher genug fühle, um nicht nur die Fruchte des Gallith im Gegensatz zur Vergangenheit zu beiahen, sondern, sitsogar zum hauptsächlichen Stoff seines Unterrichts auf den Meimahendcu zu machen. Von dem Gedanken ausgehend, daß man mit dem Gegebene;; arbeiten müsse, um die Menschen lebendig zu machen und sk zur vollen Entfaltung zu bringen, sei er nicht dabei stehen geblieben,