Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 20 (1923)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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23 Ohne jeden Zweifel bereitet sich schon unabhängig von der Fusionangeiegenheit in der allgemeinen zionistischen Bewegimg Deutsehlands eine Auseinandersetzung vor, deren Lösung die konkrete, mit den Tendenzen des jüdischen Volkes verbundene zionistische Arbeit ist, die Einstellung unserer Menschen in die wirklichen und 'lebendigen Zusammenhänge des jüdischen Lebens, eine Lösung, die die scheinbar längst erstarrten Probleme des kulturellen Zusammenhanges, der Assimilation und des Antisemitismus, der zionistischen Politik nach außen und nach innen von neuem zur Diskussion stellt. Indem wir das (ilück des deutschen Zionismus, durch die Entwicklung der Nachkriegsverhältnisse den jüdischen Zusammenhängen näher gerückt zu sein, bewußt aufgreifen, und unsere Erziehungsarbeit ttnd unseren politischen Willen auf die neuen Probleme einstellen, werden wir die Kräfte gewinnen, jenem unwürdigen Zustand ein Ende zu machen, daß das KJV. den Landsknechtsliedern und dem ungeheuren Mißtrauen gegen alles wirklich jüdische nur seinen Willen, aber keine Leistung, nur seine Einsicht, aber kein wirkliches Leben seines Bundes entgegensetzen kann. Es ist eine verzweifelte Aufgabe, in einem Augenblick zur Umkehr und zur Feindschaft aufzurufen, wo noch nirgends die Wirklichkeit des neuen Lebens zu verspüren ist, aber es ist die. zionistische Entscheidung, die immer wieder auch den noch entjudeten und noch gänzlich ru2enstelienden jüdischen Menschen zu der (irenzsetzung berechtigt, diedas Lager Judas von dem Heere der Cojim trennt. Bericht über den außerordentlichen Kartelltag o Am Sonntag, den 24. Dezember, wurde der Kartelltag vormittags 9 Uhr von Bileski eröffnet. Die Feststellung der Präsenz ergab. daß sämtliche Verbindungen und Bezirksverbände, bis auf den BV. Hannover, durch die ordnungsgemäße Zahl von Delegierten vertreten war. Außerdem war eine Reihe von Bundesbrüdern aus dem Reiche erschienen, so daß der Meistersaar1 bis auf den letzten Platz gefüllt war. Die Wahl ins Präsidium des Kartelltages ergab B i i e s k i als Vorsitzenden, Arthur Stein und S c h 1 o ß b e r g als stellvertretende Vorsitzende. Ferner wurden eine Statuten-, eine Finanz- und eine Personalkornmission gewählt. P?s einleitende Referat, das den Fusnmsvorschlag des Präsidiums begründete, hielt Arthur Stein. Stein beschäftigte sich in diesem Referat ausführlich mit der Entwicklung, die der Blau-Weiß seit seinem Entstehen genommen habe und knüpfte daran eine scharfe Kritik. In dem zweiten Teil seines Referates zeigte er den bisherigen Verlauf der Fusionsverhandlungen und erörterte die Möglichkeiten der neuen Arbeit nach vollzogener Fusion. Die anläßlich des Kartelltages auf den verschiedenen Konventen der Verbindungen gefaßten Resolutionen ergaben schon vorher, daß das Kartell zur Fusion ganz verschieden Stellung genommen hatte. Eigentliche Gegner der Fusion waren Emst Simon und sein Kreis und einige Alte Herren. Verschiedene Verbindungen hatten sich grundsätzlich für die Fusion ausgesprochen, aber die Fusion von bestimmten Bedingungen abhängig gemacht, oder hielten den Zeitpunkt für verfrüht. In der allgemeinen Debatte über die Fusion ergriff als erster Ernst Simon das Wort. Er ging von der Forderung der Rückkehr zum jüdischen Volk und seiner überlieferten Kultur aus. Er sagte, daß diese Forderung •weder im KJV. noch im Blau-Weiß verwirklicht sei, daß aber die Aussichten, mit diesen Forderungen allmählich durchzudringen, im KJV. immerhin vorhanden sein, während beim Blau-Weiß gerade nach seiner letzten Entwicklung eine solche Möglichkeit nicht vorliege. Er begründete seine Stellung ausführlich und berief sich im wesentlichen auf die prinzipielle