Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 20 (1923)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Lehren der gescheiterten Fusion 21 Kraft sein könne. Das Memorandum argumentiert hier/:] damit, daß das „Gesetz" im Sinne des Blau-Weiß ein ganz anderes tiebilde sei als ein „Statut44, das beschlossen, abgeändert und abgeschafft werden könne. Fin „Gesetz44 besteht, und sei durch Beschluß nicht wirkungslos zu machen. ,,Gesetz" und „Statut" gehören demnach verschiedenen Ebenen an. Daher hätte von dem Blau-Weiß niemals die Aufhebung ihres Gesetzes zugegeben werden können. Diece Auffassung, deren sachliche Richtigkeit an dieser Stelle nicht nachgeprüft werden soll, ist ohne Zweifel von Georg Strauß und Martin B a n d m a n n von Anfang an vertreten worden. Fs ist ein außerordentlicher Fehler unseres früheren Präsidiums gewesen, da,ß es mit dieser Position nicht gerechnet hat. Fs ist vielmehr einem ijniproquo zum Opfer gefallen, dessen Urheber Walter M oses war. An dicken wurde nämlich, wie unbestritten festgestellt worden ist, •während der Fusionsverhandlungen die ausdrückliche Frage gerichtet, ob nach AbschluP der Fusion das Gesetz des Blau-Weiß noch in Kraft bleiben werde. Walter Moses hat auf dieser Präsidiumssitzung selbst erklärt, daß seine Antwort gelautet habe: „Selbstverständlich werde an Stelle des Blau-Weiß-Gesetzes durch die Fusion ein neues Gesetz des KJB. treten müssen.44 Die K.lV.er verstanden unter diesem neuen Gesetz selbst\erstäu Jlleh das Statut, das dauernd beraten wurde. Walter Moses dagegen erklärte nunmehr, er habe bei seiner damaligen Aeußerung ein neues ..Gesetz** in spe/'iischeni Sinn verstanden, das selbstverständlich nicht sofort bei Fusionsabschluß beschlossen werden könne, sondern erst aus dem Leben des neuen hervorgehen müsse. Das ..Statut" überhaupt zu lesen, habe er sich nicht entschließen können. An diesem Punkte beginnt die Frage der persönlichen Qualität, die demjenigen gegenüber erhoben werden muß, der noch imstande ist, in beiden Sprachen zu reden. Der üble Ghettotyp des Feiertagsttnd Werktags;uden, der so und auch anders kann, ist mit der neuen Prägung nicht besser und begrüßenswerter und kann besonders die Bedenken nicht verkleinern, dieman auch ohne diese besondere Erfahrung gegen die durch den neuen Blau-Weiß-Kurs begünstigte Mischung von Gesinnung und Geschäft haben muß. Der Bundesgedanke des Blau-Weiß enthält ohne jeden Zweifei bedeutende und beachtenswerte Momente. Seine Anhänger" überschätzen ihn freilich gewaltig, wenn sie andere Bünde, wie etwa des KJV., nur als den gegensätzlichen Typ der rein verstandesmäßig aufgebauten Organisation zu fassen vermögen. Gerade die Fusion hat durch die Erfahrung bewiesen, wie falsch eine solche Betrachtungsweise ist und diejenigen belehrt, die durch die Stoßkraft der Palästinaarbeit und besonders durch die wirtschaftliche Fundierung. die der Blau-Weiß seinen Absichten zu geben übernimmt, über die aligemeine Bedeutung seiner Struktur sich zunächst täuschen ließen. . Denn das KJV. bot. trotz großer Meinungsdifferenzen, in dieser Auseinandersetzung doch das Bild eines politischen Organismus, einer einheitlichen, wenn auch sicherlich unzureichenden und oftmals taktisch falsch orientierten Führung, einer teilweise leider absplitternden, aber im großen und ganzen doch sich den Führungstendenzen kritisch, aber willig anschließenden Gefolgschaft. Auf der Seite des Blau-Weiß war völlige Unklarheit bei den Führenden, völliger Maugel eher verantwortlichen Vertretung der für die Bundesführung -maßgebenden Tendenzen, ein inneres Unvorbereitetsein auf die mit der Fusion notwendig gestellten neuen Aufgaben zu bemerken. Der Blau-Weiß mußte, trotz seines Fusionswillens, immer außerhalb einer wirklichen Fusion stehen bleiben, solange sein Bundesgedanke noch beherrschend blieb. Denn das Gefühl der Unsicherheit, das die Verfasser des Memorandums gegen die Form der Fusion einnahmen, mußte bei jedem Heraustreten aus dem in sich geschlossenen Kreise des Bundes sich bemerkbar machen. Der Bundesgedanke kann also immer nur zu der Forderung führen, daß der Blau-Weiß bleibt., was er ist. Demtueh haben ihn seine Tendenzen immer wieder auf die Wirklichkeit der Außenwelt verwiesen, mit der er und in der er arbeiten muß, wenn seine.Ziele Wirk-