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Der jüdische Student · 1923-01-01 · Heft 1 (Januar 1923) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
20 (1923)
Issue
Heft 1 (Januar 1923)
Date
1923-01-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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is ■ Post Festum <ks KJV.ers vom Tvp des Blau-Weißen hineingesehen sind, Unrichtigkeiten, die eine erstaunliche Verständnislosigkcit für Menschen und Tatsachen zeigen (wie sie z. B. auch in der sonderbaren Anrufung Blumenfelds für eine der seinen genau entgegengesetzten Auffassung zum Ausdruck kömmt). Es soll vielmehr die Charakteristik, die der Blau-Weiß für seinen Menschentyp gibt, als gegeben anerkannt werden. Gerade dann zeigt sich, ddß imn diese Auffassung des Blau-Weiß, von der Art seiner Menschen — mit der ein entscheidender Punkt berührt wird — die der Blau-Weiß ml allen Kräften beiaht, von der er nicht lassen will und kann, mit allen Mitteln bekämpfen und ändern muß. Die Schilderung, die das Memorandum vom Blau-Weißen gibt, gipfelt in der Feststellung, daß der Blau-Weiße sxiue Gegenwart, die vorhandene und jede zukünftige bejaht, daß sich 211s der Selbstverständlichkeit seines Lebens die Selbstverständlichkeit des Zionismus ergäbe und findet ihren deutlichsten Ausdruck in dem Satze: JDer Blau-Weiß weicht nicht Problemen aus oder verschiebt sie auf später; er kennt sie nicht." . Diese Schilderung erscheint mir in der Tat 2F5 eine katastrophale Offenbarung der Verständnislosigkeit für zionistische Toraussetzungen und Entwicklungen. Es soll liier nicht auf die mit diesen Vorstellungen zusammenhängenden Uebersteigerungen und Verirrungcn des Etmdesgedanken eingegangen werden. Aber es muß darauf hingewiesen werden, daß die Wurzel des Zionismus, die treibende Kraft für jedes ziomstische Streben, in der Erkenntnis des Problematischen, Krisenhaften in der Katur des einzelnen Juden und des Judentums enthalten ist. Der Blau-Weiß hat den Mut, sich so wie er ist. als selbstverständlich zu empfinden, sich zu bejahen, sich unproblematisch zu finden. Alan steht fassungslos vor •der Unwahrheit, der Unmöglichkeit einer solchen Behauptung. Gäbe es einen einzigen Ort, der die Sicherheit, die Seite; Verständlichkeit jüdischen Lebens aufwiese, so wäre die entscheidende Aufgabe des Zionismus in der Oegenwan bereits gelöst. Aber jeder Zionist weHS — und nur der Blau-Weiß weiß es nicht —, daß es heute nichts Unproblematisches im Judentum gibt, diß alles fragwürdig ist. Wenn wir uns der ..organischen Entwicklung" überließen, das Ergebnis wäre der Untergang des Judentums: denn in jeder jüdischen Position würde eine selbstverständliche Entwicklung des gegebenen Znstandes die zum Verfall führenden Kräfte als stärker als die bessernden erweisen. Auch der Blau-Weiß macht von dieser Feststellung gewiß keine Ausnahme. Diese allgemeine Erkenntnis von der Problematik alles Jüdischen zwingt ms zum Zionismus. Sie allein rechtfertigt ihn. Die Folge ist: W ir müssen uns rsamer wieder entscheiden, wir müssen uns immer wieder, im kleinen und im großen, ändern, immer wieder Probleme erkennen, Lösungen Stichen. Die Sicherheit and Selbstverständlichkeit des Blau-Weiß kann nicht lange anhalten. Er wird erkennen müssen, daß auch sein Judentum gewiß nicht mehr Echtheit, Selbstverständlichkeit und Sicherhut besitzt als irgendein anderes. Wenn die Blau-Weißen aus ihrem Traum erwachen, und sich umsehen, werden sie mit Schrecken wahrnehmen, wie unwahr, wie eingeredet ihr organisches Leben ist. Diese Enttäuschung enthält die Gefahr Jks Abfalls nicht nur von dem. was ihnen als ein möglicher Zionismus dargestellt wird, sondern auch vom Zionismus selbst. Diese Gefahr muß ^bekämpf; werden. Die Blau-Weißen müssen erkennen, wie das Judentum aussieht, wie sie selbst aussehen, wenn sie Zionisten werden und bleiben «Hen. Ob sie zu dieser Erkenntnis imstande sind, muß fraglich erscheinen räch dem. was die Fusion gezeig: hat: denn es gehört dazu eine Eigenschaft, c"e für r.l!e Teile des Zionismus, auch für die Führer «einer Jugend notwendig ist: Ernst. Die Fusion hat nichts deutlicher gezeigt als den grenzenlose^ .Mangel an Ernst, in dem die Blau-Weißen heute leben und 6er in «) auffallendem Widerspruch steht zu der Krisis. in der sich heute das Jm'euium befindet, zu dem Gefühl, daß sich in verhältnismäßig kurzer Zeit all.-s entschieden haben wird Diese Fusion ist gespielt worden nicht :rur wie eine Komödie, sondern auch wie ein Spiel von Kindern. Der

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