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Der jüdische Student · 1923-01-01 · Heft 1 (Januar 1923) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
20 (1923)
Issue
Heft 1 (Januar 1923)
Date
1923-01-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Post Fes tum 17 sich geirrt! Was heißt das? Dem Blau-Wei'il fehlt Jedes Gefühl für eine moralische Verantwortlichkeit gegenüber der zionistischen Ücfferitlichkeit. Er hat kein Empfinden dafür, daß es im öffentlichen Leben Handlungen gibt, bei denen Irrtümer unmöglich sein müssen. Er versteht nicht, daß •eine Bewegung wie die zionistische von ihren wesentlichen Gliedern ein Mindestmaß von Sicherheit, von Zuverlässigkeit verlangen muß, wenn sie mit ihnen rechnen will. Er hält es für möglich, daß man Entschlüsse von zionistischer Tragweite, wie die Fusion, nach Belieben faßt und korrigiert. Er merkt nicht, daß durch solches Verjähren, das ja morgen, bei irgendeiner andern entscheidenden zionistischen Frage angewendet werden kann, nicht nur ihm gegenüber jedes Vertrauen schwinden« muß, sondern daß durch die Möglichkeit solcher Täuschungen eine Grundlage zionistischer Verbundenheit erschüttert wird: Das Gefühl, daß man sich auf einander verlassen und daher gemeinsam vorgehen k;nn. Gedanken über die tiefe Enttäuschung, die der Blau-Weiß der zionistischen Gesamtheit bereitet hat, liegen ihm offenbar fern. Sie kümmern ihn nicht, er ist sich selbst genug. Das Verhalten in der Fusionsfrage ist der beste Beweis für das Fehler, jedes wirklichen Zusammenhanges mit der zionistischen Gesamtheit. Der Biau-Weiß duldet es auch und wird es,*wie es scheint, weiter dulden, daß sein Ideal des Führertums, dieser Gedanke, von dem er lebt, sielt so herrlich bewährt, wie es in dieser Fusion geschehen ist. Lassen wir jeden Verdacht einer Tüuschungsabsicht beiseite, so ergibt sich, daß diesen Führern so gut wie jede Führereigenschaft fehlt —- wenn nicht ein frevelhafter Leichtsinn den Führer qualifizieren soll. Sie kennen keine Ziele — das Ziel, das sie heute verfolgen, erweist sich morgen als ein- Irrtum. Sie haben keine Anschauungen — ihre Unsicherheit entwertet jede .Meinung, die sie äußern. Sie taumeln in Entschlüsse hinein, über deren Tragweite sie später höchst erstaunt sind. Die Stärke, die sie für Entscheidungen eingesetzt haben, schwindet in dem Augenblick, wo nichts anderes geschieht,, als daß in ihrem Kreis.eeine f andere Ansichtsvariante mit einer gewissen Energie Beachtung verlangt. Es bleib* ihnen die Fähigkeit. Grundlagen für Vereinbarungen nicht zu lesen (Walter .Moses erklärte, daß er den Stauuenentwurf des KJV. nicht gelesen habe), geschehene Tatsachen nach ihren jeweiligen Schwankungen abzuändern (noch die Darstellung des rrer angedruckten .Memorandums bringt es fertig, Vorgänge wie — den Brief des Präsidiums über die Notwendigkeit einer Unterwerfung des Gesamtkartells unter eine einheitliche Norm und die Unterlassung der geplanten Verpflichtung auf das Gesetz kurz vor dem Kartelltag auf Verlangen des Präsidiums — zu verschweigen) und ihren Vertretern nachträglich die Vollmacht zu bestreiten, nicht nur im formellen, sondern auch in dem moralischen Sinne, daß sie grundlegende Fragen aus dem Geiste des eigenen Bundes verstehen und beantworten könnten. Diese Feststellungen werden nicht aus Lu>t an Polemik gemacht. Sie wäre verständlich, aber sie verschwindet vor der Bedeutung des noch immer richtigen Gedankens, was diese Fusion, wenn sie richtig verstanden und ernsthaft gewollt worden wäre, hätte werden können. Sie sollen nur auf den unerträglichen Zustand hinweisen, daß die im Namen des Zionismus zusammengeschlossene Jugend, die wir noch immer als ein-* unserer großen .Möglichkeiten empfinden müssen, geduldig einer solche*: Führung folgt, bei der von Verantwortung nichts, von Prätention alles zu rinden ist. Immerhin, auch von dieser Führung werden Gründe für ihr i 'idein angegeben. Die Auflösung der Fusion wird Im .Memorandum mit der snmdsätzüehen mei^chlieheii Verschiedenheit der Blau-Weißen und KJV.er begründet. Aus der menschlichen Beschaffenheit der Blau-We.ßeri ergäbe sich das Leben des Blau-Weiß, das man nicht plötzi'ch reglementieren, in eine bestimmte Balm zwingen könne, ergäben sich die Goetzc, deren' Abschaffung unmöglich sei. Es soll hier nicht auf die mannigfachen Unrichtigkeiten eingegangen werden, die in die Unterscheidung des Typs

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