Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 20 (1923)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Eö Post Festuni Nach dem Zustandekommen der Fusion erfolgte zunächst der Rücktritt Ton Georg Strauß aus dem Präsidium. Georg Strauß begründete diesen l'üektritt nicht, in der 1. Präsidiumssitzung brachte Walter Moses die ÜTage der Mädchen zur Debatte. Er erklärte, er habe sich den Mädchen gegenüber ehrenwörtlich verpflichtet, ihre Aufnahme in das Kartell durchzusetzen. Seine Erklärung, daß ihm seitens der verhandelnden KJV.er etwas Dementsprechendes zugesagt worden wäre, wurde sofort zurückgewiesen. In Wirklichkeit hat die Mädchenfrage in den ganzen Verhandlungen überhaupt keine Rolle gespielt. Auf eine früher von unserer Seite gestellte Frage, wie man sich das Schicksal der Mädchenbünde vorstelle, erwiderte Walter Moses, daß die bisherige Bundesleitung als Bundes- Ifitung der Mädchen erhalten bleiben solle!*) Etwa eine Woche vor dem Kartelitag kam Walter Moses auf diese Angelegenheit zurück, nachdem ihm, wie er mitteilte, seitens verschiedener Führerinnen Vorwürfe gemacht worden seien. Wir erklärten, daß eine Aufnahme der Mädchenbünde in das Kartell nicht in Frage kommen könne, erklärten uns aber bereit, über düe Regelung der Beziehungen der Mädchenbünde zum neuen KJB. Blau- Weiß in der ersten Präsidiumssitzung zu sprechen. Walter Moses kam mch einmal auf diese Frage zurück und zwar am Abend des Kartelltages, alis die Frage gestellt wurde, wie die Fusion zu retten sei. Bruno Perl erklärte damals, daß es unmöglich sei. diese Frage überhaupt zu behandeln. Neben der Mädchenfrage tauchte dann die Frage des Fortbestehens d±r Gesetze und schließlich sogar die der Bundesleitung auf, Fragen, von düien bereits oben dargestellt worden ist, daß sie mit Eindeutigkeit und Klarheit vorher geregelt worden waren. Post Festum. ■$ Von Moritz B i 1 e s k i - Berlin. Die traurige Komödie, die dem deutschen Zionismus in den letzten Wochen von seiner Jugend vorgespielt worden ist, soll hier nicht in ihren einzelnen Szenen dargestellt und kritisiert werden. Es ist lediglich meine Absicht, einige zusammengefaßte Ergebnisse festzustellen, die dm Zustand der im Blau-Weiß organisierten zionistischen Jugend beleihten und aus diesem Grunde eine allgemein-zionistische Beachtung verdienen. Der Blau-Weiß galt als ein Faktor der zionistischen Bewegung in Deutschland. Sein Führer wurde als einer von 11 oder 12 Delegierten ven den deutschen Zionisten zum letzten Kongreß abgeordnet. Der Blau- Vuiß selbst ist von seiner zionistischen Bedeutung "so sehr überzeugt, dall er in der Einleitung zu seinem Grundgesetz von seinem .,beispiellosen Beruf4 spricht, den er „in seiner ganzen Größe erfaßt habe". Dieser Blau-Weiß hat im Kampf mit anderen Teilen der zionistischen Bewegung gestanden. Im Verlaufe dieses Kampfes wurde die Aktion einer einheitliciien Zusammenfassung der zionistischen Jugend Deutschlands eingeleitet, die vom gesannen deutschen Zionismus mit stärkster Anteilnahme verfolgt wurde. Die Aktion führte nach monatelangen Verhandlungen, nach Ucäerwmdung heftigster Widerstände zu einem positiven Ergebnis, das von vielen Z'onisien als verhängnisvoll, von andern als überaus fruchtbar urd als ArnV.-g neuer Entwicklungen, fast durchweg aber als ungewöhnlich beiieutimgsvoli empfunden und mit Erregung aufgenommen wurde. Und nur; nachdem alles dies erlebt, erstritten, ertragen und begrüßt worden ist. ist es möglich, daß der Biau-Weiß, dieser zionistische Faktor, erklärt, er habe es nicht so gemeint, man müsse diesen Vorgang „revidieren" — soweit revidieren, daß er als ungeschehen anzusehen wäre; denn er habe *) Siehe ..J. St.'\ Jahrg. 19, Nr. 8, Seite 254.