Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 20 (1923)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht über die Fusionsverhandlungen usw. 15 Arthur Stein die Bitte gerichtet, zunächst allein einen Entwurf auszuarbeiten, wobei ihm Werner Bloch zur Verfügung stehen sollte. Das geschah und der Entwurf wurde eine Woche vor dem Kartelltag dem Blau-Weiß übergeben und der Führertagung in 75 Exemplaren zugesandt. Kurze Zeit nach der. oben geschilderten gemeinsarn-en Sitzung erfuhren wir, daß im Berliner'Blau-Weiß am nächsten Sonntag die Nadelverleihung und die Verpflichtung auf das Gesetz von Prunn stattfinden solle. Diese Tatsache erregte im KJV. eine außerordentliche Empörung, und wir verlangten eine gemeinsame Sitzung mit der Buudesleitung des Blau-Weiß. Diese Sitzurg fand statt. Auf ihr war das K.IV. durch Bertram Eisher, Elitz Löwenstein. Bruno Perl, Leo Rosenbiüth und Arthur Stein, der Blau- Weiß durch Werner Bloch, Gerhard Jacobsohn und Georg Strauß vertreten. Walter Moses war verreist. Wir erklärten, daß wir es für eine Illoyalität halten müßten, wenn der Blau-Weiß kurz vor der Fusion, durch die das Gesetz aufgehoben sein sollte, eine Verpflichtung auf eben dieses Gesetz vornehmen wollte. Es stellte sich heraus daß Walter Moses über die von ihm in der vorigen Sitzung abgegebenen Erklärungen niemanden im Blau-Weiß informiert hatte. Das Ergebnis der Sitzung war. daß Georg Strauß namens der Bundesie'tung des Bhru-Wtüj erklärte, daß man unsern Standpunkt verstünde und die Verpflichtung iib.vi..;. n würde. ' Das ist in der Tat auch geschehen. Bei Beginn des a.-o. K.-T. waren also nocii zwei Fragen zu klären: Der endgültige Wortlaut des Statuts und die Frage des Präsiden. Namens des Blau-Weiß erklärten Benno Cohn und Norbert Elias mit uns über den endgültigen Wortlaut des Statuts verhandeln zu sollen. Sie stellten bestimmte Abänderungsformeln zum Teil sehr weitgehender Natur, von denen einzelne im Laufe der Unterhaltung fallen gelassen wurden, andere, wie das W eiterbestehen der Führerschaft, von uns akzeptiert wurden. Es erfolgte dann eine vollkommene Einigung über den Wortlaut des Statuts, das in der mit "dem Blau-Weiß besprochenen abgeänderten Form vom Kartel!tag des K.IV. angenommen wurde. Am Abend des letzten Tages des Kartelltages fanden dann die bekannten Vorgänge statt, wo. von Walter .Moses behauptet wurde, daß die Unterhändler des Blau-Weiß ihre Vollmachten überschritten hätten und das Statut für 'den Blau-Weiß unannehmbar sei. Nach weiteren Beratungen des Blau-Weiß erklärte Walter Moses am letzten Abend des Kartelltages. daß der Blau-Weiß seine Unterhändler decke und das Statut akzeptieren werde.*) In diesem Zusammenhange wurde dann seitens des Blau-Weiß die noch nicht geklärte Präsidenfrage angeschnitten und der Vorschlag Walter Moses gemacht. Diese" Frage wird an dieser Stelle nicht weiter behandelt, da sie für den weiteren Verlauf nicht entscheidend gewesen ist. Festgestellt muß aber'folgendes werden: Nachdem dem Kartelltag von dem Abbruch der Verhandlungen und dem Scheitern der Fusion Mitteilung gemacht worden war. erschien Walter Moses und bat die Bundesbrüder Fritz Löwenstein und Leo Rosenbiüth zu einer nochmaligen Besprechung herauszukommen. Diese Besprechung wtirde von ihm mit der Frage eingeleitet, was geschehen könne, um die Fusion noch zu retten. Wir erklärten hierauf, daß die Voraussetzung dafür die Anerkennung des Statuts und das kollegiale Präsidium seien (letztere war die^bis daher von uns bekämpfte ursprünglich vom Blau-Weiß aufgestellte Forderung). Die Blau- Weißen erklärten (es waren der Bundesrai und die Berl'ner Führerschaft versammelt), daß sie gegen das Statut Bedenken hätten, diese Bedenken aber überwinden würden, wenn die Zusammensetzung des Präsidiums eine Sicherheit für loyale Handhabung des Statuts gewähren würde. Das nachher vom Kartelltag gewählte Präsidium gab nach Ansicht der Blau-Weißen diese Gewähr. Somit waren die-Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt. *) Siehe auch die weitere Darstellung im Bericht über den a.-o. K.-T. Seite 26.