Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 20 (1923)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 Die Fusion konnte auf zweierlei Weise vollzogen werden. Durch sofortige Schaffung einer ntien einheitlichen Form des Kartellebens oder durch vorläufiges Fortbestehen der eigenen Formen jedes Verbandes innerhalb des neuen Kartells mit dem Ziele, durch gemeinsames Zusammenleben diese Formen zu einer einheitlichen Form zusammenwachsen zu lassen. In dem letzteren Falle sollte sich auf Grund der tatsächlichen und geistigen Annäherung der Menschen eine Form des Zusammenlebens organisch herausbilden und eist, nachdem dies geschehen war. statuiert werden. Die andere Losung begann mit der Statuierung und Dekretierung der Form von oben und erwartete, daß in diese ..aus dem Kopfe erfundene" Form das neue Leben sich einfüge. Fs glückte auch, sich ein Bild von den .Möglichkeiten der praktischen Arbeit in einem von Leo Rosenblüih und Georg Strausc entworfenen und im ,J. St." abgedruckten Schema, zu machen. (Fusions..abkommen'4.) Das KJV.. das anfangs unter der Führung Blumenields denselben Gedanken einer historisch-organischen Verschmelzung beider Bünde vertrat, drängte in den späteren Verhandlungen immer mehr 'theoretische Auseinandersetzungen in den Vordergrund der Besprechungen. iVamienfeld haue deutlich betont, daß man mit der praktischen Arbeit beg:::uen und alle prinzipiellen Kämpfe >o lange zurückstellen M'ik. bis durch die Praxis ein neuer Band und dann; ein k* ahmen für wirklich fruchtbaren Gedankenaustausch geschaffen war. In liebereinstimmung mit diesen Meinungen Blmner.ields betouten die Führer des Blau-Weiß, auf jeder Sitzung den starken Willen, sofort an die gemeinsame Arbeit im Kreise der Züge und Korporationen heranzugehen. Durch die dauerndj Forderung grundsätzlicher Auseinandersetzung seitens des KJV. wurde aber der Beginn der praktischen" Arbeit um Monate hinausgeschoben. Anstatt dessen drängte das KJV. auf die gemeinsame Ausarbeitung eines Statuteuemwurfes. Von Biau-Weiß-Seite wurde an dem Entwurf des Statutes nicht mitgearbeitet, da der vom Blau-Weiß dafür nominierte Vertreter nicht nach Berlin kommen konnte. Im Blau-Weiß der Provinz stieß das Verhalten der Berliner Führung auf W iderstand. Den Brcslauern schien..die Linie von Prunn aufgegeben und das Gefüge des- Blau-Weiß erschüttert zu sein. Nur die von der Berliner Führung auf einer Bundesratssitzung am 29. Oktober abgegebene Frklärung: Fs werde an dem Gefüge des Bundes nicht gerüttelt werden, hatte die Breslauer dem Fortgang der Verhandlungen, zustimmen lassen. Unter diesen Umständen mußte ihnen der Plan eines gemeinsamen Statutes unverständlich bleiben. Am Vorabend der Fusion hatten die in Berlin zu einer Burdesratssitzung-. versammelten führenden Menschen die Einsicht gewonnen, daß man einer Fusion, d. h. einer Fusion, die ohne reale Arbeitsgemeinschaft von oben herab konstituiert wurde, nicht zustimmen konnte, sondern daß Fiihrertag und Kartell::;g i ..r befugt wären, die Formen für einen Uebergangszust:n4 zu setzen, währenddessen beide Verbünde in ihrer Struktur erhalten bleiben mit dem Ziele, in absehbarer Zeit zu eilt er tatsächlichen Vereinigung zu g;u angen. in einem .Ykmoraudum d^s Bundesrates, das a\r Fuhrertagung und dem KJV.-Präsid'um vorzulegen war. sollte davor gewarnt we-dju, du^ch überstürzte rusien eine auf Tradition gegründete or. tische Fintw ick bang mit einem Federstrich zu beseitigen und au dessen S*. das schwankende Gebilde eines künstlichen Definitivums zu setzen. V ::ln Banjmuun war mit der Vertretung dieses Planes gegenüber dem KJ\. beauftragt worden und trug ihn in seinen Umrissen während des Kartell tags zwei Präsidi.dmitgliedern. Löwenstein und Perl, vor. Durch Mißverständnisse, mangelnde Direktiven und unzureichende Informationen glaubten andererseits Benno Cohn und Norbert Fi las zu der Durchprüfung des Statu*entwurfes und zur Verhandlung und zum Abschluß mit dem KJV. berechtigt zu sein. Ohne dahingehende Vollmacht der Blau-Weiß-Instanzen scidugen sie in diesem Glauben am letzten Tage des Karteiltags der Statuteukommission des KJV. Abänderungen vor urd