Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 8 (Oktober 1922)
- Date
- 1922-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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270 Aber noch eine andere, - wichtige Angelegenheit fordert unsere Auf-,. merksamkeit. r In New-York wurde seinerzeit nach dem Besuch 'Einsteins von Acrzten ein Fonds gegründet zur Förderung der Universität 'in Jerusalem. IV::. erheblicher Prozentsatz der gezeichneten Gesamtsumme von I 0i;u Dollar ist bereits eingezahlt, und eine Delegation von drei Herren dieses Aerztekomitees kam vor einigen Tagen durch Berlin auf der Rückreise von Palästina, wo sie bereits Baulichkeiten für ein Mikrobiologisches Institut und Grundstücke für weitere Institute erworben haben. Fs soll ■ ferner die Absicht bestehen, in späterer Zeit Kliniken zu errichten. So erfreulich das alles an und für sich ist. so darf maa sich doch nicht gewisser Bedenken verhehlen angesichts der Planlosigkeit, mit der diese Arbeit in Angriff genommen wird. Wir kennen ja hier im allgemeinen nur die Reihenfolge, daß erst die Idee da ist und daß man sich dann bemüht, das zur Ausführung erforderliche (leid zusammenzubekommen. In New-York aber waren eigentlich zuerst die lOOUtOO Dollar da mit der vagen Bestimmung „Universität Jerusalem44, und nun sieht man sich nach den vorhandenen Aufsahen um. deren Dringlichkeit abgestuft wird nach der subjektiven Meinung der K o mi t c e m i t gl i e d e r. Manchen scheint so etwas vorzuschweben wie eine Art Heiligung des jüdischen Namens durch Heranziehung besonders bedeutender Jüdischer Gelehrter aus aller Welt. (Dagegen könnte man einwenden, dai dieser Zweck ja auch bisher erreicht wird, wenn Leute wie Onstein, Jacques Loeb. Freud Widal, Morgenroth, Besredka usw. da wirken, wo sie jetzt sind, daß die erstrebte Trennung von den wissenschaftlichen Umgebungen, in denen sie aufgewachsen sind, wohl nur eine geographische wäre, und daß Palästina außerdem als unruhiges politisches Land, ohne alle Bibliotheken und wissenschaftlichen Hilfsmittel, akademische Organisationen und Traditionen auch durch viele, viele Dollars nicht zu einer geeigneten Pilcgestätte für differenzierteste theoretische Forschung gemacht werden könnte. Nach außen könnten solche Institute leicht als nationalistische Geste wirken.) Andere halten es für wesentlich, eine wissenschaftliche Zufluchtsstätte für alle die jüdischen Studierenden zu schaffen, die an anderen Universitäten nicht zugelassen werden. (Die Förderung des Medizinstudiums unter der jüdischen Jugend wird manchen Leuten weniger dringlich erscheinen. Zweitellos bedeutet die unterschiedslose Abweisung einiger Länder eine große Härte gegen die wirklich besonders für dies Fach Begabten. Aber denen konnte man vielleicht, mit Geld und Verbindungen, in anderen Ländern besser helfen, als in dem teuren Palästina, wo brauchbare Unterrichtsstätten erst geschaffen werden müssen, wo Leichenöffnungen infolge politischer und religiöser Verbote nicht gemacht werden können, und wo man daran denken mußte, für Sektionen eventudl gefrorene Chinesenleichen aus dem fernen Osten kommen zu lassen.) Schließlich denkt man auch daran, durch die neuen -Inspture den Bedarf des Landes an Aerzten in der Zukunft zu decken. Fs lohnt nicht, die tausend Gründe aufzuzählen, die dagegen sprechen. Hier sei nur die befremdliche Tatsache erwähnt, daß — wie ich persönlich Gelegenheit hatte, festzustellen — Männern, die an der Gründung so wichtiger palästinensischer Einrichtungen beteiligt sind, von der Anwesenheit einer großen Anzahl gut ausgebildeter Aerzte in Mitteleuropa, die für Palästina in Betracht kommen, nichts bekannt war. Man nahm meine Informationen über diesen Gegenstand erfreut auf. Die Amerikaner würden das Geld geben, wir die .Menschen. Für die philanthropischen Gesinnungen, mit deaen an das Werk herangegangen wird, ist kennzeichnend, daß ein Herr sagte, uns Mitteleuropäern mit der schlechten Valuta werde ja dadurch glänzend geholfen (er meinte tatsächlich, in unserem wirtschaftlichen Fortkommen), und für amerikanische Aerzte, die zu Hause besser bezahlt wärden, käme Palästina doch kaum in Betracht!