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Der jüdische Student · 1922-10-01 · Heft 8 (Oktober 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 8 (Oktober 1922)
Date
1922-10-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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-nn i* -* KJV. und Sanitätswesen in Palästina 2o9 Während des Krieges sorgte die Hadassa, eine halb militärisch organisierte Vereinigung, die von amerikanischen Judknu;: ..^gründet war. in anerkennenswerter und musterhafter Weise für die sanitären Interessen des Landes und seiner Bevölkerung. Und es war weiterhin sehr gut, daß sij diese- Füisorge auch auf die schweren Zeiten der Nachkriegsperiode ausdehnte. Man stellte palästinensische Aerzte, denen es z. T. sehr schlecht ging, in den Dienst der Hadassa. Einige übel vermerkte Fehler der Anfangszeit — man bezahlte z. B. amerikanische Aerzte höher, als die nichtamerikanischen — wurden später korrigiert. Die dauernde Zuwanderung neuer Aerzte, die den natürlichen Bedarf des Landes bedeutend überstieg, veranlaßte nun die Hadassa zu einer Rachmones-Politik, die schließlich die ganze Organisation von aktiver Betätigung immer mehr zu pbilanthropischerVersorgnngstätigkeit drängt. Die eingewanderten Aerzte, die sich bei der starken Konkurrenz nicht halten können, werden kurz vor dem Verhungern von der Hadassa an Bord genommen. Sie sind dann wenigstens in ihrem Existenzminimum gesichert; eine Entlassung wäre mit Verhungern oder Auswandern gleichbedeutend und wurde daher bisher mit Rücksicht auch auf die Stimmung der Bevölkerung vermieden. Bei dieser passiven Form, Aerzte einzustellen, begab sich nun die Hadassa eines wichtigen Vorteils: während sonst derjenige, dem — z. B. im geschäftlichen Leben — eine große Menge von Angeboten vorliegt, den geradezu meßbaren Vorsprung der Auswahl des günstigsten hat, mußte er* bei dem Prinzip, in das die Hadassa sich hat drängen lassen, notgedrungen dahin kommen, daß die Tüchtigsten vielfach in freier Praxis ihr Brot verdienen, und daß das Acrztunaterial der Hadassa sich oft gerade aas weniger gut ausgebildeten Leuten rekrutiert. Das geben einem leitende Pers-.n iehkeiten der Hadassa auch achselzuckend zu. Man braucht kein mitleidsloser Rohling zu sein, wenn man dies Prinzip der Auslese der Untüchtigen für unmöglich erklärt. Seit frühester Zeit sind in allen Ländern die jüdischen Aerzte wegen ihres Könnens besonders geschätzt. Warum also nicht auch in Palästina? Wenn geantwortet wird ..Aus Menschlichkeit!4', so wird man einsehen, daß da irgendwo ein Fehler steckt. Melden sich bei der Hadassa gut ausgebildete Aerzte z. B. aus Deutschland, wegen einer Stelle, so bekommen sie eine Absage wegen Ueberbesetzung aller verfügbaren Stellen. Fragt man wegen etwa später neu zu gründender Stellen an, so heißt es, daß „natürlich" erst die Aerzte berücksichtigt werden müßten, die schon im Lande sind und selbst das Risiko der Uebersiedlung auf sich genommen haben. Dieser Grundsatz, so berechtigt, wie er sich zunächst anhört, mag für landwirtschaftliche Hilfsarbeiter Geltung haben und — vielleicht — für Leiterinnen von Kinderküchen. Für Aerzte ist er bestimmt falsch. Ein Arzt muß Praxis treiben oder sich fortbilden können. Eine Wartezeit aber -in Jaffa oder Jerusalem steigert seinen Wert als Arzt bestimmt nicht. Ich kenne eine ganze Anzahl jüngerer Bundesbrüder, die jetzt etwa mit dem Staatsexamen fertig sind und gern nach'Palästina wollen. Würde man unter diesen Leuten jetzt schon geeignete auswählen für spezialärztiiche Stellen, die erst in Jahren zu besetzen sind, so würde diese Zeit in intensiver Ausbildung für die Sache fruchtbar werden. (Die japanische Regierung arbeitet bei ihren Studenten nach einem ähnlichen Prinzip.) Und diese Menschen würden mit ihrem Wissen gute Werte ins Land bringen, die besten, die Mitteleuropa zu vergeben hat. Statt dessen zwingt man sie aus mißverstandener Gerechtigkeit, sich, wenn sie wirklich nach Palästina wollen, um die Pfunde Sterling für die Ueberiahrt zu bemühen, um dann eines Tages als mittelloser Einwanderer an Land zu steigen und das vorhandene Aerzteproletariat um einen Kopf zu vermehren. Ich glaube, daß sich hier Aufgaben zeigen, um durch Aufklärung und durch Fühlungnahme mit den zurzeit leitenden Stellen aufbauende .Arbeit zu leisten.

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