Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 8 (Oktober 1922)
- Date
- 1922-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Ideologie des Blau-Weiß um! des KJV Erleuchtung Klaubte, trat eine Ueberschätzung der Oclehrien ein. Nächst der Chaiiiduth hat der Zionismus, vor allen Berditschewsky, den Am haartz wieder zu Ansehen gebracht. In einfach-menschlicher Haltung und aus (Künden jüdischer Politik bemächtigtve sich der B 1 a u - \V e i ß des ah-neuen Ideals. Agrikultur wurde als Grundlage aller Kultur empfanden, alles Lebens und aller Symbolik. Dem Blau-Weiß entgliti aber in mancb.cn seiner Glieder das Bewußtsein von bloß formhanen Charakter des Am haarez, er wurde zum Wesen: der W e r t begriff Am haartz wurde anwendbar. — Das;KJV. wählte den Umweg über das Kenren] erneu Tidischer Geschichte, jüdischen Lebens und jüdischer Problematik entsprechend der Not der Auseinandersetzung mit der Umwelt und sein ein auf Studierende beschränkten Kreise. Es ist uns bis heute nicht gelungen, auch selten mit dem gehörigen ausschließlichen Ernste versteht worden, das überlieferte jüdische Gut zum Aufbau unserer eigensten Substanz zu verwerten. VI. Der Blau-Weiß hat gründlicher sein Ideal verwirklicht, als der KJV. das seine. Kein Wunder: die Spannung zwischen Sein und Sollen ist geringer, der -Blau-Weiß hat mit nicht so vielen kulturellen und politischen Komplikationen fertig zu werden, der junge Blau-Weiße kann meist unabhängig vom Erwerbsleben unbedenklicher dem Ziele seines Bundes zustreben. — Der Blau-Weiß hat im Gegensatz zum KJV. eine ziemlich scharf umrissene Physiognomie, erleichtert durch ein dem Jüngling eigenes instinktives Bedürfnis nach Gemeinschaft und Nacheinander-Eormen. Aber das Fühlen einer Vielheit als eines überindividudien Organismus wird fraglich mit dem Aufhören des Jünglingsalter*. So hat der Blau-Weiß einen Jünglingstyp, aber keinen vollen Menschen typ. herausgearbeitet. . VII. /bscsehen von personalen und taktischen Gründen kann man wegen der Dargelegten grundsätzlichen Unterschiede der Ansicht sein, eine Verbindung von KJV. und Blau-Weiß könne höchstens zu einer organ i s ator isc h c n Einheit führen. Eine organische Einheit wäre vom Standpunkt des KJV. nur dann möglich, wenn der Blau-Weiß die Haltlosigkeit seiner Ideologie und die Unrichtigkeit großer Teile seiner ErzkhuiBgsmethoden eingesehen habe. »Dabei ist aber nicht bedacht, daß Ks zu Lnem Punkte der Blau-Weiß eine Ideologie haben könnte, die uns r.■.. weniger paßt als die jetzige: die Erziehungsmethode scheint mir für d'.o Ahetrssiufe des Blau-Weiß als die richtige, nur muß sie für reifere Jungen 2Jlmählig in die unsere hinübergeführt werden. Oder aber man silIu von Standpunkt des KJV. Ansprüche an den eigenen Bund: das Kanell habe in der Verwirklichung des jüdischen .Menschen noch KeKs getan: man müsse warten, bis man andere erziehen dürfe. Wenn m:t der üdischeu Leistung etwas anderes gemeint ist. als ein bloß hand- Knesmüßiges Unterwerfen unter die Vorschriften des Schulchan Aruch, u.'iizr keine noch so lange Karrenzzeit. „Heute, wenn ihr auf seine Stimme Ii ort. seid ihr die Herde seiner Hut" — ieder einzelne. Uebrigens gibt es auch im Blau-Weiß Menschen guten Willens in diesen KTl\ji. Gegen die anderen werden wir kämpfen, wie gegen die Lässigen in den eigenen Keinen. In der ersten Zeiten des BJC. war ein Wort Hilles Wahlspruch: „Wenn ich Kcht Kr mich bin. wer ist dann für mich?" Heute möchte ich weiter zitieren: ..Wenn ich nur für mich bin, was bin ich?" Vor allem aber: .A\ e n n zi i c h t jetzt, w a n n d a n n?"