Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 8 (Oktober 1922)
- Date
- 1922-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Einige Gedanken zur neuen Karteilarbeit 259 etwa IS Jahren für den Zionismus entschieden haben, daß es aber falsch sei, das als eine Notwendigkeit zu verkünden und daß diese Entwicklung auch früher vur idch gehen kann. Wir glauben das nicht. Ni^ht dcsha'b, weil wir zufällig in diesem Alter Zionisten wurden, glauben wir, daß au:h die heutige Generatü.n in diesem Alter zur Entscheidung kommen muß, sondern weil die Entwicklung jedes Menschen ihn in diesen Jahren vor die entscheidenden Probleme führt. Es ist jene Zeit, wo dem Menschen nichts festzustehen scheint, wo er an Gott und Welt, an Wahrheit, an Liebe und Freundschaft zu zweifeln beginnt, und wo er mehr oder weniger qualvoll sich zur eigenen Festigkeit durchringen muß. Selbst in einem normalen Volk wird hier für jeden das Problem seiner Bandung zur nationalen Gemeinschaft aktuell werden und im jüdischen Volk, in der deutschen Assimilation, sollte das Jugenderlebnis des Blau-Weiß eine Entscheidung überflüssig machen? Diese Betrachtung kann uns vielerlei für unsere eigene Arbeit lehren. Unsere Corporationen bestehen aus Menschen, die in jenem Uebergangsalter zwischen Jüngling und Mann stehen. Es ist eine Zeitj in der mau einen Baad nicht einseitig auf den instinktiven Grundlagen der Jugendgemeinsehair, aber auch nicht auf den rein sachlichen Grundlagen des erwachsenen Mannes basieren kann. Jeder, der mit offenen Augen im KJV. gelebt hat, weiß, wie stark jene triebmäßigen Bindungen bei uns existieren und existieren müssen, und er weiß auch, daß das CharaKtci istische unseres Lebens in der zionistisch-sachlich fundierten Gemeinschaft liegt. 'Je älter unsere Menschen sind, um so mehr wachsen sie naturgemäß in das politisch-zionistische Leben hinein, um so weniger ist. es für sie möglich, in Bünden allein die Erfüllung ihres Lebens zu finden. Der Mann aber, der sich zur Klarheit und Sicherheit durchgerungen hat, wird am stärksten erkennen, was ihm die Jugendgemeinschaft an Unverlierbarem gegeben hat. Deshalb wissen wir, daß unsere besten Alten Herren, auch wenn sie jahrelang vom KJV. fern leben müssen, unverlierbar zu ihm stehen. Wir wissen, daß sie immer wieder Schwung und Kraft aus der Berührung mit der Gemeinschaft erhalten, in der sie einst geformt wurden. Für unsere beginnende Jugendarbeit aber gilt es, einen Fehler zu vermeide:1, den. Fehler nämlich, daß man Menschen ständig in einem Eiitwicklungsstad'tim zurückhalten will, das sie überwunden haben. Wir müssen die Formen schaffen, die es gestatten, den 16.ährigen lüngling langsam von der Jugendgemeinschaft zur männlichen Gemeinschaft hinüberzuführen, langsam das auf Instinkt erbaute Gebäude ihres Zionismus auf neue Grundlagen zu stellen, auf die sachliche Entscheidung des Mannes, der sich für das Volk und das Land aus Erkenntnis und Willen entscheidet. 4. Zur Erziehung in unserer Jugendarbeit. Man glaubt im Blau-Weiß, daß der Stoff, mit dem und an dem man junge Menschen bildet, nicht entscheidend sei. Daran ist ohne Zweifel etwas richtige^, und richtig ist. daß es Aufgabe des Erziehers'sein muß, alle Kräfte jedes Einzelnen zur Entfaltung zu bringen. ^Aber wir dürfen nicht vergessen, daß der Jüngling, ja daß der Knabe, auf den wir wirken, einst .Mann werden soll. Wir haben ihm alle die Kenntnisse und Stoffe zu übermitteln, durch die sein Zionismus sachlich fundiert wird. Jüdische Stoffe haben früher im Blau-Weiß auf Heimabenden eine große Rolle gespielt. Es war die Zeit, wo Elias Auerbach, wo Calvary, wo Glaser sich nicht ohne Erfolg mühten, unsere Geschichte und unsere Vergangenheit lebendig zu gestalren. Es ist keine erfreuliche -Erscheinung, daß man von - diesen Dingen erheblich abgekommen ist, daß man der Stoffrage kerne Bedeutung beimißt, oder wie man beinahe richtiger sagen könnte, daß man jüdische Stoffe kaum noch übermittelt und sich um sie nicht müht. Die Führerzeltun-A des BV.u-Weiß hat aus allen Gebieten menschrchen Lebens Stoffe für d e Erziehung fruchtbar zu machen gesucht, und wir