Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 7 (August 1922)
- Date
- 1922-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Ideologie des Blau-Weiß und des K.J.V. 245 ten darauf hinzuweisen, daß die Heranziehung junger und jüngster Menschen zu den von d'em Blau-Weiß eingeleiteten Geschäftsunternehimungen auf eine Förderung jenes Händlertums hinauskommt, das wir bisher zu überwinden suchten, und das wirklich im jüdischen Volk zu tief verankert ist, als daß wir eiin Interesse an seiner (Förderung hätten. Aber wir versagen uns das in der Hoffnung, in der Diskussion noch einmal darauf zurückkommen, zu können. 'Dagegen halten wir eis für notwendig, auf unsere Auffassung vom Verhältnis des Bl'au-Weilß zum K.J.V. zu sprechen zu kommen. Der Blau-Weiß ist ein Kind des K.JV.., von K.J.V.ern gegründet und bis zutm heutigen Tage von KJ.V.ern gerührt. Die Beziehungen beider Bünde sind seit längerer Zeit Reibungen ausgesetzt, die darauf beruhten, daß der Blau-Weiß Kräfte absorbierte, ohne daß das K.J.V. umgekehrt auf einen Zuwachs aus dem Blau-Weiß rechnen konn.te. Die Stagnation des K.J.V. in den ersten Jahren nach dem Kriege ist zu einem 'sehr großen Teil auf das Blau-Weiß-Pro'blein innerhalb des K.J.V. zurückzuführen. Bis jetzt -hat ein Zustand angedauert, durch den zahlreiche junge K.J.V.er so völlig in der Blan-Weiß-Arbeit standen, daß ihre K.J.V.-Zugehörigkeit nur noch formell war. Das konnte, wenn überhaupt, so lange gebilligt werden, als das K.J.V. von dem Gedanken getragen war, daß die Mitarbeit im Blau-Weiß zionistische Arbeit in demselben Sinne bedeutet, wie zionistische Arbeit im K.J.V. Heute ist es unmögiieh geworden. Je stärker im konsolidierten K.J.V. der alte Bundesgedanke erwacht, der älter ist als der Blau-Weiß, mm so weniger kann das K.J.V. Menschen ertragen, die keine aktiven K.J.V.er sind, um so weniger kann es eine Doppelmitgliedschaft vertragen, weron beide Verbände einander ausschließende Erziehungssysteme anwenden. Diese starken inneren Gründe werden ergänzt durch formale. Der dem Blau-Weiß geleistete Treuschwur ist für den K.J.V.er nur dann erträglich, wenn man davon überzeugt ist, daß die Richtung, diie die Bundesleitung verfolgt, mit der vom K.J.V. verfolgten identisch ist: das ist nicht der Fall. Endlich hat Euer Gesetz der Bundesleitung die Möglichkeit gegelben, in jedem Augenblick die Zugehörigkeit zum K.J.Y, zu verbieten. Damit ist der Typ des K.J.V.ers auf Kündigung geschaffen worden, den das K.J.V. nicht ertragen kann. Alle diese Dinge haben uns dazu geführt, eiinen Zustand oifen festzustellen, der speziell vom Berliner Blau-Weiß seit Wochen vertreten wird, festzustellen nämlich, daß aktive Blau-Weiß-Tätigkeit mit der Zugehörigkeit zum K.J.V. nicht vereinbar erscheint. Wir sehen in diesem Beschluß keine Kriegserklärung, aber eine .auf innerer Wahrhaftigkeit beruhende Klärung der Verhältnisse. Wir glauben die Stoßkraft im K.J.V. zu stärken, wenn wir in Zukunft nur noch Menschen umfassen, die in ihrem ganzen Bewußtsein K.J.V.er sind. Mit herzlichem Zionsgruß! Das Präsidium des K.J.V. Zur Ideologie des Blau-Weiß und des K.J.V. Von Hermann Max Weil,, Gailingen (V.J.St. Ivria-Frei-burg, A.H.). Grenzpfähle stecktest du, um ein Gebiet zu messen, Dodh daß du sie nur steckst, das sollst du nie vergessen. Der grade Gegensatz setzt grad' die Wahrheit schief. Weil stets in Wahrheit eins ins andre sich verlief. Rückeft. I. Das Erlebnis, aus dem heraus die westjüdische nationale Jugendbewegung sich gestaltete, ist erleuchtendes Bewußtwerden der Wirklichkeiten Jugend, Volkstum, Persönlichkeit. Das Erlebnis Jugend ist Erleben in persönlichem Sein und in außerpersönlichem Sollen. Im Sein: Gesundheit, Schönheit und Gewandtheit