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Der jüdische Student · 1922-08-01 · Heft 7 (August 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 7 (August 1922)
Date
1922-08-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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244 Onerier Brief Die Entwicklung des deutschen Zionismus der letzten Jahre ist durch sine zunehmende Ueberwindung der Assimilation und Wiedergewinnung jüdischer Kulturgüter charakterisiert. Die hebräische (Bewegung hat zweifellos Fortschritte zu verzeichnen,, der Einfluß der geistigen Strömungen in der deutschen Umwelt auf die zionistische Theorie ist weit geringer als vor dem Kriege, was sücher nicht ohne Zusammenhang mit Krieg und Revolution geschehen ist. Im Blau-Weiß dagegen empfinden war mit Unruhe, daß die vorübergehend starke Neigung, sich durch jüdische Inhalte zu bereichern, wieder nachläßt und dafür Tendenzen sich geltend machen, von denen man nicht verkennen kann, daß sie ihren Ursprung nicht jüdischen, sondern deutschen Bewegungen verdanken. Das scheint uns von dem Ordensgedanken, in gewissem Sinne sogar auch von dem Siedlungsgeaanken zu gelten. Ist es ein Zufall, daß im Blau-Weiß diese Dinge in einem Augenblick zur Reife gelangen, wo das ganze deutsche Leben von Organisationen erfüllt ist die in einer gewissen (Romantik ihren Oberen 'unbedingte Treue geloben, sich für das ganze Leiben verpflichten un-d ihr Tun mit einem gewissen Geheimnis umgeben? Es ist oft zurückgewiesen worden, wenn man dem Blau-Weiß vorwarf, daß er sich ausschließlich mit nichtjüdischem K:,:turarroit ^eschüüigte. ö=ber es ist doch charackteristisch, daß der angekündigte Versuch, sich in einem Heft der Führerzeitung mit jü<!' ,ierr, Kulturgut zu beschäftigen, unterblieben ist. daß die Zeit, wo Erich Buehhoiz in Blau-Weiß hebräischen Humanismus zu treiben begann, vorüber ist. Nicht in dem Singen deutscher Land'knechtslieder an sich scheint uns ein Beweis dieser überragenden nichtjüdischen Einflüsse zu liegen, wohl aber in der Tatsache, daß Ihr allein diese Lieder als echt und Eurer Stimmung kongenial empfindet, hebräische Lieder aber für etwas Stimmungsfremdes und Unechtes haltet. Das alles führt notwendigerweise zu jener Volksfremdheit, zu jener Blau-Weiß-Selbstg-enügsamkeit, die wir heute empfinden. Das ist es auch, was uns gegenüber der Ordensidee so bedenklich macht. Es ist richtig, daß ihr nicht exklusiv seid, aber Eure Versuche, über den Blau-Weiß hinaus zu wirken, bestehen bewußt nur darin. Menschen :n Euren Rahmen hineinzuziehen. Das K.J.V. erscheint Euch nicht als eine Stätte, in der wertvolle zionistische Arbeit zu feisten ist sondern nur als ein Reservoir, aus dem Kräfte in den Blau-Weiß strömen können und für Eure Mitarbeit in der Zionistischen Organisation ist es charakteristisch, daß Ihr -nicht mehr wie früher die starke Teilnahme der Blau-Weißen am Leben der Z.V.f.D. in Aussicht stellt, sondern den Eintritt führender Männer -der Z.V.f.D. In den Bund der Aelteiren propagiert und offenbar von der Voraussetzung ausgeht, daß nur im Blau-Weiß zionistisch gearbeitet werden kann. Und Ihr beschränkt das nicht auf Deutschland. In Gesprächen mit Blau-Weißen kann man die Bemerkung hören:_ „Der ist auch nach Palästina gegangen, ist dort in einer Kwuzah und für den Blau-Wieiß verloren.' Als ob es nicht Aufgabe des BLau-Weiß wäre, 'Menschen für Palästina zu gelben, die dann dort jeder an seiner Stelle, dem Blau-Weiß Ehre machen. Ihr findet das nicht, gründet den Ordien auf Lebenszeit und bewirkt, d'aß der Blau-Weiße überhaupt nur noch in einer Umgebung zu atmen und zu leben vermag, in der er sich von anderen iBlau-Wei!ße,n getragen fühlt. Vom Eintritt in den ßl'au-Weiß bis zu ihrem Tode sollten Eure Menschen stets in diesem Kreis stehen, sollen in ihm leben, sei es in Deutschland oder Palästina und in (ihm die Befriedigung aller Lebensbedürfnisse empfinden, die gerade befm älteren Menschen1 um so mannigfaltiger sind. So entsteht ein Orden, dessen Exklusivität zur Fremdheit gegenüber allem führt, was nöcht Blau-Wei'ß heißt, ein Orden zugleich, 'der seine Mitglieder mit der gefährlich/en Ueberhebung erfüllt als stehe bei ihnen die Verwirklichung des Zionismus. Wir haben im vorstehenden,, lebe Freunde, einige von den Besorgnissen angeführt und begründet, die uns heute 'bewegen und unsere Stellung zum Bla-u-Weiß veranlassen. Wir hätten dem viel hinzuzufügen, hät-

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