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Der jüdische Student · 1922-08-01 · Heft 7 (August 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 7 (August 1922)
Date
1922-08-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Offener Brief 243 Dieses eine von uns etwas ausführlicher behandelte Beispiel lehrt am eindeutigsten, worin wir Eure -Fremdheit gegenüber der zionistischen Idee sehen. Es ist uns bekannt, daß Walter Moses von der Notwendigkeit des Keren fiajessod nicht überzeugt ist, daß er im Gegenteil von einem Gelingen des Keren Hajessod einen chajükkaähnlichen Zustand in Palästina befürchtet. Wenn JBure Beschlüsse von einer ähnlichen Motivierung getragen sein sollten, wie dies für Walter Moses persönlich sicher zutrifft, so hat der Blau-Weiß damit begonnen, eine zionistische Politik zu treiben, die man nicht mehr opoositionell nennen kann, sondern von der man nur sagen kann, -daß sie sich außerhalb der zionistischen Bewegung stellt. Wrir freilich sind davon überzeugt, daß 'Ihr Euch Walter Moses' Gedankengänge nicht zu eigen gemacht habt, daß Ihr vielmehr sie zum Teil nicht einmal kennt. Damit a<ber zeigt Euer Verhalten einen bedenklichen Mangel an zionitischer Vorbildung und 'beweist, wie vollkommen kritiklos man bei Euch innerzionistischen Fragen gegenübersteht. Wir können nicht verkennen, daß diese Verstandnislosigkeit :ine notwendige Folge /Burer erzieherischen. Grundsätze ist. Wir wollen nicht davon sprechen, daß das Ideal des heldischen Führers völlig unjüdisch erscheint, daß die Gegenüberstellung von stark und schwach, nicht von gut und böse uns eine bedenkliche Erziehiingsmaxime scheint: Was wir betonen wollen, ist nur, daß diesem Ideal des heldischen Führers, das doch nur von wenigen erreicht werden kann, offenbar der blmd gehorchende Soldat als notwendiges Korrelat gegenübersteht. Wir aber glauben, daß der Aufbau Palästinas Menschen erfordert, deren Wille so stark, deren Sei?': s t v e r a n t w o rtung so groß und deren Kenntnisse so ausreichend sind, daß sie zu eigenen WÜllensentscheidungen imstande sind. Wir halten es für 'besonders wichtig, daß Organisation und Idee nicht auf jinzelr.en Manschen beruhen. Eine Frage wie die der Finanzierung des Blau-Weiß- Planes könnte wicht mit so selbstverständlicher Einstimmigkeit beantwortet werden, wenn im Blau-Weiß dieser Gedanke von der eigenen Verantwortung stärker empfunden werden würde. Aber es erscheint uns auch doppelt bedenklich, daß dieses Ideal des Helden, das vor den Jungen vertreten wird, bezeichnend dafür ist. wie man alle menschlichen Werte innerhalb des Blau-Weiß zu f'nden glaubt, wie man es verschmäht, dem jüdischen Leben Kräfte zu entnehmen, um sich dadurch stärker mit diesem Leben zu verbinden. Es scheint, daß, neben Gestalten der jüdischen Vergangenheit, Theodor Herzi und die Bilu Mensohentypen darstellen könnten, die geeignet sind, mit Begeisterung zu erfüllen und zur Nachahmung aufzufordern. Dieses lEntferntsein von der Zionistischen Organisation, den sie bewegenden Strömungen und den sie führenden Menschen, erscheint uns um' so "bedenklicher, als der Blau-Weiß seine Menschen auch geda.nkl.ich micht mit dem ganzen Komplex des Zionismus bekannt macht. Für den deutschen Juden, der mit wenigen jüdischen Inhalten ausgestattet, fern vom jüdischen Volke und ohne Kenntnis jüdischer Kultur in deutscher Umiwelt aufwächst, wird der Zionismus ri'unrate das selbstverständliche Produkt des Lebens in einem Kreise anderer deutscher .luden sein können. Wohl ist es möglich, daß junge Menchen in derjenigen Altersstufe, wo keine bewußte Willensentscheidung getroffen zu werden pflegt, sondern wo der Mensch in begeisterter Hingabe an Stimmungen oder an Führerpersönlichkeiten leicht -beeinflußbar ist. einige Jahre in einer zionistischen Stimmung leben. Dann aber kommt ein Augenblick, wo das nicht mehr ausreicht, wo auch diese Menschen sich vor dem Problem der ganzen Judonfrage gestellt sehen, wo sie die Stärke ihrer Verbundenheit mit diesen beiden Gemeinschaften zu ergründen trachten und wo sie das Bedürfnis spüren, die jüdische Frage in ihrer Totalität zu überschauen, sie wirklich zu studieren und dann eine verstandesgemäß fundierte Willenentscheidung zu treffen, die sie fähig macht, als selbstverantwortliche jüdische Persönlichkeit ihren Weg auch d;a zu gehen, wo sie nicht in einer gleichfühlenden Gemeinschaft eine ständige moralische Stütze finden.

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