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Der jüdische Student · 1922-08-01 · Heft 7 (August 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 7 (August 1922)
Date
1922-08-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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242 Wir glauben, daß es eine autonome Jugendbewegung bei uns nicht geben kann. Was die Jugendbewegungen anderer Völker miteinander gemeinsam haben, ist die Ablehnung der Lebensführung der älteren Generation und der Wille, in eigener Gemeinschaft ein auf anderer, idealistischer i-rundlage errichtetes Löben führen. In diesem Sinne ist der Zionismus die Jugendbewegung des jüdischen Volkes, die Auflehnung aller innerlich jungen Menschen gegen die in Materialismus und Assimilation verfallene jüdische Umwelt. Das ist uns zionistische Idee. Die Zionistische Organisation ist das Mittel zur Verwirklichung der zionistischen Idee. Eine Jugend innerhalb dieser zionistischen Bewegung kann deshalb nur eine Aufgabe -haben, nämlich die Reinheit dieser .Idee zu hüten und dafür zu sorgen, daß diese Idee nicht durch (Kompromisse entweiht wird, wenn es sich darum handelt, sie in die Wirklichkeit umzusetzen. Daraus folgt, daß einzionistische -Jugend nur in unmittelbarer Fühlung mit der Zionistischen Organisation als der Trägerin der ildee leben kann. Sie mag zu den fuhrern der Bewegung, zur augenblicklichen Form der Organisation in schärfstem Gegensatze stehen, a«ber sie kann nicht gleichgültig und abgewandt neben ihr stehen. War können uns des Eindrucks nicht erwehren, daß der Blau-Weiß dies heute vergessen hat, daß er den Zusammenhang mit der großen Zionistischen Organisation zu verlieren droht und die Neigung zeigt, den gesamten Blau-Weiß auf eiiner ausschließlichen Blau- Weiß-Idee zu fundieren. Das scheint sich für uns mit Eindeutigkeit in der Frage zu zeigen, wie der Blau-Weiß die zur Gründung der Blau-Weiß-Kolonie notwendige« Mittel aufzubringen gedenkt. Von diesen Mitteln besteht das eine darin, daß der dem Keren Hajessod gehörende Maasser dem Blau-Weiß gegeben werden soll, während das andere die Aufbringung von Geldmitteln durch Umsatzprovisionen eine neue Form'der Geldbeschaffung darstellt, die praktisch bisher nicht erprobt worden ist. Wir stehen der Frage ihrer Realisierbarkeit mit großen Bedenken gegenüber. Aber was uns das Entscheidende scheint, ist die Tatsache, d.aß hier der Blau-Weiß unibekümmert um die Zionistische Organisation und die von ihr verfolgten Finanz- und Kolonisationsmaßnahmen offenbar nur daran denkt, wie man die Blau-Weiß- Siedlung schaffen kann. Die Durchführung Eurer Finanz<beschlüsse bedeutet natürlich, daß kein Blau-Weißer mehr imstande ist, allgemein zionistischen Zwecken. irgend welche Mittel zuzuführen. Ohne Zweifel gilt das vom Keren Hajessod. Aber die Folge der Sparkasse, zumal einer Zwangssparkasse, wird ja auch sein, daß ein Blau-Weißer keine Zionistenste::er bezahlen wird. Da nun nicht einzusehen ist, wodurch eine Bevorzugung des Blau- Weiß vom allgemein-zionistischen Standpunkt aus »berechtigt sein soll, müßte man aus Eurem Vorgehen das Recht jeder zionistischen Gruppe ableiten, auf ihrem individuellen Wege Geld aufzubringen und in Palästina zu verwenden. Würde z. B. das K.J.V. seine Bundesbrüder dazu veranlassen, diie Beiträge, die sie für Keren Ha'jessod, Zionistensteuer, N. F. und andere Zwecke geben, ausschließlich dem QK.J.V. abzuführen, so würde das K.J.V. ohne besondere Kraftanstrengung über recht bedeutende Mittel für eine palästinensische Unternehmung verfügen. Das Ergebnis ist die völlige Anarchie, um nicht zu sagen, dasj Aufhören der Zionistischen Organisation, als der zentralen Aufbauinstanz des jüdischen Palästina. Würde der Blau-Weiß gleich anderen zionistischen Gruppen von der Bedeutung des Keren Hajessod durchdrungen sein, so würde er in der Form vorgegangen sein wie Leo Kaufmann und seine Freunde, die das Angebot machten, mit «ihren Kräften eine Aktion für den Keren (Hajessod durchzuführen, die ihrem (Kolonisationsplan zugute kommen soll. Der Blau- Weiß .sollte seine Armee dem Keren 'Hajessod zur Verfügung stellen, ei sollte mit allen Kräften diese Keren Hajessod-Aktion führen und dann vielleicht beanspruchen, d'aß bei der Verwendung der Keren Hajessod- Gelder die Bliau-Weiß-Kolonie berücksichtigt wird, wenn es soweit ist.

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