Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 7 (August 1922)
- Date
- 1922-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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240 Bericht über die Sitzung des Präsidiums am 29. August 1922 i Das Präsidium 'hat sich an einer vertraulichen Sitzung am 29. August mit den Aufgaben »beschäftigt, die das K.J.V. nach der neuen Wendung der Ding? im Blau-Weiß zu ubernehmen hat. Die Sitzung war dadurch vorbereitet, das den Mitgliedern des Präsidiums von Fritz Löwenstein, Bruno Perl und Leo Rosenblüth ein eingehendes 'Expose mit Anlagen vorgelegt wurde, das die Grundlage für die 'Diskussion bildete. Da die Beschlüsse des Präsidiums für die weitere Arbeit des K.J.V. neue Wege weisen, und sie nicht nur die Diskussion, sondern vor allem die praktische Arbeit in hobem Maße 'beeinflussen werden, geben wir zunächst einen Bericht über die Beschlüsse und ihre Motivierung in der Sitzung. Unsere Informationen über den Blau-Weiß-Bundestag beruhen außer auf dem eingehenden und von zahlreichen auf dem Bundestag anwesenden Bundesbrüdern für objektiv erklärten, einem großen Teil des (Kartells bereits zugesandten und hier noch einmal veröffentlichten Bericht von Marcel Lew. auf einer großen Anzahl von Briefen von Bundestags-Teilnehmern, auf zahlreichen Unterhaltungen, insbesondere auch auf solchen mit Walter Moses, so daß wir glauben, über die im Blau-Weiß herrschende Tendenz heute mit völliger Klarheit urteilen zu können. In der Tat zeigte sich, daß in der Beurteilung der heute im Blau-Weiß bestehenden Richtung keinerlei Meinungsverschiedenheiten .inner-halb des Präsidiums zu verzeichnen waren. Wir verkennen nicht, daß ein großer Teil des Blau- Weiß heute von einer starken innerlichen Stimmung getragen ist, und insbesondere der Berliner und Breslauer Bund in dieser Beziehung vorbildlich genannt werden könnte. Die Erziehung aber, die heute im Blau-Weiß geleistet wird und die Richtung, die den im Blau-Weiß vorhandenen Kräften gegeben wird, muß von uns absolut abgelehnt werden. Ueber unsere Argumentation unterrichtet der hier gleichfalls aibged ruckte „Offene Brief" an den Blau-Weiß. Das K.J.V. hat seinerzeit den Blau-Weiß ins Leben gerufen und hat ihm die besten Kräfte zur Verfügung gestellt. Das war bei uns so lange möglich, als wir zur zionistischen Entwicklung im Blau-Weiß volles Vertrauen haben konnten und von der Voraussetzung ausgingen, daß die im Blau-Weiß organisierte Jugend dort vielleicht auf einem anderen Wege, aber zu demselben Ziele erzogen wird. Ausgangspunkt der Auffassung in der Präsidiumssitzung war der Gedanke, daß das heute nicht mehr der Fall ist, und es demnach Sache des K.J.V. ist, die Schalhing einer zionistischen Jugendbewegung wieder in die Hand zu nehm. Hierfür kommen zwei Wege in Betracht. Der eine besteht in der Beeinflussung des Blau-Weiß durch uns, der andere in der Schaffung einer vom Blau-Weiß unabhängigen Jugendbewegung. Das Präsidium hat entsprechend den ihm vorgelegten Vorschlägen beschlossen, -beide Wege zu beschreiten. Abgesehen von der von der Z.V.f.D. angesetzten Vorbesprechung über Jugendarbeit in Cassel, die eine Gelegenheit zur Ausspräche mit Walter Moses und etwaigen anderen Blau-Weißen geben wird, hahe*i wir beschlossen, an den Blau-Weiß einen offen Brief zu richten mit dem Verlangen, daß er in der Führerzeitung zum Abdruck gelangt und so -Grundlage einer Aussprache bildet. Das Präsidium weist auch auf die Notwendigkeit hin, an allen Orten in Einzelbesprechungen mit den Blau- Weißen unseren Standpunkt zu vertreten. Wir gehen jedoch von der Voraussetzung aus, daß diese Wege nur beschränkten Erfolg haben werden und uns jedenfalls nicht von der Verpflichtung entbinden, auch den anderen in Betracht kommenden Weg zu beschreiten, der in der Schaffung einer neuen zionistischen Jugendbewegung liegt. Bei der Schaffung einer derartigen neuen Jugendbewegung ist davon auszugehen, daß wir es vermeiden müssen, wiederum wertvolle Menschen