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Der jüdische Student · 1922-08-01 · Heft 7 (August 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 7 (August 1922)
Date
1922-08-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Bericht über den Bundestag des Blau-Weiß 239 klärung ab, daß de_r .Frankfurter Bund sich hinter die Bundesle'itung stelle. Auf -ine Antrage erklärte dann Hans Kaufmann, daß die Frage der Individualität folgende Lösung finde: es handle sich nicht darum, individuelle Kräfte und Ueiberzeugungen zu unterdrücken, sondern hier sef es der große Gedanke des Bundes, die Ueberzeugung der Bundesleitung, die größer sei als die des Einzelnen und der sich die Einzelnen infolgedessen unterzuordnen hätten. Martin Bandmann sprach dann noch einmal über Orden und Armes und legte dar, d;aß der Orden das Erstrebenswerte sei und daß man versuchen müsse, zu dieser großen Einheitlichkeit In Anschauung, Gedanken und Einstellung zu kommen. Sei dies erreicht, so sei die Zeit da, wo man zu einer einheitlichen Kleidung, zu e ner Art Uniform gelangen könne. Heute seien wir noch nicht so weit, -Infolgedessen können wir diese Forderungen noch nicht durchsetzen, aber vielleicht kann man darüber sprechen, ob es nicht richtig wäre die Kluft als ..unsere Kleidung" zu betrachten, als unsere Kleidung, die wir auch wochentags benutzen. Die Kluft ist hier nicht mehr Sportanzug, sondern Ausdruck unserer Verschiedenheit und Differenzierung der Welt gegenüber. In diesem Zusammenhang kam er' auf den Unterschied zwischen dem Wesen des KJV. und dem Wesen des Blau-Weiß zu sprechen. Das KJV. mußte deshalb versagen, weil es nicht auf bestimmte Jugenderlelmsse des Menschen basiert sei; im Blau-Weiß ist das a'ber der Fall, und das ist der Ausdruck unserer Stärke. Friedl R o s e n b 1a 11 erklärte dann im Namen eines großen Teils der Praktikanten ihren Austritt aus dem Blau-Weiß. Hierzu nahm dann Walter Moses Stellung. Er schalt sie verantwortungslos und leichtsinnig, „Leutchen in der Ecke dahinten", die nie im Blau-Weiß gestanden hätten und die nicht wüßten, um was es sich letzten Endes drein. Die Jugend ist dämonische Gewalt, und diese dämonische Gewalt muß man nutzen und iene Leute, die aus irgendwelchen Motiven austreten, verkennen dies, und so bitter man es empfinden muß, daß Lei te austreten, ebenso freudig muß man es begrüßen, daß diese Leute ihren Austritt erklären. Hierauf hatte sich Karl Stein zum Wort gemeldet, um den Austritt des Fuldaer Bundes zu verkünden. Ihm wurde aber das Wort genommen, man ließ ihn gar nicht erst zu Worte kommen mit der Begründung. Leute, die austreten (er hatte zur Prakt•kantengruDDe gehört), hätten nicht das Recht, sich noch irgendwie zu beteiligen und die Verhandlungen zu stören. Daraufhin erklärten die meisten Bünde ihre Zustimmung und verpflichteten sich durch Handschlag Walter Moses ge^enü-er. Tre e dem Bunde zu leisten und der Bundesleitung Gefolgschaft zu gewähren. Nach diesem Schwur sangen alle, und hiermit war der eigentliche Bundestag beendet. Unmittelbar nach dieser Sitzung — es war schon snät am ^bend fand eine Zusammenkunft der Leute statt, die aus dem Bunde 'ihren Austritt erklärten. Man kam überein, am nächsten Morgen noch einmal in größerem Kreis zusammenzukommen, um alle aktuellen Fragen zu besprechen. Auf dieser Zusammenkunft am Mittwoch vormittag wurde festgestellt, daß ungefähr 150 Jnngens aus dem Bunde austreten (in der Zwischenzeit sind noch eine Anzahl weiterer Austritte bekannt geworden, ebenso sind sehr viele Mädchenbünde aus dem Blau-Weiß ausgetreten). Man wählte eine Art Aktionskomitee, in das Walter G r ü n b e r g e r für die Praktikanten, Marcel Lew für Frankfurt, Fulda usw. und Erich Glückauf für die rheindsch-westfäMsdhenj Bünde eintraten. Man war sich klar über die ungeheure Verantwortung, die auf diesem Aktionskomitee liegt, da es gilt, den ferneren Weg nie tot nur für Einzelne, sondern für ganze Bünde zu finden. Man wird zunächst zwei 'Rundschreiben ausarbeiten, die sich, mit der gegenwärtigen Lage befassen und die versuchen sollen, eine Klärung in die augenblickliche Situation hineinzubringen Man soll ferner mit der Z. V. f. D. verhandeln und evtl. mit anderen zionistischen Organisationen Beziehungen anknüpfen. — Das ist die augenblicklic'he Konstellation.

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