Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 7 (August 1922)
- Date
- 1922-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Bericht über den Bundestag des Blau-Weiß Walter Moses. Man ist dort ganz allgemein der Ansicht, daß Walter iM o s e s nach Palästina gefahren' 'ist, nicht um das Land) einfach kennen olvl lernen, sondern um Tatsachen für seine Pläne zu finden. Das zeigt sich ganz deutlich an* der Art seiner Reise. Er kam u. a., so erzählte Leo Kaufmann, auch n'ach Chefzibah, sprach dort im Zelt mit einem Ein- •z-elnen ungefähr eine Stunde, war dann ©ine halbe Stunde bei der Mittagsmahlzeit und verließ dann Chefzibah, ohne doch letzten Endes zu wissen, wie die Arbeit au: dem Feld vor sich geht, wie das Leben ist, ohne auf dem Felde selbst gewesen zu sein, ohne selbst das Leben der Kwuzah mitgemacht zu haben. Aehnlich verfuhr er 'in Oaganjah, dann sprach er in Berlin über Chefzibah und Daganjah in einem sehr kritischen Sinne. Leo /Kaufmann erzählte, daß solchen Leute gegenüber sich der Jischuw sehr höflich verhält, daß alber alles .irgend Sehenswerte sich vor ihnen verschließt. So hat Walter Moses, behauptet L. K., in Wirklichkeit nur sehr wenig gesehen. "Die Führersitzung, die vormittags für 11 Uhr anberaumt war, wurde auf 4 Uhr nachmittags verschoben. In der Zwischenzeit schwärmten Mitglieder der Blau-Po und Bu-Po (Bundespolizei) aus, um mit den einzelnen Bünden sich zu unterhalten und sie von der Notwendigkeit des neuei* Weges zu überzeugen. Um 4 Uhr begann dann die Sitzung. Das Ha-upreferat hatte Georg Strauß, ein Berliner Führer und Mitglied der Bundesleitung. Er ging von der Stimmung des Bundestages aus, von den vorangegangenen Diskussionen und Verhandlungen und kam in diesem Zusammenhang auf die Rede von Marcel L e w zu sprechen Marcel Lew sei der Typ für jene Mensc'hen, die oberflächlich gerichtet, nie d^s Lehen selbst »bis in ihre feinsten Fasern zu erfassen vermögen, fcj sei einer jener Leute., die infolgedessen sehr starr seien und in dem Augenblick, wo sich etwas Neues, sehr Lebendiges ihnen biete, versagen, da sie nur gewohnt seien, durch die Brille ihrer Beamtenelgenschaften d"e gewohnten Dinge zu betrachten. Es sei ihnen unmöglich, etwas Ungewohntes und Großes vollauf zu würdigen. Er kam dann auf den »Gedanken des Bundes zu sprechen. Der Bund ist jetzt in dem Stadium, wa er fähig ist, sich Gesetze zu geben, Gesetze, die der Ausdruck einer bestimmten Form sind. Wir sind jetzt so weit, daß wir eine Form benötigen, die uns und unser Le-beni bis an unser Lebensende bindet. Wir sind eine Armee, die sich bedingungslos zur Verfügung ihrer Führer zu halten hat, die s.ch ganz und vollkommen auf diesen großen Gedanken des Bundes stützen muß. Das ist der Sinn der Gesetze. Daraufhin folgte ihre Verlesung. Den eigentlichen Gesetzen voran geht eine Preambel, in der die Entwicklung des Bundes charakterisiert und die Notwendigkeit der Gesetze begründet wird. Die Gesetze selbst legen die Formen des Blau-Weiß- Lebens fest. So wird unterschieden zwischen gewöhnlichen Wanderern, verpflichteten Wanderern und Nadelwanderern, Die Verpflichtung ist ein feierlicher Akt, der nur vor dem versammelten Bund1 erfolgen) darf usw. Die Nadelverleihung kann erst nach einjähriger Tätigkeit im Bunde unter ganz bestimmten Voraussetzungen stattfinden. Sie selber mündet ein in einen durch ganz bestimmte Formeln festgelegten Schwur, in ein Treugelöbnis, mit dem man sich dem Bunde vollkommen für sein ganzes Leben verpflichtet. Die Gesetze behandeln ferner Stellung und' Verantwortung der Führer, der Oberführer, die die Leiter der einzelnen Gaue darstellen und schließlich die Stellung zur ßundesleitung. Die Bundesleitung hat diktatorische Gewalt, ihr hat man sich zu fügen und unterzuordnen. Sie kann jederzeit in weitestem Ausmaß über den Einzelnen verfügen und hat das Recht über Zugehörigkeit der Einzelnen zu politischen Gruppierungen, Organisationen und- Verbänden, gleichgültig welcher Art sie auch seien, in verneinendem Sinne zu entscheiden. Die Bundesleitung ist, da sie eine Art Generalstab darstellt, nicht wählbar, sondern rekrutiert sich aus ihren eigenen Reihen. Nach dem Referat von Georg Strauß sprach Martin Bamdm a nn , der noch einmal d!ie Gesetze kommentierte. Nach MartinBa ndm a n n gab F r i t z G o i t e i n im Namen des Frankfurter Bundes die Er-