Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 7 (August 1922)
- Date
- 1922-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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337 Am Abend fand nun diese geschlossene Sitzung statt, die jedoch ergebnislos verlief. L&o iKautmann sprach über sehr persönliche Dinge, sprach über seine Stimmungen und Gefühle für und in Palästina, über die palästinensische Landschaft, über das Verhältnis zwischen Manru und Frau in der sKwuzah usw. Hierüber sprach' er ungefähr anderthalb Stunden». Daraufhin erklärten 'Georg Strauß, Walter Moses und auch Vertreter der Praktikanten, daß sie zu müde seien, um sich derartige Dinge weiter anzuhören; die Sitzung wurde daraufhin geschlossen. Arn nächsten Morgen 6 Uhr in der Frühe fand die Sitzung der Praktikanten statt, in der dann Leo Kaufmann klar und! eindeutig über die Entwicklung Palästinas sprach. Es sei »bemerkt, daß am Abend bei Schluß der Sitzung gegen 10 Uhr offiziell verkündet wurde, daß am nächsten Morgen um 6 Uhr diese Sitzung -stattfinde. Gegen X» 11 Uhr abends verbreiteten Angehörige der Blau-Po. d. h. der blauen Polizei, die als Garde der Bundesleitung für Ordnung und Einhaltung der Vorschriften aiif Jem Bundestag zu sorgen hatten, daß die Sitzung der Praktikanten um 6- Uhr nicht stattfinde, ohne von Praktikantenseite hierzu irgendeinen Auftrag erhalten zu haben. Es ist naturgemäß, daß infolgedessen eine Anzahl' von Praktikanten -auf der Sitzung am Morgen fehlten. lieber den Verlauf der Sitzung ist folgendes zu sagen: Leo Kaufmann ging von der wirtschaftlichen Konstellation in Palästina aus. Es ist das Unglück, daß wir eine einheitlich geschlossene jüdische Wirtschaft in Palästina nicht haben, d. h. daß das jüdische Geld nicht innerhalb der jüdischen Wirtschaft verbleibt. Es ist vielmehr so, daß die Landwirtschaft und jüdische Produktion für den Jischuw nicht ausreichend ist, so daß der jüdische Jischuw gezwungen ist, einen Teil seiner Konsumtion bei den Arabern zu decken. Hieraus ergibt sich, daß die zionistischen und Keren Hajesscd-Gelder nur zum ganz geringen Teil innerhalb des jüdischen Wirtschaftsrayons verbleiben und daß der größte Teil dieser Gelder in arabische Hände fließt. Es ergibt sich also die Aufgabe, diesen jüdischen Wirtschaitskreis zu schließen, damit die jüdischen Gelder innerhalb dieses 'Kreises kursieren und so Jischuw und Aufbauwerk fundiert und' gestärkt werden. Diese Aufgabe bat als erste die G'dud Haawodah erkannt und bereits erfolgreich durchzuführen begonnen. Ihr Bestreben ist, nicht nur die jüdische Produktion, sondern auch den jüdischen Konsum auf jüdische Basis zu stellen. Hierzu sind notwendig in erster Linie jüdische Landarbeiter und Cärtner. Die Erfahrung hat ferner gelehrt, daß der J'L:de für sich nicht einen solchen geschlossenen Wirtschaftskreis darstellen kann wie der deutsche Bauer, sondern c'aß dieser geschlossene Wirtschaftskreis die große Kwuzah, die jüdische Kommune, wie sie der G'dud Haawodah propagiert, darstellt. Der G'dud Haawdoah hat in den Kämpfen der letzten Zeit in dieser Hinsicht den Sieg errungen. Das zeigt sich an den letzten wirtschaftlichen Ereignissen in Palästina. In Emek JisraeL, in der Gegend von Nuris, siedeln gemeinsam der G'dud Haawodah, die Ki/buz ■Schomriah und die Kwuzah Zwi. Sie errichten gemeinsame Zentralwerkstätten, sie haben Tischlerkooperativen üsw., so daß das ganze wirtschaftliche Leben innerhalb ihres Kreises kursiert. Das sind im wesentlichen die Ausführungen von Leo Kaufmann, die C'irekt nie Bezug auf die Pläne von Walter Moses nahmen, die jedoch indirekt ganz klar und eindeutig, wie auch privat ausgesprochen wurde, zeigen, daß der Gedanke der Bla i- Weiß-Kolonie und des Ördens einen Kei'l in die Wirtschaft und das Leben des jüdischen Palästina darstellt. Es gab auf dieser Sitzung eine Anzahl von Praktikanten, die dennoch -auf der Seite vom Walter 'Moses standen. Sie wußten, daß Walter Moses 'in Palästina gewesen sei und daß all seine Pläne sich auf seine palästinensischen Erfahrungen, die er in einer kaum vierteljährlichem Reise gewonnen haben wollte, basieren lind sie fragten daher offen Leo Kaufmann nach der Kompetenz von W a 1 t-e r Mose s. Nur mit Widerwillen gab L e o Kaufmann hierauf Antwort. Er hatte mit Absicht diesen Punkt nicht berührt. Einmal -aber genötigt, erklärte er die Stellung der paläsinensischen Arbeiterschaft zu