Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 7 (August 1922)
- Date
- 1922-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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236 Nach .Hans Kaufmann sprach Benno Cohn aus Breslau. Es sei sehr typisch, so begann er, daß gleich mach der Rede von <W alte r Moses jemand aufgestanden sei, der erst die Schönheit und die Groß 2 unserer Gedanken be/jaht, eine 'Anzahl Veirneigungen vor ihr macht und dann mit ungefähr 17;Abers einsetzt. lEs ist sehr typisch für jene Leute, die nie .einen Gedanken in seiner Größe erfassen können und immer mit ihren Meinen Bedenken und Einwendungen kommen, um diesen Gedanken unmöglich zu machen. 'Das sind Leute, die an Ider Peripherie stehen, die oberflächlich sind urid d'as Leben nicht erfassen können. Er argumentierte auf die Bedenken betreffs der Zionistischen Organisation usw. folgendermaßen: Wenn wir uns mit den Spitzen unld Leitern deir Zionistischen Organisation in Verbindung setzen würden), würden sie sicherlicn nichts dagegen haben. Nach dieser Rede war eine kurze Pause von 10 Minuten. Die Stimmung und Taktik der Bundesleitung sei durch Folgendes skizziert. Kurz nach der Rede von Walter Moses erhoben sich eine Anzahl von Leuten, die im Auftrag der Bundesleitumg und der der Bu.n'desleitung nahestehenden Bünde alles was diie Bundesleitung sagte, bekräftigten. Es war ferner auf dem Bundestag anwesend Leo Ka-ufm an n , der alte Vertreter der Gruppe Chefzibah aus Palästina zum Einlkauf v<on Maschinen nach Deutschland .gekommen war. Alle hatten ursprünglich angenommen, daß Leo Kaufmann auf der eigentlichen Führersitzung ein Referat über die Verhältnisse im Palästina un/dl auf Grund dieses Referates eine eindeutige Stellung zu den Plänen und Gedanken der Bundesleitung nehmen würde. Im stillen hatte jedoch die Bundesleitung vorher mit ihm verhandelt und war zu dem Entschluß gekommen, Leo Kaufmann in einer erweiterten Bundesratssitizung, also In einer Sitzung von ca. 20—30 Mann, statt vor dem Forum der Führersitzung, die die Gesamtheit der Blau-Weiß doch darstellt, sprechen zu lassen. Leo Kaufmann hatte während der Führeirsitzung eine entsprechende Erklärung abgegeben. Nach der Rede von Benno Cohn erhob s'.ch nun W alter Grünber'ger aus Wolfenbüttel als Vertreter eines großen Teils der landwirtschaftlichen Praktikanten und forderte, daß Leo Kaufmann in der Führersitzung selbst sprechen solle, (Hierüber wurde nun nach der Pause verhandelt. Bas Ergebnis dieser sehr heftig geführten Verhandlungen, bei denen sich Walter Moses immer wieder auf den Machtstandpunkt stellte, war doch ein (Kompromiß. Es war das einzige Mal während der ganzen Verhandlungen des Bundestages, wo die Bundes'leilufng nachgaben mußte. Man kam überein, daß ein großer Teil der Praktikanten und Vertreter der einzelnen Bünde mit der Bunde'Sleiiumg zusammen d-as Referat von Leo Kaufmann, das er in diesem Kreis zu halten hatte., besprechen und erörtern solle. Nach dnesen Verhandlungen wurde die Führersitzung -abgebrochen und auf den nächsten Tag verschoben. Martin Bandmann aus Breslau, ein Mitglied der Bundesleitung, begründete dieses Vorgehen d-amit, daß diie Stimmung zu erregt und nicht feierlich, wie einem Bundestag entsprechend, sei und daß die Verhandlungen 'deshalb trotz wichtiger zeitlicher Bedenken auf den nächsten Tag verschoben werden müssen. Zur Klarstellung dar Stimmung sei über diese Verhandlungen zwischen Walter Gr ün'ber ger und der Bundesleitung auf der Führersitzung berichtet, daß, als Walter G r Ii no e r g e r sehr sachlich die Notwendigkeit eines größeren Forums für L e o Kaufmann begründete, Walter Moses ihm sehr heftig entgegnete, man sei auf keiner Versammlung, sondern auf einer Führersitzung des Blau-Weiß, man diskutiere nicht, sondern bespreche Fragen, und Leuten, die ein Forum für ihre iRede suchen, könne man nicht das Recht z-uibilligen, sich nun in diiesem Sinne zu betätigen.. Aus diesem Grunde ginge er nicht von seiner Forderung des engen Kreises ab. Daraufhin wurde die Satzung abgebrochen.