Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 7 (August 1922)
- Date
- 1922-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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235 funden hat. Dieser Kolomisationsform, die 'augenblicklich die bestimmende in Palästina ist, stellt man «eine völlig neue, die der Bku-Weiß-Kolonie gegenüber. Es ist unmöglich, an dieser Stelle vor einem 'Forum von Dilettanten und 'Leuten, die sachlich über ungenügende Kenntnisse verfügen, diese Dinge zu erörtern. Es ist aber notwendig, all dies im einem engeren -Rahmen eingehend zu besprechen und alle Bedemken aufs sorgfältigste zu prüfen. Denn allem voran gehen die Interessen des jüdischen Volkes und ihnen haben sich die Einzelnen unterzuordnen. Genau dasselbe kann man bei der Frage des Maasser feststellen, und hier kommen wir auf das Verhältnis zum. Keren Hajessod und zur Zionistischen Organisation zu sprechen. Man kann auf dem Standpunkt stehen, daiß Keren iHajeS'Sod und Organisation schlecht arbeiten und ungenügende Mittel aulbringen, man d'arf aber nie auf dem Standpunkt stehen, getrennt von ihnen zu arbeiten und den Zusammenhang mit ihnen aufzugeben. Auf der anderen Seite ist etwas Prinzipielles zu erwägen: der Keren iHatjessod als solcher ist etwas sehr großes. ointgroße Idee, die wirklich alle Juden zu umfassen sich anschickt. Da soll man es sich sehr überlegen, ob man nun d-iese Idee verneint und sich außerhalb ihres Wirkungskreises stellt. Henau dieselben Bedenken gelten aber auch auf wirtschaftlichem Gebiet. Es gi'bt Epochen wirtschaftlicher Krisis und der Notwendigkeit schärfster wirtschaftlicher Anstrengung, wo alle Mittel eingesetzt und das letzte zur Erreichung des Zieles verwendet werden muß. Man kann so z. B. der Ansicht sein, daß es notwendig ist, innerhalb eines Jahres wirtschaftlich in 'Palästina Ungeheures zu leisten. Diese Auffassung ist aus, politischen Erwä.gungen begründet. England hat das Mandat über Palästina bekommen. Dieses Mandat ist in Kürze in Palästina zu fundieren, sonst kann evtl alle Arbeit umsonst gewesen sein und der Erfolg e'in Mißerfolg werden. Man muß sich also sehr überlegen und fragen, oib man richtig tut, einen Maasstir für sich aufzustellen, das Mindeste, was der Bundestag verlangen muß. daß Verhandlungen mit der Zionistischen Organisation eingesetzt und ohne ein befriedigendes Ergebnis dieser Verhandlungen nichts unternommen wird. Dieses mangelnde Verhältnis und diese unbefiriedigende Einstellung zum jüdischen Volik z/.gt sich noch auf kulturellem Gebiet. Die Kolonie stellt die Krönung des landsmannschaftlichen Prinzips dar. Sie bedeutet also einem Abschluß dem Volk gegenüber und eine Erschwerung der kulturellen Aufbauarbeit. Wie es sich schon früher gezeigt hat, liegt die Gefahr vor, daß man Sprachinseln bildet, daß man zum 'mindesten nicht in der Lage ist. sxh in dem erwünschten Ausmaß an der Arbeit zu beteiKeen. Man. kann ^u den Ost'uden stehen wie man will, das eine jedoch ist sicher, d-aß nur sie letzten Endes die Hebraisierung durchführen können und daß ohne ^sie und gegen sie eine Fleibraisierung eine Unmöglichkeit ist. In diesem Zusammenhang muß man sich also die Era'ge der landismar.n^chaftlichen Siedlung, die Frage der Blau-Weiß-Kolonie, des Ordens und der Armee also sehr überlegen und eingehend erörtern. Es soll dies alles in Sachlichkeit geschehen ohne irgendeine Stunkstimnuing aufkommen zu lassen. Zu dieser Kritik sei noch nachgetragen, daß Mar cell Lew aucn rein wirtschaftlich große »Bedenken (gegen die Sparkasse, Umsatzsteuer usw. äußerte, die er aber nicht vor der Führersitizung erörtern wollte, da dieser Kreis ihm für diese Fragen) zu dilettantenbatt und nicht kompetent genug war. Auf die Rede von Marcel! Lew antwortete als erster Hans Kaufmann aus ©eirlin, der auf die prinzipielle Seite einging. Er erklärte klipp und iklar, es handelt sieb um die (Frage des Blau-Weiß überhaupt, um seinen Sinn, sein Ziel und seinen Zweck und er formulierte, das Letzte ist der Blau-Weiß. Es gibt nichts, was über ihm stehen könne, und wenn es zum Konflikt mit Keren tiaijessod- und Zionistischer Organisation käme, so müsse man diesen Konflikt auskämpfen, es ist dann ledrigliLch eine M'achtfiraige1, eine Frage unserer Stärke, ob wir düesen Konflikt überstehen oder nicht.