Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1922)
- Date
- 1922-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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Ilcbr/asche Sprache und hebräische Literatur jloM£kL't bildete der lyrische Teü des Journals, auf welchen sich seine bleniüiseb.r nicht wenig einbildeten. Wer diese hinkende Versmach er ei, diese gekünstelten Tiraden und panegyischen Ergüsse nüchterner Rationalisten, die nie einen Hauch poetischen Geistes verspürt haben, nicht selbst gelesen hat. dein kann man auch schwer eine Vorstellung davon gehen.. Ganz zu schweigen von den schauderhaften Vergewaltigungen i:i.ü Vurhi:!:/.imgi?n des Hebräischen, die besonders krass in den Uebersetziingen irenider Poesie zutage treten.'"') Das Ziel dieser Zeitschrift war: den deutschen Juden die deutsche Kuliui nahezubringen, wobei man unter Kultur allgemeine Annäherung an deutsche Sitten und Gebräuche, allgemeines Hineinwachsen in das deutsche Volk zu verstehen hat. Das Mittel war die Behandlung aller möglicher Fragen unter diesem Gesichtspunkt — in hebräischer Sprache. iSo tntstand in Deutschland eine Art hebräische Bewegung, in gewissem Sinn eine hebräische Regeneration, die — in Deutschland — direkt der Assimilation, der Aufgabe alles Jüdischen zustrebte, im Osten aber eine w.irkHche jüdische Renaissance herbeiführte. Es nimmt dann auch nicht Wunder, daß, nachdem durch die Mendelssohmehe Bibelübersetzung (deren Deutsch mit hebräischen Lettern wiedergegeben war) einige Kenntnisse der deutschen Sprache vermittelt worden waren, der Hammeassei deutsch, wenn auch in hebräischer Umschrift, gehalten wurde, und nach einer gewissen Zeit, nach Erreichung des Zieles, einging. So erklärt sich denn auch die merkwürdige Tatsache, daß nach ca. 40 Jahren, nach 2—3 Generationen man dem Hebräischen ganz verständnislos gegenüberstand. 2. Die zweite hebräische Sprachbewegung, die noch in der heutige]! Zeit Wirkungen auslöst, ist ebenfalls aui die Haskalah zurückzuführen. Ohme weiter aui die Entwicklung einzugehen, sei gesagt, daß hier schließlich Spracherneuerung um' wahrhaft jüdische Renaissance e i n Ziel bildeten. Ausgangspunkt u.eser neuen Bewegung war Galizien. Von hier aus führte ein langer Weg, der die verschiedensten Stadien und Entwicklungsstufen zu überwinden, die Gefahren der Russiiizierung, Assimilation, nationalen Entfremdung zu bestehen hatte nach Rußland, Polen und Litauen. Immer wieder und wieder siegte das jüdische Moment. Aber erst nachdem man lange strebend sich bemüht hatte, hörte die VerscHingung aui, das Ziel konnte geradlinig erreicht werden: eine neue Generation war da, die ernstlich an der Gesundung des judischen Volkes und an dem Aufbau der Sprache arbeiten konnte. Hervorzugeben sind Minner wie: J. B. Lew in söhn. A. und M. J. Leben söhn, Berk ö w i c z , J. L. Oordon, M. A. üünzburg, S m o 1 e n s k i n . die schließlich die Träger und Väter des modernen Hebraismus wurden. Bald tauchen K a t z e n e il e n b o g e n , A b r a m o w i t z (bekanntet unter seiinem Schrinstellernamen Mendel M oclier S f o r i m). J e h u d a iSteinberg und Hackary auf. In diese Zeit füllt auch das erste Auftreten Ben Jchudas. dem die hebräische Sprache besonders viel verdankt. Von Iiier bis zu R a b i n o w i t z . A c h a d Haam, B i a 1 i k , Ee i e r b e r g . E r i s c h m a n n . P e r e z , Sc h o 1 e m A 1 e c h e m und Erng ist kein weiter Weg. Diese wiederum trugen die neuhebräische S^raehbewegtuig in die gesamtjüdIsche Welt hinaus, von hier aus gelangte sie auch nach Deutschland. IL Der Weg ist klar. Von Deutschland drang die hebräische Sprachh:\\ egrn.g, wo sie mit einigen Ausnahmen lediglich von assimilatorischen; dtiuder.den Utiluarismen getragen war, nach Rußland. Hier wurde sie "! Dr. Jo-ef Meisl, Haskalah. Berlin 1919. S. 24.