Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1922)
- Date
- 1922-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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201 In allen Debatten und Antraten machte sich die- Tendenz geltend, unsere Arbeit auszubauen und zu befestigen. Nirgends ein Absch wachen, ein Zurück, im Gegenteil: man i. >e doch, wieviel Antrage sich mit der Verschärfung der Examina. F.infi'^: des Fuxe::-Examens, Burschenarbeit, Erweiterung des Inaktivenexa::u—> s. f. beschäftigten. Man hat wirklich nicht den Eindruck, daO c.is Kartell unter der Last unerfüllbarer Forderungen zusammenbricht. — Welches Bild gab der Kartelltag von dem Verhältnis der heutigen KJV. -Generation zum Kartell? Es wurde von Holle nderski als ein gutes Zeichen begrüßt, daß man Erziehungs- und Unterrichtsdebatte getrennt hatte. Und mit Recht! Die Fragen unseres Zusammenlebens, der Methoden i:-serer Erziehung treten wieder (!!) in immer zunehmendem Maße in den Vordergrund. Wir laufen wirklich nicht mehr Gefahr, eine „L e h ranstalt" zu werden. Das Referat von Leo Rosen blüth war stark \ 0:1 dem Bewußtsein getragen, daß es wieder ein KJV. gibt, zu dem wir als Menschen ein positives Verhältnis haben. Wir arbeiten heute in diese::' Kartell nicht aus zionistischem Pflichtgefühl, wie man cos in den schlechten Zeiten, in denen diese menschlichen Bindungen f.is: fehlten, immer begründete, wir arbeiten heute im Kartell, weil diese Arbeit uns persönliches Bedürfnis geworden ist. Man könnte für diese Tatsache eine Reihe von Symptomen anführen» so z. B.. daß" es heute wieder echte Freundschaften a; dem Boden des Kartells gibt, wir wollen hier aber nur an eins erinnern: ich denke an das leidenschaftliche Verlangen nach der KJV. -Geschichte. Es ist keine Monomanie des Kartells, daß jeder Tagung eine Reihe von diesbezügl. Anträgen vorliegt, daß das Präsidium dami: bestürmt, wird. Es ist kein Zufall, daß sowohl auf der Erstchargiertenta-iung als auch auf diesem Kartelltag das Referat von Leo R 0 s e n b! 11: h diese starke Verknüpfung mit den Ideen des BJC. aufwies. Nur eine Gemeinschaft, die sich selbst bejaht, bejaht i h r e Geschichte. Zur Zeit, als die Assimilation das Jude:::u:u zu zersetzen begann, um die Wende des vorigen Jahrhundert. dur;:e ein polnischer Assimilant schreiben: „Daß die Juden eine Geschichte habe::, ist ihr größtes Unglück." So eine Gemeinschaft, die sich verneinte! —- Für die starke Bejahung des Kartells spricht m. E. auch der Umstand.' daß heute die Notwendigkeit des KJV.-Unterrichts allgemein empfunden wird. Wir spüren wieder, daß es Dinge gibt, zu denen wir eine besondere Stellung einnehmen und mit denen sich unsere Menschen als KJVer" auseinanderzusetzen haben.--- Bevor wir uns in Hannover trennten, sangen wir wie immer unsere „Hatikwalr. Wir sangen sie nicht mit stürmischer Begeisterung: ernster und schwerer klang der Rhythmus. Ein jeder s p ü r : e die Vera n t w 0 r t u n g . die auf ihm lastet. Nachwort. Es sollte nicht Aufgabe dieser Zeile:: sei:;, einen Bericht über den Kartelltag zu geben. Ich habe aus der fülle Oer Fragen nur die herausgegriffen, die mir persönlich besonders am Met/e: i.ucn. Auf ein>. was mir wesentlich erscheint — der Eintritt von A.H. \\ eil ins Präsidium und die Uebernahme des Erziehungsressorts — bin ich aus zwei Gründen nicht eingegangen: 1. Ich bin in der Beurteilung der Frage, wie wei: die vorhandene jüdische Kultur für uns fruchtbar gemacht werde:'. kann, nicht kompetent: 2. es ist nicht im Sinne Weils. der von ihm a::ge>i:eb:en Entw icklung jetzt schon die Prognose stellen zu wollen.