Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1922)
- Date
- 1922-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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im KJ.V. wiedergeben kann. Dann soll er natürlich auch biblischen, talrnudischen und neuhebräischen Stil als solchen empfinden können. Die chemischen Schwierigkeiten unseres Geschichtsunterrichtes erklären sich zu einem Teile auch aus der Unklarheit seiner Zwecksetzung. Die Geschichte der letzten Zeit, die aktuellen Wert besitzt, haben wir in die Tendenz gewiesen. Die übrige Geschichte spielt im Rahmen der KarteHerziehüng eine sekundäre Rolle. Nicht durch Wissensinfiltration, sondern durch Milieuwirkung, d. h. Wirkung persönlicher Art, die nicht zu den organi« iorischen Aufgaben des Kartells gehören darf, werden wir indischer. Der Fuxenunterricht in Geschichte hat lediglich zu erreichen, daß zwischen -den wichtigen Fakten cm loser Verbindungsfaden besteht, * und Namen eine, wenn schon primitive, Assoziation hervorrufen. Falls nicht ein Bundesbrüder selbst den Drang spürt, lebendige Geschichte oder einzelne Bilder zu vermitteln, müssen wir uns mit der Methode der in längeren Zwischenräumen in Form von Unterhaltung kontrollierten Privatlektüre begnügen. Eine Verteilung auf zwei Semester ist notwendig; der Einschnitt erfolgt am besten, weil am populärsten, mit dem Jahre 70 oder 135. Burschenausbildung. Die früheren Burschenkurs? litten daran, daß in jedem Semester ein anderer Stoff und dieser daher oberflächlich behandelt wurde. M. E. sollte es dem Burschen überlassen bleiben, ob er an dem intensiven Kurs, den die Verbindung oder eine Gruppe von Burschen jedes Semester veranstaltet, teilnehmen oder ob er entsprechend intensive Außenarbeit leisten soll. Das Thema dieser Kurse ist gleichgültig und dem Interesse der Bundesbrüder anzupassen, wobei .ich allerdings meine, daß gerade die zeitweilige Beschäftigung mit Dingen, die uns nicht ganz liegen, eine größere erzieherische Bedeutung besitzt. Nur e i n Gebiet darf nie von der Tagesordnung des Semesters verschwinden: die zionistische Gegenwart. Ob Kurs, ob einzelne Besprechungen: der Kontakt mit diesen Dingen muß da sein. Hier ist noch der „akademische Rahmen" zu sprengen. Wenn unsere jüdisch gebildeten Bundesbrüder und besonders Alten Herren nicht nur fordern, sondern geben würden, so hätten wir eine Art der oben erwähnten Milieuwirkung, die uns dann wirklich jüdisch fördern könnte. Allerdings gehörte dazu eine gewisse persönliche Note und vor allem eine liebevolle Einstellung zu den Menschen, die nicht immer vorhanden ist. Prüfungen. Das Fuxenexame n ist zu begrüßen. Es hätte die Aufgabe, das Burschenexamen von umfangreichem Tatsachenstoff zu entlasten (Galuth- und Falästii.akunde, Zionistische und KJV.-Organisation) und so auch :i\r den Tendenzunterricht des 2. Semesters einige kenntnismäßige Grundlagen zu sichern. In der Burschen prüf u n g würde dann nach dem Punkt ..Geschichte4* eine ausführliche Tendenzunterhaltung stattfinden können, die nicht mehr unter der Herrschaft des Minutenzeigers zu stehen brauchte. Der große Wert einer solchen Aussprache für die Beurteilung nicht nur der Kenntnisse ist uns ja selbstverständlich. Dagegen hat eine Burschenar")eit keinen Sinn, weil das alte Argument, man könne keinen eben entwöhnten Zionisten auf ein größeres Thema loslassen, noch zu Recht besteht. Wesentlich anders liegt die Sache bei der Inaktivierung, und so möchte ich dafür plädieren, daß, wenn das l n a k t i v e n e x a m e n auf das Gebiet der zionistischen Tagesfragen ausgedehnt wird, — was unbedingt notwendig ist, — der zu Prüfende zwischen einem Kolloquium und einer geschlossenen Arbeit wählen kann. Zum Schluß noch eine Frage: Bisher war es eine unbewußte Selbstverständlichkeit, daß die systematische Ausbildung mit der A.H.ierung abschnitt. Gibt es hier nicht Möglichkeiten, z. B. auf dem Wege der temporären Zusammenfassung jüngerer Alten Herren?