Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1922)
- Date
- 1922-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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195 Ich habe diese Ausführungen so ausführlich gehalten, weil ich Klaube, <laß der Ursprung aller unserer Krisen daher kommt, daß wir uns an der Idee unseres Bundes versündigt haben. Sonst wäre es nicht möglich, daß so viele, die einmal ganz aktiv bei uns waren, außerhalb unserer Reihen stehen. Sonst ständen nicht die beiseite, die das Kartell mitzulenken die Fälligkeiten haben, sonst erschienen nicht manche unserer Besten — ich meine hier im wesentlichen eine Reihe von Inaktiven — nur auf Kartelltagen und vergraben sich sonst hinter Bücher und Probleme. Die Bundestreue hätte ihnen gezeigt, daß das Kartell ihrer mehr denn je bedarf, daß sie in ihrer Treue zum KJV. verbunden mit ihrem jüdischen Können und menschlichen Fähigkeit gerade sie als führende Menschen besondere Verpflichtung hätten. Und auch dieses muß der heutige Kartelltag erreichen, daß diese Menschen, deren Zahl gar nicht so gering ist, von nun an wieder ohne Aufforderung und ohne Ermahnung mit uns zusammen im Kartell arbeiten. Gerade weil jetzt eine neue Generation heranwächst, die allein uns Berechtigung verleiht, weiter im KJV. zu arbeiten, gerade deswegen apnellieren wir an alle die, die im letzten Kartelljahr glaubten zusehen zu dürfen. Ich glaube, das ist notwendig, nicht nur des Kartells wegen, nicht nur für die Entwicklung der jungen Generation, sondern auch um eures Zionismus willen. Ich glaube, es ist jetzt deutlich genug gesagt, daß in allem, was bisher ausgeführt wurde, deswegen ein so wichtiger Erziehungsfaktor liegt, weil er unsere Menschen erst in dem anderen fähig macht, weil er erst die Disposition schafft in unseren Menschen, mit unseren Erziehungsforderungen an sie heranzutreten. Die Forderungen sind bekannt und genügend diskutiert. Hier sollen nur Wege angedeutet werden, die zum Ziele führen können. Es wäre hier der Ort, sich ausführlich zu unterhalten über die geistige Ausbildimg unserer Bundesbrüder, über Kurse, Fuxenstunden und über den ganzen Stoff, den wir im Kartell bewältigen wollen. Denn es ist kein Zweifel, daß wir gerade durch Erkenntnis der jüdischen Gegenwart erst die Möglichkeiten geben, in unserer Erziehungsarbeit zu offensichtlichen Resultaten zu kommen. Da jedoch diesem Abschnitt ein besonderes Referat gewidmet ist und da wir voraussichtlich bei diesen Fragen uns auch prinzipiell über das Erzieherische unterhalten werden, so werde ich das an dieser Stelle übergehen können. Hier sei nur betont, daß die Wege unserer Erziehung, wie schon vorher angedeutet wurde, bei uns häuiig unseren Menschen gegenüber ganz verschiedener Natur sein werden. Es gibt eben verschiedene Möglichkeiten, zur zionistischen Tat zu gelangen und jeder, der einmal Gelegenheit hatte, bei uns aktiv mitarbeiten zu können, wird bestätigen, daß gerade in der individuellen Behandlung unserer Bundesbrüder ein wichtiges Moment liegt, um zu irgend welchen Resultaten zu kommen. Es sei hier eingefügt, was schon oft betont ist. daß wir bei der Aufnahme mehr auf die Qualität als auf die Quantität unserer Xeuaufzuehmenden zu seilen haben. Mit unnachsichtiger Strenge müssen wir Menschen ablehnen, die von \ornherein uns untauglich erscheinen und müssen darauf dringen, daß nur der h. unsere Reihen aufgenommen wird, der sich nach einigen Wochen in den ganzem Rahmen unseres Lebens hineinzuleben imstande ist. Wollen wir mehr sein, als ein Sammelpunkt für junge Zionisten und glauben wir wirklich an die Aufgabe unseres Kartells, so mü>sen wir aus zionistischen Gründen auf eine strenge Durchführung dieses Prinzips sehen. Die ganze Auffasung, die wir vom Kartell vertreten, verträgt es nicht, daß Menschen in ihr hineinkommen, die. indem sie unser:: Neimen tragen, das Kartell nur kompromittieren können. Auf der anderen Seite ist es ebenso falsch, nur einen bestimmten Typ in die Verbindungen abzunehmen und auf eine Homogenität der Bundesbrüder allzu ängstlich zu