Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1922-06-01 · Heft 6 (Juni 1922) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 6 (Juni 1922)
Date
1922-06-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3537599-3537768-3537774--5689-3543810
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

VJA .Methoden der Erziehung im Kartell tritls zieht. Von jeher galt es als Akt der Bundesbrüderlichkeit. Gesinnungslose m entfernen!** Ich glaube, daß es notwendig ist, solche Worte auch in mmni Reihen heute wieder einmal zu sagen, und daß insbesondere unsere J unseren, die ja schließlich die Lenker des Kartellgeschickes sind, diese Dingi-begreifen. Wenn solcher Art die Auffassung von Disziplin und Bundesbrüierlichkeit bei uns sein wird, dann wird es kaum noch möglich sein, daß -ssch Stimmen erheben, die nach Gruppen oder ähnlichem verlangen. Weil -.sahon in der ganzen Art, wie wir uns organisiert haben, wie wir uns unsere Gesetze gegeben haben, an sich ein erzieherischer Faktor enthalten ist. muß verlangt werden, daß über den Sinn dieser unserer Institutionen wie Konvent, Ehrenrat, Präsidium usw., zu unsern Jüngeren •jesprochen wird. Sicherlich ist es richtig, daß diese Institutionen durch sich selbst wirken müssen, aber täten sie das so ursprünglich und so primitiv, wie das manche von uns wünschen, so hätten wir sie wahrscheinlich i?ar nicht so notwendig. Wir erkennen sie doch nur an, weil wir eriahon haben, daß sie für uns einen kleinen Ersatz eines staatlichen Gebildes bsatzen. Sie sind doch eben für uns die Vorschule für das Leben im wirklichen Judenstaate. Und deswegen müssen alle diese Dinge zionistisch interpretien werden, und deswegen muß der Erzieher von ihnen mit demselben Respekt und derselben Achtung reden, die er den Jüngeren anerziehen soll. Gerade dem Lehrer dieser Ideen gilt das Sprichwort: Si duo faciunt ideiL non est idem. Formen. Wenn nan von diesen Voraussetzungen an die weitere Frage herangeht, die aigeblich bei uns zu einem Problem geworden ist, zur Frage der Formen., so bin ich der festen Ueberzeugung, daß diese zwar für die Erziehung auch von Bedeutung sind, und für das Leben des Einzelnen, für das sich Uohlfühlen entscheidend sein können, daß sie aber in einem Kartell, daß nadi den obigen Grundsätzen lebt, nimmermehr ein entscheidendes Problem Mden könne. Die Formen müssen sich ableiten aus dem Leben der Verbhüajngcn. Sie sind abhängig von den Menschen, die mit ihnen etwas begimen können oder nichts anzufangen verstehen. Richtig angewandt körnen sie natürlich zu den bequemsten Erziehungsfaktoren im Verbindungsleten werden, können'bei uns von viel entscheidenderer Bedeutung als bei noraallebenden Völkern sein, weil wir durch sie ganz ursprünglich auf Körper und Geist zu wirken imstande sind. Aber gerade deswegen müssen sie richtig angewandt werden und nur von denen angewandt werden die auch -sinst in unserem Geiste leben. Nicht der. der die Technik des Wandens oder des Sportes beherrscht, kann bei uns dadurch schon Erzieher im eigentlichen Sinne des Wortes werden, sondern der, bei dem rrsere Junsüis merken, daß hinter all dem Körperlichen oder Technischen üL-selbe Gest lebt, den er in der Fuxenstunde empfängt, wird unsere geistig unJ' körperich verkrümmte Jugend für immer wieder aufrichten können. Ar.jererseit-smuß betont werden, daß Verbindungen, die diese Seite unserer Erhöhung jänzllch vernachlässigen, niemals zu erfreulichen Erziehungsresaltaten kunmen werden, und es gehört zu einer Verkennung aller zionistischen Pnr.Ieme. will man diese Art der Erziehung nicht eben so ernst in Angriff iuhnieü. wie die oben geschilderte. Ich verwahre mich nur dagegen, daß man versucht, diesen Dingen eine überragende Stellung im Lehen der vorporaiion zu verleihen. Sie sind wie alles andere, was wir tn*i, nur Mite] zur Erziehung innerhalb unserer Gemeinschaft. Natürlich können sie;e nach dem. welche der Formen man bevorzugt, das äußere Antlitz eine-] Verbindung gestalten. Aber sie dürfen nicht im Leben des Einzelnen ehe zentrale Bedeiiiimg besitzen. Ich will mich in diesem Zusammenbau;, mit diesen Andeutungen begnügen, und hoffe, daß alle vers::.::Je:i habin. daß ich mir ein Kartell ohne Wandern, Sport oder Rudern l denker ku;:n. daß a-;ch für mich diese Dinge Erziehungsfaktoren bedc:.:en. die Gerade für uns nicht nur äußerlichen, sondern in hervorragendem V,.. \\-;:ü:er-.:: Cr-arakter hab-n können.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.