Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1922)
- Date
- 1922-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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.du. dreier i'A/.\ urteil i o - t>%> Gerade durch die Leibverhältnisse wird verhindert, daß die andern Methoden unserer Erziehung, auf die wir jetzt zu sprechen kommen, in formalistischer und militaristischer Weise auf unsere jungen Bundesbrüder wirken. Zu den Grundpfeilern untrer Erziehungsmethoden gehört nach wie vor die Disziplin und es gehört zu den Grundlagen unserer gesamten Erziehung, daß diese Disziplin im richtigen Sinne gelehrt, angewandt und verstanden wird. Gerade heute, wo noch immer ein großer Teil unserer Neuaufgenommenen, um mit Holdheim zu reden, an einem ungesunden Drange nach zügellosem Sichausleben leidet, und sich nicht bewußt ist, daß diese erstrebte Ungefbuudenheit eine höchst mißverstandene Freiheit darstellt, wo wir wissen, daß es bei uns gilt, zu einer Uebcrwindung dieses schrankenlosen Individualismus zu kommen, wo wir erkannt haben, daß nur denjenigen „die zionistische Idee" zu neuem Menschentum umgeformt hat, der die Abhängigkeit des einzelnen Lebens vom Leben der Gemeinschaft ganz unmittelbar begriffen hat, der vrade die höchste Steigerung seines Individuallebens darin erblickt., d r sich als dienendes Glied seiner Gemeinschaft zu fühlen vermag, g e heute gilt es wieder, unsere Auffassung von Disziplin genau so zu . iulieren. wie es Holdheim 19IS getan hat: Disziplin heißt „Respekt vor unserer eigenen Gemeinschaft, nur eine auf dieser Grundlage aufbauende Gemeinschaft hat zionistische Existenzberechtigung und zionistische Stoßkraft. Nur in diesem Geist erzogene Menschen können brauchbare Bürger Palästinas werden". Buudesbriiderlichkeit. ".Venn wir anfangs schon davon sprachen, wieviel Wert wir darauf legen, in unseren Verbindungen den Geist der Zusammengehörigkeit, der Kampf- oder YVeggenossenschaft zu pflegen, wenn wir vom Verantwortungsgefühl des einzelnen gegenüber der Gemeinschaft sorachen, und darin besondere zionistisch-erzieherische Werte sahen, so muß immer wieder In unsern Kreisen lebendig sein, was wir unter dem soviel gebrauchten Wort „Bundesbruder" oder ,.B im d e s b r ü d e r 1 i c h k e i t" verstehen. In einer längere.; Diskussion während des Krieges schreibt Felix Rosenblüth folgendes: „Wenn das Wort B u a d c s brüderlichkeit nicht zur Phrase werden soll, muß man bedenken, daß der Ton auf dem ersten Wortbestandteil liegt. Sie ist das Bewußtsein der Verbundenheit durch den Bi:nd, d. h. für uns: durch die Gemeinsamkeit der Idee. Sie ist unabhängig vom Werden und Vergehen jugendlicher Freundschaften, für deren Entstehen oder Nicht- Entstehen der im wesentlichen irrationale Einfluß körperlicher und geistiger Eindrücke entscheidend ist. Bundesbrüderlichkeit ist ein selbständiges Gemeinsamkeitsgefühl von eigenem Gehalt und'besonderer Wärme, das ebenso Bekannte wie Unbekannte bindet. Zur Freundschaft hinzu tretend, verleiht sie ihr spezifische Eigenart. Weil die bundesbrüderliche Freundschaft von besonderer Art ist, bemühten sich Bundesbrüder. Freunde der Verbindung zuzuführen. Umgekehrt haben Freundschaften von Bundesbrüdern., die vom Geist dieses Bundes nicht mehr beseelt sind, mit Bundesbrüderlichkeit nichts zu tun:. — so gut sie auch sonst menschlich begründet sein mögen. Der Einwand, daß demnach alle Zionisteri Bundesbrüder sind, trifft nicht zu, weil unsere Idee in der Idee des Zionismus nicht erschöpft ist. Wir sind nicht bloß durch ihn verbunden, sondern durch das gegenseitige Gelübde der Treue, das ausgesprochen oder unausgesprochen unserem korporativen Leben seinen Sinn verleiht. Nicht Gesinnungsgenossen sind wir, sondern gewissermaßen Eidgenossen. Nur diese Auffassung ermöglicht Menschen, deren Interesse mehr Ideen oder Dingen als anderen Menschen gilt, und die in einem Gesclligkeitsverein freilich eine unglückliche Rolle spielen würden, sich als Bundesbrüder zw betrachten. Der Zusammenhang zwisch.en dem Geist des Bundes und der BunJesbrüder 1 ichkeit ist entscheidend. Gegen den Geist der Bm:d esbrüderlichkeit fehlt, wer die Bundestreue verletzt. Fs sei denn, daß er die Konsequenz seines Aus-