Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1922)
- Date
- 1922-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3537599-3537768-3537774--5687-3543808- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
192 KJV.-Geschichte. Praktisch hat es sich als erzieherisch erwiesen, auch die G e s c h i c h t e des K aTte Iis in diesem Sinne zu geben. Die Kirtelltagsanträge, <üe immer wieder eine aufgezeichnete Kartell-" geschieht! verlangen, beweisen, daß in den Verbindungen das Bedürfnis bestellt, de (ieschichte des Kartells dem neueintretenden Bundesbruder in irgend eher form zu vermitteln. Wir wissen, welchen Schwierigkeiten die Abfassung einer solchen Geschichte begegnet, und es wäre ja sinnlos nur eine Zusammenstellung der Daten zu geben. Worauf es bei der Geschichte des Kartsiis ankommt, und wodurch sie gerade die Möglickeit hat, erzieherisch zu wirken, ist eine Verbindung der Kartellgeschichte mit der Geschieht! der zionistischen Bewegung. Hier läßt sich in der Tat an Hand der 'Kämpe, die im Kartell ausgetragen wurden, zeigen, daß unser Karteil niemals mabhängig von der zionistischen Bewegung gelebt hat. Es käme also danin an, den jungen Bundcsbrüdern -die Zusammenhänge klar zu machen md ihnen auch hier zu zeigen, daß es für uns so etwas wie ein isoliertes SJVertum nicht gibt. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß auf diese Art junge Bundesbrüder, die den aktuellen politischen Ereignissen •bisher gaiz fremd oder unwissend gegenüberstanden, sehr bald Verständnis für unsenaktuellen zionistischen Fragen erhalten. Gerade durch diesen Unterricht wird es auch möglich sein, in unsern Bundesbrüdern ein Gefühl zu erwecken, daß Diener einer Bewegung sein, identisch sein kann mit persönlichan Glücksgefühl. Das Präsidium wird sich im laufenden Kartenjahr mit deser Frage ernsthaft beschäftigen müssen und muß statt der KJV.- Geschichtt deren Abfassung sehr zweifelhaft ist, versuchen, irgend einen Ersatz zu schaffen. Wird es also so möglich sein, allein schon durch den Tendenzurterricht den jungen Bundesbrüderri eine ganz bestimmte Auffassung von KJV. zu geben, werden sie schon dort sehr bald merken, wie wesentlich für ihr eigenes Leben eine gute zionistische, zionistisch-theoretische Grrodlage ist. so ist es natürlich et>enso vornehmste Pflicht der Verbindung, de Bundesbrüder in ihrer menschlichen Entwicklung zu fördert: und ihnen helfend zur Seite zu stehen. Eben weil es nicht wahr ist. daß die entscheidenden Jahre eines jungen Menschen gerade zwischen D5 und 18 Jahren liegen, sondern weil jeder weiß, mit welchen Problemen und Zweifeln 18—20iährjge Menschen zu kämpfen haben, weil hier die arste Bewährungszeit ist, fällt der Verbindung hier eine bedeutsame Aufgabe zu. Leistet in jüngeren Jahren im wesentlichen die Gemeinschati und die Erziehung durch die Gemeinschaft das hauptsächlichste in dieser Hinsicht, so fällt in den späteren Jahren die Hauptaufgabe einer individuolliii Erziehung zu. Aus diesem Grunde betonen wir schon seit einiger Zti immer wieder, wie wichtig und wie ernst das Leib Verhältnis ist. Ich gaube. daß Verbindungen, in denen keine wirklich in Freundschaft geschlossenen Leibverhähnisse bestehen, niemals lebensfähig sein können. Der Leinhirsch übernimmt hier eine der wichtigsten Funktionen, die es überhaupt in der Verbindung gibt. Er übernimmt die Aufgabe, einen Jv.mdesbrvier zionistisch und menschlich weiter zu bilden. Wer das einmal erkam: hat. der wird verstellen, warum der BC. das Recht haben muß. Leilvcrhältüisse zu genehmigen oder aufzuheben. Mau wird auch, wenn mai dieses richtig erkannt hat, nur solchen Menschen Leibfüxe anvertrauet. die durch ihr Leben in der Verbindung gezeigt haben, daß sie zu einen solchen Amte iahig sind. Die Frage der Leibfaniüien muß für uns in Jasen*. Zusammenhang erst von sekundärer Bedeutung sein. So uenig ich verkenre. wie entscheidend auch bei uns die Erziehung gerade in der Gemeinschaft und durch die Gemeinschaft wirkt, so sehr muß der vid::Je\ Charakter des Leibverhäiniisses immer wieder hervorgehoben