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Der jüdische Student · 1922-05-01 · Heft 5 (Mai 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 5 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
[Seite] (sequence 44)
Language
German
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372 Die erste zionistische Verbindung im Nordosten Riga ist eine Universitätsstadt. Es ist eine Art Technische Hochschule mit einer angegliederten juridischen und philosophischen Fakultät. Es stüUeren an den Universitäten etwa 600 jüdische Studenten. Politisch ist das Judentum Lettlands <m vier Teile geteilt. In die Grfiödoxie, die Nationaldemokraten (zu denen die meisten aus der Intelligenz gehören), die Zaristen und der Bund. Als erste Voraussetzung: Keine von diesen Parteien ist gut organisiert. Es ist ein so im Osten üblicher Zusßand. Jede Partei hat drei bis vier Namen, für die die jüdische Bevölkerung stimmt bei den Wahlen, aber keine Führer, keine Organisation. Die zionistische Sache ist durchaus schlecht. Und das bei den sehr großen Möglichkeiten. Denn die Jugend hier ist national. AlÖe streben nach Palästina und täglich fahren Menschen fort. Einige grdle Firmen legen ihre Unternehmungen nach Palästina über. Aber das alle* wird unorganisiert und unsystematisch gemacht. BMer fehlen Durchschnittsarbeiter. Sagen war Unteroffiziere. Es fehlen einige Dutzend zionistisch treue Menschen, auf die mau sich verlassen kann; eben das, was in Deutschland eine KJV.er-Verbindung ist und macht. IDie Jugend ist durchaus undiszipliniert, unorganisiert, wohl voll Feuer, aber nur impulsiv. Sie versteht keine dauernde 'Arbeit zu leisten. Und deswegen ist in ganz Lettland der Keren Hajessod für 1921 noch nicht emmal zu einem Zehntel eingesammelt, und Hunderttausende von Geld gehen uns verlören. In ganz Lettland sind zurzeit um tausend N.-F.-Büchsen aufgestellte etwa soviel, wie nur in Hamburg allein. Oie jüdische Akademikerschaft ist auch durch Parteizänkereien in veischiedene Teile geteilt. Die einzige wirklich im nationalen Snne wirkende Organisation war die jüdische Studentenvereinigung „HairiEuz4*. Sie befindet sich aber im Zustande vollkommener Auflösung. Von tftwa 100 Mitgliedern arbeiten vielleicht 5—6 Personen. Als wir, einige KJV.er, nach Riga kamen, hielten, wir es für unsere Pflichö, die ganze Aufmerksamkeit auf die zionistische Akadernikerschaft zu lemKen. Denn aus diesen Kreisen kommen immer im Osten die besten Arbe&er für die Bewegung. Es ist uns gelungen, eine Gruppe von wirklich, guten Zionisten zusammenzuschließen, und ihnen die Organisationsprinz'ipien des KJV. nahezubringen. Das ist eine Gruppe von etwa 20 Personen, eine Reihe sehr guter HebräTsten dazwischen. Wir haben beschlossen, alle Formen des Kartells, insbesondere der inneren Organisation, innerhalb der neuen Verbindung durchzuführen. Da wir aber es für falsch halten, in einer jüdischen Verbindung deutsche Namen zu gebrauchen, arbeiten wir jetzt eine neue hebräische Terminologie aus, für alle gebräuchlichen Ausdrücke im KJV. Auch 4Ie offizielle Sprache der Verbindung ist Hebräisch. Wir haben die Absicht!, intensiv zu arbeiten, wie innerhalb der Organisation, so auch im zioni stachen Leben. Innerhalb der Organisation werden wir mit Hebräisöh (offiziell vom ersten Semester) und Tendenz beginnen. Wir haben auch de Arbeit für den N.-F. und insbesondere Keren Hajessod begonnen. Es sind auch ziemlich große Schwierigkeiten zu überwinden. Denn die Leute >snd noch schlecht diszipliniert und haben vieles zu lernen. Es ist aber doch gehnigen, durch das strenge Auftreten des CC. sofort die Leute zu überzeugen, daß sie mit einem neuen System zu rechnen haben. Wh haben sehr gute Absichten. Es ist aber schwer zu sagen, wie weit es gelingen wird, unsere Absichten durchzusetzen, da wir KJV.er bald wieder naxh Deutschland reisen müssen. Aber wir haben gesehen, daß die im CC. arbeitenden Leute, die nicht KJV.er sind (nur die erste Charge ist durch einen KJV.ir besetzt), doch den Charakter unserer Arbeit glänzend begriffen haben. Ich weise das Kartell auf die Wichtigkeit dieser Verbindung aiuh für das KJV. hin. Denn wir bekommen aus dem Osten zurzeit viel Manerial für das KJV. Die Verbindungen im Osten werden die Kontrolle iner die nach Deutschland fahrenden ostjüdischen Studenten und Abiturienten haben. Sie werden auch in Bezug auf die Organisierung der zionistischen Studentenschaft im Osten großen Einfluß ausüben können.

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