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Der jüdische Student · 1922-05-01 · Heft 5 (Mai 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 5 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
[Seite] (sequence 43)
Language
German
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Die erste zionistische Verbindung im Nordosten 171 Orientierung jedes einzelnen Bundesbruders über diese und viele andere Dinge ist erforderlich für die -Erziehung zur zionistischen Persönlichkeit. Sollen aber nicht besser die Bundesbrüder das alles an Hand von Büchern sich selbst aneignen? Nein! Es ist unmöglich, daß ein Einzelner den gewaltigen Komplex der in frage kommenden Dinge beherrscht. Hier muß der .ISt. in die Lücke springen. Solche Aufsätze, sollen natürlich nur einen Teil der positiven Beiträge zum JSt. darstellen und zu dem unter Punkt 3 des Bonner Antrags Aufgeführten hinzutreten. Alles andere im Bonner Antrag bedarf kaum eines Kommentars. Mit Ausnahme vielleicht von Punkt 3c. Dinge, über die wir anderenorts nicht orientiert werden können, sind z. B. Abschnitte und Episoden aus der Kartellgeschichte. Man hat betont, daß wir doch den „Juden*4 hätten. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß der „Jude44 kein Erziehungsinstrument des KJV. ist oder werden kann. — Einer gar hat gesagt, daß wir nicht die Mittel zur Umgestaltung des JSt. hätten und die Redaktion die geeigneten Artikel nicht werde aufbringen können, (die, was besonders Punkt 4 betrifft, weder unbedingt von Bundesbrüdern verfaßt noch auch unter allen Umständen Originale zu sein brauchen). Wenn wir bei der Schaffung eines geeigneteren Erziehungsinstrumentes die Hoffnung aufgeben auf die Opferfreudigkeit und die Mitarbeit der Bundesbrüder, geraten wir in einen circulus vitiosus, aus dem wir nicht zu retten sind. Die erste zionistische Verbindung im Nordosten. Ein Brief aus Lettland. Von Boris S i I b e r t -Hamburg (VJSt. Kadimali-Hamburg. a.B.). Riga, Anfang April. In dem Zentrum der Baltischen Staaten befinde ich mich. In der Hauptstadt eines kleinen Landes, das an der westlichen Grenze Rußlands liegt und das jetzt die Rolle einer Brücke zwischen Deutschland und Rußland spielt. An der Westgrenze Rußlands liegen jetzt außer Polen noch drei kleine Staaten: Litauen, das so gut bekannte durch die Entwicklung ein^s autonomen jüdischen Staatswesens und Staatsgedankens, Lettland mit der Hauptstadt Riga und im Norden, am Finnischen Meerbusen, Estland. Jüdisch sind diese Staaten unbedingt von Bedeutung. Estland weniger, denn in ganz Estland leben zurzeit etwa 50 000 Juden. Viel mehr Lettland und Litauen. Lettland hat etwa 2 Millionen Einwohner, von denen etwa 150 000 •luden. Allein Riga, die einzig wirklich europäische Stadt dieser drei Staaten, hat über 40 0(10 jüdische Einwohner. Aber das alles nur zur Orientierung. Riga hat zurzeit ein jiddisches und ein hebräisches Gymnasium. Das hebräische Gymnasium wird von einem Bundesbruder, Dr. Rosenb e rg (in Königsberg aktiv gewesen) geleitet, dem es gelungen ist, ungeachtet des großen Geldmangels und des großen Kampfes „der Jiddischisten" gegen die Schule, aus ihr etwas durchaus Positives zu schaffen. Es exilieren auch diverse jüdische Privatschulen: ein Teil der jüdischen Jugend lernt jn den russischen und deutschen Schulen Rigas. Es existiert in Riga eine Volksuniversität. Zum Bedauern befand sie s>eh bis vor kurzem in den Händen der „jiddischistisch" gerichteten ••Bundisten". Da aber diese „Bimdisten" sich durch einige nicht besonders l'^'bie politische Geschichten stark kompromittiert haben, verließen die Intellektuellen Kräfte, die die Universität geschaffen hatten, die so wichtige ,,l,U'SChc Sache. Denn die Intelligenz im Osten ist durchaus nicht radikal s,»zialistisch gerichtet.

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